Wegberg-Rickelrath: Rickelrather wehren sich gegen die geplante Denkmalbereichssatzung

Wegberg-Rickelrath: Rickelrather wehren sich gegen die geplante Denkmalbereichssatzung

„Völlig überraschend ist sie wieder aufgetaucht“, wundert sich Jürgen Tiskens vom Verein „Angerdorf Rickelrath“. Sie — das ist die Denkmalbereichssatzung für den Angerbereich Rickelrath.

Und aufgetaucht ist sie nun im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Vergaben (BUV) der Stadt Wegberg mit dem Zusatz: „nächste Schritte“. Der geplante zeitliche Ablauf für die Fortführung des Verfahrens ist aufgelistet, von der Auslegung des Entwurfs und einer Bürgerversammlung bis hin zur Rechtskraft der Satzung im August 2017.

Kurzer Rückblick: Das LVR-Amt für Denkmalpflege hält das Angerdorf, in dem sich die Häuser um eine linsenförmige Wiese gruppieren für besonders schützenswert. Nach Aussage von Dr. Elke Janßen-Schnabel (LVR-Amt für Denkmalpflege) in der Ratssitzung im Dezember 2014 ist Denkmalschutz — auch für Denkmalbereiche — für die zuständige Kommune „eine Pflichtaufgabe auf Weisung ohne eigene Entscheidungskompetenz, ob eine Satzung erlassen wird“. Vor diesem Hintergrund hatte der Rat der Stadt Wegberg die Aufstellung der Denkmalbereichssatzung beschlossen.

Die Rickelrather wehrten sich vehement, vor allem gegen den Umfang des geschützten Bereichs (historisches Rickelrath einschließlich sämtlicher Bebauung, Grünflächen, Bäume und Hecken). So manche Einschränkung befürchten sie: Vom Bauland, das dann keines mehr ist, bis hin zu akribischen Vorschriften bei baulichen Veränderungen. Devise: Den Anger und Kirche schützen, ja — aber doch nicht das ganze Dorf! Von einer tumultartigen Dorfversammlung berichtete Jürgen Tiskens damals. Am 4. Mai des vorigen Jahres war eine Bürgerbeschwerde des Vereins beim Rat eingegangen, die in der Ratssitzung am 12. Mai 2015 an den zuständigen Fachausschuss (BUV) verwiesen worden war. Seitdem verliert sich ihre Spur.

„Ignorant und unverschämt“, Jürgen Tiskens verwendet exakt die gleichen Worte wie vor mehr als einem Jahr. Denn bis heute haben die Rickelrather nichts mehr von ihrer Bürgerbeschwerde gehört. „Natürlich haben wir bisher stillgehalten“, sagt er, „wir haben ja kein Interesse an dieser Denkmalbereichssatzung.“ Und im Stillen wohl auch gehofft, dass die Satzung nicht weiterverfolgt wird. Damit hätten sie ja gut leben können. Dr. Janßen-Schnabel habe ihm bei einem Besuch im Amt für Denkmalpflege nämlich versichert, „das nur mit der Bevölkerung zu wollen“, auch wenn das Gesetz die Möglichkeit gebe, die Satzung auf jeden Fall durchzusetzen, so Tiskens.

Auf diesen Sachverhalt bezog sich auch Georg Gellissen (CDU) bei besagter BUV-Sitzung. „Enttäuscht“ war er. Bereits im Mai vorigen Jahres hatte die CDU gefordert, zu den unterschiedlichen Aussagen von Dr. Janßen-Schnabel eine schriftliche Stellungnahme einzuholen. „Dem Rat keine Wahl zu lassen und der Bevölkerung etwas anderes erzählen“, das müsse doch abgeklärt werden. „Wir kündigen an, dass wir jedwede Entscheidung bis zur Vorlage der Stellungnahme von Dr. Janßen-Schnabel nicht mittragen werden.“ Zu entscheiden gab es im BUV allerdings nichts, lediglich die Kenntnisnahme der nächsten Schritte war vorgesehen.

Jürgen Tiskens bezweifelt, dass die Rickelrather ernst genommen werden. „Das ist doch jetzt so, als hätte es unsere Proteste und die Bürgerbeschwerde nicht gegeben.“ Nächste Schritte bei den Rickelrathern? Das kommt wie aus der Pistole geschossen: „Kräfte bündeln und wieder Gas geben! Denn das kann so nicht stehen bleiben.“