Sommerakademie in Wassenberg: Schaurige Geschichten und spannende Krimis

Sommerakademie in Wassenberg : Schaurige Geschichten und spannende Krimis

Kurze Krimis zu schreiben lautete die Aufgabe für die acht Teilnehmer der fünften Wassenberger Sommerakademie mit Ulrich Land. Und auch dieses Mal entstand in den fünf Tagen, zu denen die Bücherkiste und die Anton-Heinen-Volkshochschule gemeinsam mit dem Schriftsteller in den Bergfried eingeladen hatten, wieder ein pralles Heft voller Texte.

Zu deren Präsentation baten die Freunde geschriebener Worte in das Naturparktor an der Pontorsonallee. Alle würden sich gerne Krimis im Fernsehen anschauen. „Aber wie schreibt man die?“, fragte Irmgard Stieding in ihrer Begrüßung. Sie gehörte als Mitbegründern ebenso wieder zu den Teilnehmern wie Susannee Depuydt, Sabine Esser, Peter Hellerer, Verena Jeschke, Iris Karakas, Gabriele Klein und Conny Rosskamp. „Wie fängt man an, mit dem Täter, mit der Tat, mit dem Detektiv, mit dem Opfer?“, fragte Irmgard Stieding, gab selbst gar keine Antwort, sondern dankte dem wieder einmal „wunderbaren Dozenten“.

Mit einem Dutzend verschiedener Aufgaben ganz unterschiedlicher Art hatte Ulrich Land die Neu-Schriftsteller an ihre Arbeit herangeführt. So galt es zunächst, einen Dialog zu erarbeiten, bei dem ein Polizist herausfinden soll, wer denn den Obdachlosen von der Brücke gestoßen hat. Weiter ging es mit einem Ein-Satz-Krimi von Connie Roters. „Der süßlich Duft der Neuköllner Linden wehte über die breite Straße, bog um die Ecke, waberte über den Kanal und legte sich sanft auf den toten Mann.“ Hier ließen die Teilnehmer ihrer Kreativität freien Lauf, diesen Satz gekonnt in ihre eigene, etwas längere Kurzgeschichte einzubauen.

Ebenfalls auf Basis eines Satzes von Connie Roters galt es, eine Geschichte „weiterzudrehen“. Danach gab’s den Krimi auf Zuruf. In der Ausgangsszenerie fährt ein Autofahrer dem Sonnenuntergang entgegen, bis ein anderes Auto zunächst hinter und dann neben ihm auftaucht. Interessante Lösungen gab’s auch zu der Aufgabe, einen Dialog zu einem Anruf nachts um drei Uhr auf der Polizeiwache zu schreiben oder zu einem Foto. Aus dem Bild einer jungen Frau im Wasser entwickelte Iris Karakas zum Beispiel die Dramatik, die eine Schwimmerin im Heinsberger Lago Laprello erlebt, als sie zunächst ihr Partner überraschend unter Wasser ziehen will, dieser dann aber schon am Ufer ist und sich noch etwas anderes um ihr Bein schlingt.

Kurze Krimis entstanden auch zu Gerlinde Dal Molins Gedicht Mittagsruhe. Drastisch gelang es einigen Teilnehmern zu schildern, was ein Lokführer erlebt, wenn er bei voller Fahrt plötzlich ein Gesicht vor seiner Scheibe sieht: „Ein bleiches Rund flirrt an der Winschutzscheibe meiner schweren Lock vorbei“, schrieb da etwa Sabine Esser. Interessant wurde es auch beim „Tagebucheintrag eines Kleiderschranks“ vom 17. April 1852, der seine Erlebnisse notiert, wenn der Geliebte seiner Herrin wieder einmal bei ihm Unterschlupf finden muss, weil der Gatte unverhofft nach Hause kommt.

Eindrucksvoll präsentierte da Verena Jeschke ihre Geschichte in der Adaption der Sprache der damaligen Zeit: „Bereits um zwanzig nach neun kehrte der teure Herr Gemahl der Frau Professorin zu seinem Hause zurück, da er sein Schnupftuch vergessen, ohne welches ein Herr bekanntlich kein rechter Herr ist.“ Musikalisch begleitet wurde die Präsentation auch dieses Mal wieder von dem Wassenberger Jazz-Pianisten Eckart Krause.

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