Rüben lassen Bauern bitter aufstoßen

Protestaktion : Rüben lassen Bauern bitter aufstoßen

Es gehe nicht um mehr Geld, sondern um die Fairness, sagt Heinz Leipertz. Nicht nur dem Rübenbauern und Leiter der Region Rheinland des Zuckerherstellers Pfeifer & Langen stößt die ungleiche Lage der Rübenbauern in Europa bitter auf.

Der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV), Bernhard Conzen, hatte es schon gleich zu Beginn der kleinen öffentlichen Kundgebung im Zusammenhang mit dem Beratertag im Hause Sodekamp-Dohmen in Hückelhoven formuliert: „Wir haben uns hier versammelt, um unseren Frust und Protest auszudrücken. Noch nie waren die Produktionsbedingungen in Europa so unterschiedlich.“ Die agrarpolitisch verursachten Wettbewerbsnachteile für die heimischen Anbauer seien existenzgefährdend.

Beihilfen für den Anbau von Zuckerrüben in elf von 19 EU-Staaten und große Unterschiede bei Pflanzenschutzmittelzulassungen benachteiligten deutsche und damit rheinische Zuckerrübenanbauer massiv, meinte Conzen. Heimische Rübenanbauer erhielten keine gekoppelten Rübenbeihilfen.

Zudem dürften die seitens der EU verbotenen Neonicotinoid-haltigen Rübenbeizen zur Bekämpfung virusübertragender Blattläuse per Notfallverordnung in mittlerweile zwölf von 19 EU-Staaten weiter eingesetzt werden. In Deutschland lehne das Bundeslandwirtschaftsministerium dies hingegen bisher strikt ab, obwohl die Beizen im Zuckerrübenanbau nicht gleichwertig ersetzbar und der Verzicht mit Ertragsverlusten und Einkommenseinbußen verbunden sei.

Heinz Leipertz befürchtet düstere Zeiten, wenn sich daran nichts ändert: „Wir machen uns von Pfeifer & Langen Sorgen, weil wir eben nur Rüben verarbeiten, keine Kartoffeln oder Zwiebeln. Es gibt Erhebungen, dass an einem Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik noch neun weitere hängen.“ Rund 1600 Bauern aus der Region lieferten in jedem Jahr ihre Rüben an die Zuckerfabrik in Jülich. In der Hochphase seien alleine an diesem Standort 210 Menschen beschäftigt. An den insgesamt drei Standorten von Pfeifer & Langen im Rheinland seien es insgesamt rund 550 Mitarbeiter.

Der RRV beziffert die Nachteile, die den deutschen Landwirten entstehen, auf mehr als 500 Euro pro Hektar. Die rheinischen Rübenanbauer fordern deshalb von der deutschen und europäischen Agrarpolitik eine schnellstmögliche Kurskorrektur. Gekoppelte Rübenbeihilfen und Pflanzenschutzmittel-Zulassungen müssten EU-weit einheitlich geregelt werden.

Habe ein Rübenbauer in den Jahren 2015/2016 noch 45 Euro pro Tonne verdient, seien es heute gerade noch etwa 25 Euro, sagt Hubert Fell, Ortslandwirt im östlichen Bereich von Erkelenz und Rübenbauer: „Die Landwirtschaft hat keine Lobby mehr. Zuerst war man gegen Atomkraft, dann gegen Kohle und jetzt ist es die Landwirtschaft.“

Im Grunde, so erklärt Heinz Leipertz, sei das Rheinland eine Topertragsregion und die Landwirte hätten keine Probleme damit, einen fairen Wettbewerb anzunehmen. Zudem, so ergänzt Hubert Fell, dürfe auch der ökologische Wert des Zuckerrübenanbaus nicht vergessen werden. „Ein Hektar Zuckerrübenfläche produziert so viel Sauerstoff wie sieben Hektar Wald.“

Mitte nächster Woche wird sich Bernhard Conzen nun mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zum Gespräch treffen, was die Protestler mit Applaus quittierten. Schließlich habe sie ja betont, ein Herz für die Landwirtschaft zu haben.

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