Mischling Bolle in der Waschanlage: Schmutziger Hund rein, sauberer raus

Mischling Bolle in der Waschanlage : Schmutziger Hund rein, sauberer raus

Waschen, Föhnen, Legen: Wir haben eine Hundewaschanlage getestet

Bolle, fast drei Jahre alt, Kangal-Mischling und gelegentlicher Gast in den Lokalredaktionen in Heinsberg und Geilenkirchen, macht den Selbstversuch: Er lässt sich in einer neuen Hunde-Waschanlage duschen und föhnen. Ob es eine Pfote nach oben gibt?

Wenn Bolle sprechen könnte, er würde womöglich so etwas fragen wie „Muss das sein?“ oder „Warum noch mal liege ich gerade nicht in meinem Körbchen?“. Und wenn Bolle dann auch die Antwort verstehen könnte, würde man ihm ehrlicherweise sagen: „Weil du schmutzig bist. Und weil du jetzt nun mal unser Versuchshund bist.“

Auch wenn Bolle, fast drei Jahre alt, Kangal-Mischling und gelegentlicher Gast in den Lokalredaktionen in Heinsberg und Geilenkirchen, das vielleicht ein bisschen anders sieht, es geht keinesfalls um zweifelhafte oder gar entsetzliche Tierversuche. Es geht um eine gründliche Wäsche. Quasi das Gegenteil der allgemein bekannten Katzenwäsche.

Deutschlandweit gibt es mehrere Betreiber von Hunde-Waschanlagen. Sie funktionieren meistens nach einem ähnlichen Prinzip, nämlich so, wie die Wasch-Boxen für Autos. Münze rein, Waschprogramm auswählen und, nun ja, waschen. Im Kreis Heinsberg hat der Betreiber „Prodogwash“ so eine Box aufgebaut, naturgemäß ein bisschen kleiner dimensioniert als die Anlagen für Autos.  Von diesem Hersteller gibt es in Deutschland derzeit rund 50 Hunde-Waschanlagen.

Pokerface: Noch weiß Bolle nicht so recht, was er von der Hunde-Waschanlage halten soll. Sauber war er hinterher jedenfalls, so viel sei vorab gesagt. Foto: Marie Eckert

Es gibt sechs Programme, warmes Wasser, einen prophylaktischen Floh- und Zeckenschutz, zwei Trockner-Stufen, Shampoo und Conditioner, der verdächtig nach eben jenem riecht, den einige Redaktionsmitglieder am Morgen noch für die eigene Haarpflege verwendet haben, und extra Shampoo für weißes Fell. „Bei weißen Hunden werden die Haarspitzen oft gelb“, sagt David Krieger vom Waschanlagen-Hersteller.

Ab einem Euro geht’s los

Kostenpunkt: Alles ist möglich. Ab einem Euro geht’s los, sagt Krieger, dann geht es um Hundegröße, Felllänge und um den Grad der Verschmutzung. Bei kleinen Tieren, sagt er, komme man mit vier bis fünf Euro hin, bei großen Tieren mit langem Fell müsse man erfahrungsgemäß zwischen zehn und zwölf Euro bezahlen. Für die tägliche Pflege ein bisschen viel, aber nach einem längerem Herbstspaziergang im Feld durchaus eine Option. Dreck und Fell bleiben in der Edelstahl-Hundewaschbox, nicht in der Dusche zu Hause.

David Krieger kommt eigentlich aus Nordbayern und fährt im ganzen Land umher, um die Boxen aufzustellen. An diesem Tag eben in Heinsberg. Er rechnet sich einiges an Erfolgschancen aus. „Das ist hier eine ländliche Gegend, da gibt es viele große, schmutzige Hunde“, sagt er.

Waschen, Einschäumen, Föhnen: Frauchen Simone hat bei der Hundewäsche genügend zu tun. Foto: Marie Eckert

Wirft er dabei etwa einen Seitenblick auf Bolle? Angesprochen fühlt der sich augenscheinlich nicht. Mehr als ein halbherziges Schnüffeln hat er zunächst nicht übrig für die Anlage, stattdessen versucht er, weitgehend zu ignorieren, dass sie überhaupt dort steht. Sein Motto lautet offenbar: Was ich nicht sehe, ist auch nicht da.

Frauchen und Kollegin Simone lockt ihn trotzdem über die Rampe in die Wanne. Bolles Begeisterung hält sich in Grenzen. Ob das an der Tatsache liegt, dass seine Ignorier-Taktik nicht funktioniert hat oder an der Anlage selbst, bleibt Bolles Geheimnis. Er braucht zwei Anläufe und drei Lieblings-Leckerlis, dann steht der bis dato noch schmutzige Hund in der Waschbox. Links und rechts sind zwei Leinen angebracht, die Frauchen an Bolles Halsband einhakt.

Die Kurzform: Waschen mit dem auf 36,5 Grad Celsius in Hundekörpertemperatur eingestellten Wasser findet Bolle angenehm, Föhnen eher nicht. Das Einshampoonieren zwischendurch geht auch noch irgendwie, aber ein bisschen sieht er dabei aus wie ein – Achtung, Wortwitz – begossener Pudel.

Seinem allgemein geduldigen und freundlichen Charakter zum Dank trägt der inzwischen gar nicht mehr schmutzige Hund sein Schicksal mit Würde. Zumindest bis zum ultimativen Endgegner: dem Föhn. Der ist laut, er pustet Bolle unhöflich von der Seite an und überhaupt hat er ja jetzt auch lange genug mitgespielt. Findet Bolle. Sein Nachteil allerdings: Er ist groß und hat ausgesprochen viel und dichtes Fell. Ein paar Minuten braucht Frauchen, bis Bolle trocken ist und aus der Wanne darf.

Wiederholung möglich?

Einmal kräftig geschüttelt, dann ist Bolles Wäsche beendet. Seine Bilanz dürfte gemischt ausfallen, aber so schlimm, wie er befürchtet hatte, war’s wohl nicht. Zwei weitere Leckerlis später könnte man sogar den Eindruck gewinnen, mit den passenden Hunde-Süßigkeiten als Belohnung wäre Bolle in absehbarer Zukunft durchaus bereit, noch einmal in die Wanne zu klettern.

Daniel Krieger jedenfalls hat bislang noch jeden Hund wieder sauber gekriegt, sagt er. Es sei wichtig, erst bei den Beinen anzufangen und sich langsam hochzuarbeiten, damit sich das Tier langsam ans Wasser gewöhnen kann. „Ich kenne keinen Hund, der nicht mitgemacht hat.“ Vielleicht nicht gleich, aber nach ein paar Mal Üben habe jedes Tier die Rampe erklommen. Und beim Testhund Bolle hat’s mit dieser Taktik ja schließlich auch geklappt.

Die Hunde-Waschanlage steht an der Karl-Arnold-Straße 78 in Heinsberg.

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