Schule Grebben: Bedenken bei Sanierung

Gutachten erstellt : Bedenken bei Sanierung der Schule in Grebben

188 Schüler im Schuljahr 2018/19 und 176 für das Jahr 2021/2022 werden laut Schulstatistik für den Grundschulverbund Grebben-Schafhausen in Heinsberg erwartet. Dabei verrät niemand ein Geheimnis, wenn er kritisch verlauten lässt, dass die Grundschule in Grebben in ihrem jetzigen Zustand wohl kaum mehr in der Lage sein wird, den Kindern in absehbarer Zeit eine angemessene Beschulung zu gewährleisten.

Die zum Teil marode Bausubstanz und das bestehende Grundwasserproblem waren immer wieder Anlass zur Spekulation. Die Stadt hatte daher folgerichtig ein bautechnisches Gutachten eingeholt.

Die Firma bft Cognos aus Aachen erhielt den Auftrag, sich mit der Grundschule Grebben, der Don-Bosco-Schule in Oberbruch und der Grundschule Schafhausen zu befassen, um mögliche Lösungsszenarien für das Problem zu erarbeiten. Bereits Ende letzten Jahres wurden die Ergebnisse den Fraktionen im Rat vorgelegt. Auch unserer Redaktion liegt das Gutachten mittlerweile vor.

Die SPD-Fraktion hat bereits per Antrag angekündigt, dass sie in der heutigen Ratssitzung einige Antworten durch die Verwaltung erwartet. So zum Beispiel, welche Maßnahmen kurz- und mittelfristig zu aufgeführten Mängeln angedacht seien. Noch wichtiger dürften jedoch die Fragen nach einer eventuellen Sanierung, einem Abriss oder einer Erweiterung an den Schulgebäuden sein.

Bei den Schulen in Grebben und Schafhausen handelt es sich um einen Grundschulverbund mit eigenständigen Gebäuden an den jeweiligen Standorten. Die Don-Bosco-Schule in Oberbruch wird derzeit als Förderschule genutzt, könnte aber je nach Erfordernis der betrachteten Variante „freigezogen werden“, heißt es im Gutachten. Die Stadt hatte vier Szenarien zur Entwicklung der Grundschule Grebben, der Grundschule Schafhausen und der Don-Bosco-Schule entwickelt: zum einen die Sanierung der Grundschule Grebben einschließlich der Ertüchtigung des Kellergeschosses mit einer nachträglichen Weißen Wanne, einer erforderlichen Erweiterung des Gebäudes zur Aufnahme einer zweizügigen Grundschule mit Nebenräumen und vier OGS-Betreuungsräumen und Küche; zum anderen den Abbruch der Grundschule Grebben und ein Neubau einer zweizügigen Grundschule am selben Standort. Die dritte Variante beinhaltete Sanierung sowie Umbau und Erweiterung der Don-Bosco-Schule zur Aufnahme einer zweizügigen Grundschule mit Nebenräumen und vier OGS-Betreuungsräumen mit Küche. Das letzte Modell sah die Sanierung der Grundschule Schafhausen vor, nebst erforderlicher Erweiterung des Gebäudes. Letzteres lasse sich aufgrund eines zwischenzeitlich erfolgten Grundstücksverkaufs allerdings nicht mehr realisieren.

Für die Experten von bft Cognos bot sich die Erweiterung der Don-Bosco-Schule an der Parkstraße offenbar als eindeutig beste Alternative an. „Die Umsetzung des Szenarios wäre aus technischer Sicht und unter Kostenaspekten die sinnvollste Alternative“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Die Kosten lägen in diesem Fall bei etwa 1.480.000 Euro unter Berücksichtigung eines vollständigen Austauschs der Fensterelemente, oder bei 649.000 Euro ohne den Austausch der Fensterelemente. An der Don-Bosco-Schule könnten zudem alle erforderlichen Räume realisiert werden. Zusätzlich seien bereits Räume für besondere Nutzungen wie zum Beispiel ein Physikraum, ein Maschinenraum, ein Werkraum und insbesondere eine Mehrzweckhalle vorhanden. Darüber hinaus stünden dann immer noch Flächen für zukünftige Nutzungen bzw. Erweiterungen im Gebäude und auf dem Schulgelände zur Verfügung.

Für die Instandsetzung und Erweiterung der Grundschule Grebben konnten sich die Gutachter hingegen nicht erwärmen. Es ergäben sich Kosten von etwa 2.170.000 Euro bei einem vollständigen Austausch der Fensterelemente oder 1.915.000 Euro ohne. „Von diesen Kosten würden allein circa 554.000 Euro auf den nachträglichen Einbau einer Weißen Wanne inklusive der hierfür erforderlichen De- und Remontagearbeiten der technischen Anlagen entfallen.“

Eine „Weiße Wanne“ könne überdies nicht verhindern, dass bei einer nicht vorhandenen funktionstüchtigen Außenwandabdichtung weitere fortschreitende Schädigungen des Bestandstragwerkes stattfänden. „Aus unserer Sicht wäre es aus den aufgeführten Gründen nicht sinnvoll circa 554.000 Euro in die Ertüchtigung des Bestandsgebäudes Grebben für eine Weiße Wanne zu investieren. Die Risiken und die Höhe der Investition von 554.000 Euro nur für die Ertüchtigung des Kellers ohne Schaffung zusätzlicher, qualitativer Flächen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis“, ziehen die Experten ein Resümee.

Auch bei einem eventuellen Abriss und einem Neubau der Schule an gleicher Stelle winken sie ab. Bei diesem Szenario lägen die „grob geschätzten Kosten“ für den Abbruch der Bestandsgebäude und dem Neubau einer Schule mit zwölf Klassen bei etwa 9.630.000 Euro. „Auch wenn der Neubau einer Schule mit den heutigen Anforderungen an das Raumprogramm einen deutlich höheren Standard als die Bestandsgebäude bietet, wären die Investitionskosten im Verhältnis zu den anderen betrachteten Szenarien extrem hoch“, meinen die Experten.

„Nach jetzigem Stand würde ich die Don-Bosco-Variante favorisieren“, sagt SPD-Fraktionschef Ralf Herberg. Natürlich müssten aber auch noch Aspekte wie der Schülertransport und dadurch entstehende Kosten einbezogen werden. Auch der Bürgerwille müsse berücksichtigt werden.

Sein Pendant von der CDU, Norbert Krichel, möchte sich noch nicht festlegen. Seine Fraktion werde sich im Februar intensiv mit dem Thema befassen, erklärte er auf Nachfrage.