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Gleichberechtigung im Schützenwesen: Sind Orden für weibliche Schützenkönige „nur Kosmetik“?

Gleichberechtigung im Schützenwesen : Sind Orden für weibliche Schützenkönige „nur Kosmetik“?

Es war nur ein einziger Antrag, der den Delegierten der Bundesvertreterversammlung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) in Leverkusen vorlag, und dieser kam von der Schützenbruderschaft St. Katharina und St. Josef Rurkempen.

Da Brudermeister Christian Heuter selbst teilnahm, konnte er seinen Antrag auf mehr Gleichstellung von Mann und Frau im Schützenwesen vor den Vertretern der rund 1.300 im BHDS organisierten Bruderschaften auch noch einmal persönlich vorstellen. Und so forderte er, der BHDS möge künftig die Auszeichnungen für seine Majestäten nicht nur in männlicher Form, wie König oder Prinz, sondern auch in weiblicher Form für Königinnen und Prinzessinnen vorhalten.

Bevor es jedoch darüber zur Abstimmung gekommen sei, habe der frisch wiedergewählte Bundesschützenmeister Emil Vogt selbst noch einmal das Wort ergriffen, berichtet Heuter. Am Weltfrauentag sei es keine einfache Aufgabe, gegen den Antrag zu sprechen, habe Vogt seine kurze Ansprache begonnen. Und dann habe er anders als vor ein paar Monaten noch der Bundesgeschäftsführer nicht mit zu hohen Kosten gegen Auszeichnungen für beiderlei Geschlecht plädiert.

Er habe vielmehr mit einer ganz neuen Argumentation versucht, die Delegierten für ein Nein zu diesem Antrag zu überzeugen. „Die Bezeichnungen auf den Orden sind Titel, und deshalb gibt es nur die eine Form“, zitiert Heuter die Aussage von Vogt. Als Königin sehe dieser nur die Ehefrau oder Partnerin der jeweiligen Majestät. Wenn wirklich eine Frau die Königswürde erringe, gebe es dafür das Ärmelband. „Das hält Herr Vogt für ausreichend“, so Heuter. „Aber wir sind doch mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen“, kann er über diese Auffassung des Bundesschützenmeisters nur den Kopf schütteln.

Er freut sich jedoch, dass die Delegierten dieser Auffassung nicht gleich einhellig gefolgt seien, sondern dass im Leverkusener Forum doch eine Diskussion der Befürworter und Gegner seines Antrages entbrannt sei. Es habe Delegierte gegeben, die seinen Vorschlag mit einem eigenen Wortbeitrag unterstützt hätten, nennt er etwa den Ehrenbezirksbundesmeister Josef Kouchen aus Geilenkirchen. Aber auch die Gegner hätten sich zu Wort gemeldet, etwa mit dem Argument, dass eigene Auszeichnungen für die weiblichen Majestäten „nur Kosmetik“ seien. Heuter erklärt, den Antrag bereits im November 2019 eingereicht zu haben.

Dieser habe den Delegierten aber leider vor der Versammlung noch nicht vorgelegen. „Sie erhielten eine Kopie davon erst bei der Anreise in Leverkusen“, bedauert er. Die vorläufige Lösung habe dann ein Antrag eines Schützenbruders aus Schloss Neuhaus gebracht, der argumentierte, sich erst einmal mit den Mitgliedern der Bruderschaften in seinem Bezirk zu dem Vorschlag von Heuter austauschen zu wollen. So gab es dann eine Mehrheit dafür, den Antrag aus Kempen nun auf der nächsten Bundesvertreterversammlung im März 2021 zu entscheiden.

„Ich hoffe, wir haben damit etwas in Bewegung gebracht“, lautet Heuters vorläufig positives Resümee zum Antrag seiner Bruderschaft. Die Vertreter aus Bezirk Heinsberg und Diözese Aachen hätten gleich nach der Versammlung bereits ein Interesse zu weiteren Gesprächen in Bezug auf diese Thematik signalisiert, freut er sich.

(red)