Schwalmbühne Harbeck spielt „Die überfüllte Wohngemeinschaft“

Schwalmbühne Harbeck : Verwechslungen, Missverständnisse und Turbulenzen

Ja, die Proben sind anstrengend, weil so viel passiert ist. Die Hiobsbotschaften haben sich gehäuft. Ein Hauptdarsteller ist wegen Krankheit ausgefallen – aber die Umbesetzung wurde erfolgreich gemeistert.

Ein anderer muss beruflich häufig nach Berlin – der mühsam erarbeitete Probenplan wurde auf den Kopf gestellt und um Wochenenden und Feiertage erweitert.

Der Haupttechniker hat im November einen Auslandseinsatz und steht voraussichtlich nicht zur Verfügung – zum Glück rückt die „junge Garde“ nach. Und nun endlich scheint dieser Hiob aufgegeben zu haben. Denn ein weiterer Akteur, der sich zum Schrecken des Ensembles kurzfristig ins Krankenhaus begeben musste, ist wieder bei den Proben dabei. Na bitte, es geht doch!

„Die Harbecker Schwalmbühne ist ja der Erfinder des Improvisationstheaters“, bleibt der Vorsitzende des Theatervereins Walter Kotlowski augenzwinkernd optimistisch. Und der guten Stimmung zur Probenhalbzeit tun die Widrigkeiten des Theaterlebens sowieso keinen Abbruch. „Wir schaffen das!“ Regisseurin Gabi Braun ist ganz sicher. Spätestens nachdem sie – das ist eine Tradition der Schwalmbühne – vor der Premiere ihren berühmt-berüchtigten „Möwenschiss“ serviert hat (eine Scheibe Salami mit Meerrettich, die mit Wodka heruntergespült wird), wird die Schwalmbühne zur Hochform auflaufen, die Zuschauer in Wolfgang Bräutigams Verwechslungskomödie „Die überfüllte Wohngemeinschaft“ mitnehmen und ein paar Stunden leichtfüßige Unterhaltung bieten. Niemand im Zuschauerraum wird auch nur im Entferntesten ahnen, wie viel Arbeit dahintersteckt, wie viele Schwierigkeiten zu meistern waren.

Versprochen: Hiob ist nicht auf der Bühne. Auffällig oft fällt dagegen der Name Alexander im passend zur Wohngemeinschaft bunt zusammengewürfelten, vorwiegend selbstgebauten Mobiliar des Bühnenbildes. Wo kommen nur all diese Alexander her? Als Sohn, als Freund, als Blind-Date, sogar als falsche Name einer Einbrecherin. Emanzipationstechnisch sind sie auf den neuesten Stand, die Harbecker. Verwechslungen, Missverständnisse und Turbulenzen sind – wie zahlreiche vergangene Aufführungen hinreichend beweisen – sozusagen der natürliche Lebensraum der Schwalmbühne. Hier fühlen sich die Akteure wohl und agieren mit ansteckender Freude und echter Begeisterung. Obwohl das Lampenfieber vor den Aufführungen bleibt, wie sowohl die alten Hasen als auch die Frischlinge bestätigen. Apropos Frischlinge: „Die jungen Leute sind einfach nur Klasse“, freut sich Gabi Braun über die vielen jungen Mitglieder des Theatervereins, „ich habe keine Sorgen um die Zukunft.“

Der Vorverkauf sei gut angelaufen, sagt der Vorsitzende. Zwei Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Für drei weitere Aufführungen am Freitag, 23.November, 20 Uhr, am Samstag, 1. Dezember, 20 Uhr, und am Sonntag, 2. Dezember, 17 Uhr, sind noch Reservierungen unter www.schwalmbuehne.de möglich. Auch in diesem Jahr lädt die Schwalmbühne Bewohner von Altenheimen und betreutem Wohnen zu einer Benefiz-Vorstellung am Donnerstag, 29.November um 17.30 Uhr ein.

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