Erkelenz: Rock-Oper-Musical: Darsteller lassen Mozart lebendig werden

Erkelenz: Rock-Oper-Musical: Darsteller lassen Mozart lebendig werden

Mit dem Rock-Oper-Musical „Mozart Superstar“ von Ulrich Gerhartz hate die Kultur GmbH Erkelenz in der Stadthalle ihre Theatersaison fortgesetzt. Vor vollbesetztem Haus gab es mehr als zwei Stunden Musik, Tanz und Unterhaltung, immer wieder von viel Beifall begleitet.

Die Deutsche Musical Company, sozusagen ein Ableger der Kammeroper Köln, ließ mit hervorragenden Leistungen Mozart lebendig werden. Wer nun eine Art Lebenslauf erwartet hatte, wurde enttäuscht, aber auf der anderen Seite durch überraschende Einblicke in Leben und Schaffen des vielleicht genialsten Komponisten der Musikgeschichte belohnt. Und dies mit einer wiedererstandenen Musik (so kann man wohl das „reloaded“ im Untertitel übersetzen), die einmal wichtige Titel aus Mozarts Schaffen zu Gehör brachte und auch die alten Weisen in neuem Glanz erstrahlen ließ. Es gab oft nur Andeutungen zu einigen Highlights — wie der Zauberflöte, der Entführung aus dem Serail, der Kleinen Nachtmusik, der Hochzeit des Figaro, der einen oder anderen Sinfonie. Aber die Kombination von Jazz, Beat und Blues und die Technik schuf so etwas wie eine Neubelebung der Musik aus dem 18. Jahrhundert. Obwohl hierbei die reinen Mozart-Fans sich vielleicht etwas mehr originalen Meister erwartet hätten.

Wenn man das Leben des viel zu früh verstorbenen Wolfgang Amadeus, von seinem Vater als Wunderkind durch halb Europa mit den verschiedensten Residenzen und Königshäusern geschleppt, mit einem großen bunten Gemälde vergleichen würde, so wurden in Erkelenz nur einige Tupfer gezeigt, die aber doch wesentliche Charaktereigenschaften und Befindlichkeiten Mozarts aufscheinen ließen. So vor allem sein Bekenntnis: „Musik ist mein Leben“, die dauernden Geldschwierigkeiten, das Warten auf neue Aufträge, die manchmal versteckte Kritik am Adel, die Liebe zu seiner Frau Constanze, die Freude über Erfolge. Auch der Humor kam nicht zu kurz; so zum Beispiel beim Billard-Spiel auf dem Klavier oder der Komposition etwa um das berühmte Goethe-Zitat.

Die Musik und die Geschichten rund um die Person Mozart wurden ergänzt durch temperamentvolle Tänze eines hervorragenden Balletts mit einer fantasievollen Choreographie. Und der gesamte Bühnenhintergrund illustrierte in einer aufwendigen Lightshow die jeweiligen Handlungsorte. Dabei waren am Anfang der Rock-Oper mit seinem „Dies irae, dies illa“ (Tag des Zornes, Tag der Zähren aus dem Requiem) besonders eindrucksvoll der Gesang und das lodernde Höllenfeuer. Und dass ausgerechnet dieses Totenlied, komponiert von einem unbekannten Auftraggeber kurz vor Mozarts Tod, das Musical einläutete, konnte das eigene Nachdenken anregen.

Die Liste der Autoren und Mitwirkenden umfasste mehr als 30 Namen (ohne die der acht Tänzerinnen und Tänzer). Jeder hätte genannt werden müssen bei den Leistungen der einzelnen Rollen. Beschränken wir uns auf nur zwei Namen: Philipp Lang war ein vor allem schauspielerisch hervorragender Mozart. Anna Gösi als Josepha Hofer, Schwägerin Mozarts und die erste Sängerin der Königin der Nacht, beklagte sich beim Komponisten in Bezug auf die für eine normale Sopranistin kaum erreichbaren hohen Töne: „Da hast du mir aber was Schönes ins Nest gelegt.“

Und Anna Gösi sang die berühmte Arie mit einer Festigkeit in der Stimme, die sich auch nicht hinter einer Tebaldi oder Callas hätte verstecken brauchen. Viel Beifall nach den einzelnen Szenen, der am Ende minutenlang anschwoll.

(hl)