Schwimmbad Hückelhoven: Neubau in acht bis zehn Jahren

Hallenband in Hückelhoven : Schwimmbad-Neubau in acht bis zehn Jahren

Dieser Sprung ins kalte Wasser, da sind sich alle einig, würde böse Folgen haben. Mit 10 bis 15 Millionen Euro Kosten für ein neues Bad rechnet man – im kommenden Haushalt der Stadt sind etwas mehr als elf Millionen Euro für alle geplanten Hochbaumaßnahmen zusammen einkalkuliert. Nein, ein neues Hallenbad ist mit dem Geld, das die Stadt Hückelhoven zurzeit zur Verfügung hat, nicht machbar, das ist einhellige Meinung.

Genauso einig sind sich alle, die in den Rat der Stadt gewählt worden sind, allerdings auch darüber, dass man eigentlich
ein neues Bad bräuchte: Das jetzige, nach grundlegender Sanierung 1994 wieder eröffnete Freizeitbad an der Martin-Luther-Straße schluckt im kommenden Jahr so viel Geld, dass auch nur die dringend notwendigen Sanierungskosten schon heftige Schmerzen verursachen. Aber: Kein Mensch denkt daran, das Bad deshalb zu schließen. Denn dass eine Stadt von der Größenordnung Hückelhovens, die zudem mit dem Anspruch, eine „bürgerfreundliche“ Stadt zu sein, für sich wirbt, ein Hallenbad haben muss, das ist unstrittig.

Durch den Sturm „Friederike“ Anfang des Jahres sind Teile der
Dacheindeckung an der Schwimmhalle abgerissen worden. Während der notdürftigen Sicherungsmaßnahmen an der Abdichtungskonstruktion des Daches wurde festgestellt, dass die hölzerne Unterkonstruktion durch Fäulnis so massiv geschädigt ist, dass sie dauerhaft nicht mehr standsicher ist, also dringend saniert werden muss. Kostenpunkt: Mindestens 300.000 Euro. Außerdem sind die Umkleidekabinen und die Duschen mittlerweile in einem Zustand, dass auch sie dringend renoviert werden müssen. Kostenpunkt: Mindestens 100.000 Euro. Mithin sind 400.000 Euro nötig, um das Bad kurzfristig wieder auf Vordermann zu bringen.

Die Besucherzahlen des Freizeitbades sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken: Von 44.678 im Jahr 2016 auf 43.391 Besucher im vergangenen Jahr, was einem Kostendeckungsgrad von 13,7 Prozent entspricht.

Die Verwaltung hat deshalb mehrere Punkte untersucht, die das Bad möglicherweise wieder attraktiver machen könnten. Zum Beispiel durch die Einführung einer Kleidersauna. „Das würde allein Anschaffungskosten von rund 60.000 Euro ausmachen“, so Stephan Matzerath, Leiter des zuständigen Schulverwaltungs- und Sportamtes in der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und Städtepartnerschaft. Seine Einschätzung: „Keine Attraktivierung.“. Oder durch die Aufwertung des Außenbereiches, beispielsweise durch eine Liegewiese. Stephan Matzerath: „Für eine effektive Aufwertung fehlt einfach der Platz.“ Seine Einschätzung: „Attraktivierung kaum möglich.“ Oder durch den Einbau eines Aufzuges, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Matzeraths Einschätzung: „Zu aufwendig, zu teuer.“

Der Erste Beigeordnete Helmut Holländer fasste die ins Auge gefassten Möglichkeiten kurz und knapp zusammen: „Egal, was wir tun: Den großen Wurf kriegen wir nicht hin.“Sein Fazit deshalb: „Wir müssen gucken, dass wir das Bad in seinem jetzigen Stand auf gutem Niveau halten, dass es gut funktioniert und dass es sauber ist. In acht bis zehn Jahren können wir dann an einen Neubau wahrscheinlich an einem neuen Standort konkret nachdenken.“Der neue Standort wird dann wohl auf dem Gelände von Schacht 3 sein. Denn dorthin sollen auch die Sportplätze für den Schulsport verlegt werden, eine Entscheidung darüber steht im kommenden Jahr an.

„Wir sollten uns als Stadtverordnete schon jetzt Gedanken über einen möglichen Platz für ein neues Bad machen und nicht erst warten, bis die Verwaltung uns einen Standort nennt, über den wir dann gar nicht mehr diskutieren können“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Leseberg. „Wir als Politiker müssen der Verwaltung die Vorgaben machen“, betonte er. Ähnlich wie sein Kollege Ulrich Horst von den Grünen, der von „Flickschusterei“ im Zusammenhang mit den jetzt anstehenden Sanierungsmaßnahmen sprach, forderte Leseberg von der Verwaltung ein
Konzept für die Zukunft des Hallenbades in Hückelhoven, mit Blick auf einen Neubau möglicherweise auch einen Workshop.

Dass sich die Frage des Standortes für ein neues Bad in acht bis zehn Jahren schon im kommenden Jahr stellen wird, das sah auch CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer so: „Ja, das kann 2019 ganz konkret werden.“ Aber er fügte auch hinzu: „Ohne Einbeziehung der gesamten Politik wird mit dem neuen Bad nichts laufen.“ Allerdings, auch das sagte Kreutzer, könne man der Verwaltung zwar Vorgaben machen, „aber wir sind nicht die Planer“. Auf seinen Vorschlag hin soll dieVerwaltung prüfen, wie man in dem jetzt vorhandenen Bad an der Martin-Luther-Straße zumindest mehr Barrierefreiheit herstellen kann. Denn bis zu einem Neubau ziehen noch einige Jahre ins Land.