Schokolade per Rad von Amsterdam nach Heinsberg

Schokofahrt : Schokolade per Rad von Amsterdam nach Heinsberg

Schokofahrt. Was ein bisschen so klingt wie Kaffeefahrt, ist doch etwas komplett anderes. Auch dank des passionierten Radfahrers Thomas Houben, der sich der im Frühjahr vergangenen Jahres in Münster gegründeten Initiative namens Schokofahrt angeschlossen hat.

Sie zieht inzwischen weite Kreise und bewegt immer mehr Menschen dazu, in Amsterdam emissionsfrei produzierte Schokolade zwei Mal im Jahr mit dem Fahrrad - und so ohne weitere Belastung für die Umwelt - nach Deutschland zu holen.

Durch Thomas Houben aus Hülhoven ist eine solche Schokofahrt mit 50 Tafeln ganz besonderer Schokolade jetzt erstmals auch in Heinsberg angekommen. „Die wenigsten Menschen wissen, unter welchen Bedingungen Schokolade normalerweise produziert wird und mit welchem ökologischen Rucksack sie zu uns kommt“, sagt Houben. Aus vier Enthusiasten, die bei der ersten Fahrt 2017 mit ihren Rädern 60 Kilogramm Schokolade nach Münster geholt haben, sind inzwischen mehr als 100 Radler geworden, die über eine Tonne Schokolade im wahrsten Sinne des Wortes in mehr als 30 Städte geradelt haben.

Thomas Houben brachte die Schokolade mit dem Rennrad zu Dagmar Liebeton-Eschweiler in die Fußgängerzone. Foto: Anna Petra Thomas

Die Kakaobohne als Grundstoff für die Schokolade sei von den Azteken in Südamerika für den Verzehr entdeckt worden, weiß er zu berichten. Inzwischen werde er auch in der Elfenbeinküste, in Ghana oder Indonesien angebaut. All diese Länder seien jedoch weit weg und der Transport erfolge mit Schiffen, die für ihre Motoren Schweröl einsetzen würden. „Bis hierhin ist der Leidensweg der Schokolade geprägt von unfairen Arbeitsbedingungen, Einsatz von Pestiziden in Monokulturen und umweltverschmutzendem Transport“, betont Houben. Bei seinem Versuch, etwas mehr über diesen sogenannten ökologischen Rucksack herauszufinden, habe ihm jedoch keiner weiterhelfen können.

Er selbst leiste zwar täglich seinen Beitrag für die Umwelt, in dem er die neun Kilometer lange Strecke zu seiner Arbeitsstelle mit dem Rad zurücklege. „Doch was kann ich alleine schon ausrichten?“, habe er sich immer wieder gefragt, bis ihn ein befreundeter Radfahrer zur Schokofahrt einlud. Jetzt weiß der 51-Jährige ganz genau, woher die Schokolade und mehr noch der dafür verwendete Kakao stammen.

In der Dominikanischen Republik werde er unter ökologischen Bedingungen angebaut und fair gehandelt, erklärt Houben. „Das Segelschiff ‚Tres Hombres‘, nur angetrieben mit der Kraft des Windes, transportiert die Kakaobohnen über den Atlantik in das niederländische Amsterdam, also bis dorthin völlig emissionsfrei“, betont er. Die kleine Manufaktur „De Choklatemakers“ in Amsterdam produziere aus Kakaobohnen in einem emissionsfreien Prozess und unter Verwendung von Zutaten, die unter gleichen Bedingungen produziert und gehandelt worden seien, feinste Schokolade.

Zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, machen sich nun Radfahrer aus ganz Deutschland auf, um aus Amsterdam Schokolade emissionsfrei in ihre Heimat zu transportieren. „Nur zwei Mal im Jahr, weil im Frühjahr und im Herbst optimale Bedingungen herrschen für den Transport ohne den Einsatz von Heizungen und oder Kühlungen“, so Houben.

Er habe mit seiner Beteiligung an der aktuellen Fahrt nicht nur einen weiteren Beitrag für die Umwelt geleistet, sondern „Schokofahrer“ aus ganz Deutschland und sogar aus Wien kennengelernt, erzählte Houben bei der Übergabe der Schokolade an Dagmar Liebeton-Eschweiler, Inhaberin des Feinkostgeschäfts „Lebe gut!“ in der Heinsberger Fußgängerzone. Beeindruckt habe ihn auch die Ansprache der Amsterdamer Fahrrad-Bürgermeisterin Anna Luten bei der Abfahrt mit der Schokolade. „Überall wird der Umweltschutz propagiert und darüber geredet, und was macht ihr? Ihr setzt euch einfach auf eure Fahrräder und tut es“, habe sie das Engagement gelobt.

Der Transport in die Geschäfte erfolge völlig kostenlos, ergänzt Houben. Mehr noch kämen die Radler für Übernachtungen und Verpflegung auf der Strecke von Amsterdam zurück nach Deutschland sogar selbst auf. Für ihn ist klar, dass er auch bei der Schokofahrt zu Ostern 2019 wieder dabei sein will und nicht nur Schokolade nach Mönchengladbach, sondern auch wieder nach Heinsberg bringen will.