Rübenkampagne im Kreis Heinsberg: Landwirte fürchten um Existenz

Landwirte fürchten um Existenz : Die Zuckerrübe ist nicht mehr wirtschaftlich

Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinsichen Rübenbauer-Verbandes zieht drei Wochen nach Ende der Rübenkampagne eine Bilanz. Sein Fazit: so schlecht waren die Erträge noch nie. Viele Landwirte fürchten um ihre Existenz.

Wenn Bernhard Conzen über die vor knapp zwei Wochen zu Ende gegangene Zuckerrübenkampagne spricht, dann nutzt er häufig das Wort historisch. Selten seien die Ernteerträge in der Vergangenheit so schlecht gewesen. Noch nie hätten sich so viele Landwirte ihrer Existenz bedroht gefühlt, erklärt der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Kreis Heinsberg sind es immerhin 800 Betriebe, die Zuckerrüben auf insgesamt rund 6000 Hektar anbauen. Schuld an den Sorgen der Landwirte ist – wie nicht anders zu erwarten war – der Jahrhundertsommer des vergangenen Jahres.

„Nach drei Monaten extremer Trockenheit und Hitze waren die Ertragserwartungen insgesamt gering – doch dass sie so weit unter dem zehnjährigen Durchschnitt liegen würden, das hatten wir nicht erwartet“, berichtet Conzen. Rund 20 Prozent weniger Ernte hätten die Rübenbauern eingefahren: 63 Tonnen pro Hektar wurden im Rheinland, aufgrund der homogenen Böden die Rüben-Hochburg der Republik, im Durchschnitt geerntet, im Jülicher Raum seien es immerhin 68 Tonnen gewesen, beziffert Conzen.

Er verdeutlicht: Mengen wie in diesem Jahr habe man vor 25 Jahren geerntet - seitdem habe es durch den technischen Fortschritt eigentlich enorme Produktivitätssteigerungen gegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden satte 80 Tonnen pro Hektar geerntet.

Erfreulich sei nur der Zuckergehalt von 18,5 bis 19 Prozent, das sei rund ein Prozentpunkt mehr als im langjährigen Mittel. „Doch dieser Zuckergehalt kann die Ertragsdefizite nicht kompensieren“, bedauert  Conzen. „Die negativen wirtschaftlichen Folgen der geringen Erträge werden aber noch verschärft durch historisch schlechte Zuckerpreise, aus denen sich dann die Rübenpreise ableiten“, räumt Conzen ein und erklärt: „Die Rübe ist inzwischen unwirtschaftlich geworden.“  Dabei setzten die Landwirte viele Jahrzehnte lang auf die Zuckerrübe, sie habe die Region viele Jahre lang vor einem Strukturwandel bewahrt. „Die Rübe riss alles raus – auch wenn die Ernte anderer Nutzpflanzen einmal schlecht ausfiel, konnten sich die Landwirte guter Erträge und guter Preis für die Zuckerrübe sicher sein“, berichtet Conzen.

Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes, macht sich inzwischen Sorgen um die Zukunft der Zuckerrübe im Rheinland. Foto: Daniel Gerhards

1500 Euro koste die Rübe den Landwirt pro Hektar bis sie erntereif sei, analysiert Conzen – inklusive Saatgut, Dünger und Kosten für Maschinen und die Ernte und den Transport bis zur Zuckerfabrik. Wenn pro Tonne dann nur noch 20 Euro gezahlt würden, lohne sich der Anbau nicht mehr. „Einige Einzelstandorte weisen in Abhängigkeit von Bodengüte und Niederschlägen bisher nie da gewesene Ertragsunterschiede auf“, erklärt der RRV-Vorsitzende darüber hinaus.  „Es gibt Betriebe in der Region rund um Euskirchen, die haben gerade einmal 35 Tonnen aus der Erde geholt – diese Betriebe mussten während der Kampagne noch ordentlich draufzahlen“, sagt Conzen.

Geschehe so etwas drei Jahre in Folge, stünde ein landwirtschaftliches Unternehmen schnell am Rande des Ruins.

Er sieht den Anbau der Zuckerrübe in Anbetracht der schlechten Rahmenbedingungen als ernsthaft gefährdet. „Am Wetter können wir nichts ändern, damit müssen wir klarkommen, aber dass wir unsere Rüben zu Dumpingpreisen verramschen müssen, das könnte man ändern. Wir brauchen dringend faire Wettbewerbsbedingungen, um im Zuckerrübenland Rheinland wettbewerbsfähig zu bleiben“; stellt Conzen klar.