Heinsberg: Schul-Leitbild soll Missständen vorbeugen

Heinsberg: Schul-Leitbild soll Missständen vorbeugen

Unliebsame, aber oft durchaus nachvollziehbare Entscheidungen rund um das Thema Schulen haben der Heinsberger CDU in den letzten Jahren nicht selten verbale Prügel der politischen Konkurrenz und aus Teilen der Bevölkerung beschert.

Das „Leitbild Schule“, das nach mehrmonatiger Arbeit jetzt dem Rat der Stadt vorgelegt wurde, sollte aller Kritik zum Trotz die Ernsthaftigkeit unterstreichen, mit der sich die Christdemokraten dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe widmen. Die übrigen Faktionen konnten sich dem nicht verschließen und stimmten dem Entwurf zu. Lediglich die beiden Vertreter der Freien Wähler (FW) enthielten sich der Stimme.

„Das Leitbild soll als Orientierungsrahmen dienen und damit ein Instrument des Qualitätsmanagements sein“, erläuterte CDU-Fraktionschef Norbert Krichel das sieben Din-A4-Seiten umfassende Werk. „Das Zusammenspiel zwischen Politik, Verwaltung sowie Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern ist unerlässlich und soll hierdurch gefördert und gefordert werden. Dazu zählen unter anderem die Sanierung der Gebäude, die Neugestaltung der Schulhöfe, OGS, Schulsozialarbeit sowie Digitalisierung und Medienausstattung der Schulen.“

Die Kinder und Jugendlichen von heute seien „die Zukunft unserer Stadt“, machte Krichel deutlich. Die Stadt Heinsberg verstehe die Erziehung und Bildung der Schüler als vornehmliche Aufgabe für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Der CDU-Arbeitskreis Schule habe in den Jahren 2015 und 2016 alle städtischen Schulen in Augenschein genommen und einen „enormen Investitionsstau an zahlreichen Gebäuden“ ausgemacht, sagte Krichel. Dies solle in Zukunft verhindert werden. Unter anderem heißt es im Leitbild: „Für die Schülerinnen und Schüler ist die Schule ein Lern- und Lebensraum.

Sie verbringen einen Großteil des Tages in den Schulgebäuden. Deshalb sollen sie sich dort wohlfühlen und in einer angenehmen Atmosphäre lernen können. Die Unterrichts- und OGS-Räume sowie das Schulgelände der städtischen Schulen sollen altersgerecht und anregend ausgestattet und gestaltet sein. Entsprechende Anschaffungen und Maßnahmen erfolgen durch die Stadt Heinsberg unter Einbeziehung der Schulleitungen. Für die Lehrkräfte sollen ausreichend große Arbeits- und Konferenzräume mit der notwendigen technischen Ausstattung zur Verfügung stehen.“

An allen Heinsberger Grundschulen soll es zudem ein familiengerechtes Angebot der Ganztagsbetreuung geben. Die Stadt Heinsberg kooperiere daher mit kompetenten Organisationen wie der Caritas oder dem Betreuungsverein Heinsberg, die die Ganztagsbetreuung in den Schulen durchführen.

Die Kinder erhielten Unterstützung bei den Hausaufgaben und würden mit gezielten Aktivitäten und Programmen individuell gefördert. „Die Stadt Heinsberg“, so heißt es weiter, „setzt sich für eine angemessene Förderung jedes einzelnen Kindes ein. Die entsprechend vorhandenen Sport-, Bildungs- und Kulturangebote sind allen Kindern zugänglich zu machen.“ Insgesamt werden zehn Schwerpunkte gesetzt, mit denen sich das Leitbild befasst.

Mehrjahresplanung

Dass dies nicht immer im Handumdrehen zu realisieren ist, weiß die CDU natürlich auch, deshalb wurde schon frühzeitig der Satz eingefügt: „Die konkrete Umsetzung von Maßnahmen soll in Mehrjahresplanungen erfolgen.“ Auch machte Krichel deutlich: „Ich möchte feststellen, dass das vorliegende Leitbild fortgeschrieben werden soll und muss, und nicht ein in Stein gemeißeltes Werk für die Ewigkeit ist.“

Das hatte Walter Leo Schreinemacher (FW) wohl überhört, denn wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte es schon die ersten Änderungen gegeben noch bevor es überhaupt beschlossen wurde. „Für mich ist das nicht der große Wurf“, ließ er wissen. Wieso Schreinemacher erst jetzt seine Ergänzungs- und Änderungsvorschläge kundtue, fragten sich nicht nur die CDU, sondern auch die Grünen. Am 16. November habe es schließlich ein Gespräch mit den Fraktionen gegeben und bereits vier Wochen vorher hätte das Leitbild ihnen vorgelegen.

Die SPD schien durch den Vorstoß Schreinemachers ins Wanken geraten zu sein und beantragte eine Sitzungsunterbrechung, um dann jedoch zu dem Schluss zu kommen: „Wir werden dem Leitbild zustimmen in der Hoffnung, dass die Anregungen der Freien Wähler im Schul- und Kulturausschuss diskutiert werden.“ David Stolz, Fraktionschef der FDP, konnte die ganze Aufregung nicht verstehen. „Hier werden Probleme gesehen, wo gar keine sind. In dem Leitbild steht nichts, was schlecht ist“, meinte er.