Sarah Wiener Stiftung bildet Lehrer im Kreis Heinsberg zu Genussbotschaftern aus

Gesunde Initiative : Lehrer aus dem Kreis Heinbserg werden Genussbotschafter

In immer weniger Familien wird mit frischen Lebensmitteln gekocht. Immer weniger Kinder kennen sich deshalb auch mit Lebensmitteln und mit ausgewogener Ernährung aus. Das belegen zahlreiche Studien. Diese Situation zu verbessern, ist Erziehern und Lehrern in Kitas und Schulen daher ein wichtiges Anliegen, auch im Kreis Heinsberg.

Und so gefiel Marcel Driessen, Leiter der Jakob-Muth-Schule in Gangelt, eine Information über die Initiative „Ich kann kochen“ der Sarah-Wiener-Stiftung ganz besonders. Sie bietet nämlich Erziehern und Lehrern kostenfreie Fortbildungen an, die sie zu sogenannten Genussbotschaftern machen sollen.

Ihr Partner ist die Barmer Ersatzkasse, die das Projekt wiederum aus Mitteln des Präventionsgesetztes fördert. Driessen konnte auch seine Kollegen in den übrigen Förderschulen des Kreises Heinsberg, in der Rutal-Schule, in der Jakob-Muth-Schule und in der Peter-Jordan-Schule begeistern, und so nahmen 16 Lehrerinnen und Lehrer an der Fortbildung in der Gangelter Schule teil.

Von der Stiftung war Stefan Brandel, Küchenmeister und Ernährungsberater, gekommen, um zunächst mit ein wenig Theorie zu starten. Es ging um Antworten auf Fragen, wie Kinder eigentlich lernen zu essen oder wie man Kinder am besten dahin begleitet, ein Essverhalten zu entwickeln, dass ihre Gesundheit erhält und fördert. „Da passiert in unseren Schulen eigentlich schon ganz viel“, erklärte Driessen.

Weiter ging´s dann in die Küche der Gangelter Schule, wo Brandel zusammen mit den Lehrern praktische Rezepte ausprobierte. Der Dank der Kollegen ging hier auch an Kathrin Zech, die vor Ort alles koordiniert hatte für das gemeinsame Koch- und Esserlebnis. „Schmecken fängt mit dem Sehen an“, lautete das Credo von Brandel, der für die Lehrer Rezepte mitgebracht hatte, die aus frischen und vorbereiteten Lebensmitteln einfach zuzubereiten waren und auch zum Nachkochen mit kleinen Kindern gedacht waren, wie etwa der Vanillequark mit Äpfeln. „Den kann man schon mit Zwei- oder Dreijährigen zubereiten“, erklärte er.

Vor der Nachspeise wurden aber noch andere Köstlichkeiten gezaubert: ein Kichererbesensalat mit Currydressing, Gemüse-Nuss-Bratlinge aus Hokaido-Kürbis, oder Kartoffelspalten mit selbst gemachtem Ketchup. „Ohne Zucker, nur mit Äpfeln gesüßt“, betonte Brandel. Ja, auch Ketchup sei wichtig, fuhr er fort, „denn wir müssen die Kinder ja da abholen wo sie stehen.“ Vor allem gehe es darum, Kinder zum Probieren zu animieren, zu Freude und Genuss am Essen. Und das alles ohne den Druck zum Aufessen, mit dem frühere Generationen noch aufgewachsen seien.

„Wir leisten beim Kochen mit den Kindern ganz viel Beziehungsarbeit“, erzählte Natalie Weber aus der Janusz-Korczak-Schule in Gangelt, als sie mit Kollegin Britta Frenken aus der Rurtal-Schule die Kartoffeln für die Kartoffelspalten schälte. „Man erzählt viel, und man lacht viel“, sagte sie. „Das kommt im täglichen Unterricht viel zu kurz.“ Aber man müsse auch den Spagat wagen, fügte sie hinzu. Auch das Thema Essen müsse mit der Lebensrealität der Kinder vereinbar bleiben. So sei es für die Kinder zum Beispiel auch schon wichtig zu lernen, wie man aus einer Fertigpackung mit den richtigen Mengen weiterer Zutaten einen Kuchen backen kann.

Britta Frenken freute sich zudem nicht nur über neue Rezepte, sondern auch über praktische Tipps fürs Kochen mit Kindern wie etwa den „Messerparkplatz“ als festen Platz fürs Messer, der vorher verabredet wird. Die Kinder würden aus den gemeinsamen Kocherlebnissen in der Schule auch ihr Familienleben bereichern, wusste Driessen zu berichten. So brächten die Schüler zum Beispiel Variationen von Kochrezepten wieder in seine Schule zurück, die dann schon eigene Kochbücher bereichert hätten.

Auch nach der Schulung in Gangelt profitieren die Lehrer weiter von ihrer Fortbildung. So erhalten sie auf der Internetseite der Ernährungsinitiative einen Zugang zu weiterem Bildungsmaterial, können an sogenannten Webinaren teilnehmen und bekommen für ihre Schule bis zu 500 Euro für den Einkauf von Lebensmitteln.

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