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Das müssen Autofahrer jetzt wissen: Richtig reagieren bei plötzlichem Wildwechsel

Das müssen Autofahrer jetzt wissen : Richtig reagieren bei plötzlichem Wildwechsel

Alle zwei Minuten passiert in Deutschland ein Unfall mit Reh, Hirsch oder Wildschwein. Polizeihauptkommissar Frank Linkens erklärt, was es im Fall der Fälle zu beachten gibt und verrät, wo im Kreis Heinsberg Autofahrer jetzt besonders aufmerksam fahren sollten.

Es ist Herbst: Die Temperaturen werden kühler und die Tage kürzer. Bald schon fangen auch die Bäume an, ihre Blätter zu verlieren. Autofahrer sollten in den kommenden Monaten besonders aufmerksam fahren: Mit dem Herbst nehmen traditionell die Zahlen der Wildunfälle zu.

Wild begibt sich besonders in der Dämmerung auf Futtersuche. Im Frühjahr, aber besonders im Herbst, fällt dies genau in die Zeit des Berufsverkehrs. Zudem tritt im Herbst häufig Nebel während der Dämmerung auf. Damit verbunden sind schlechte Sichtverhältnisse. „Wildunfälle ereignen sich auf allen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften im gesamten Kreisgebiet“, weiß Frank Linkens, Polizeihauptkommissar und Mitarbeiter in der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Heinsberg. Besondere Schwerpunkt-Straßen im Kreis könne er nicht erkennen: „Vermehrt kommt es jedoch im Bereich von Wäldern oder freien Feldflächen zu Kollisionen mit Wildtieren.“

Insgesamt habe es im Kreis Heinsberg im vergangenen Jahr 299 registrierte Wildunfälle gegeben. Die Unfälle mit Rehen, Hirschen, Wildschweinen und Co. machen dabei rund fünf Prozent der gesamten Unfälle aus. Deutschlandweit meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft jedes Jahr rund 300.000 Wildunfälle. Im vergangenen Jahr kamen dabei über 2.600 Menschen zu Schaden, sieben Fahrzeuginsassen verunglückten dabei tödlich.

Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes ereignet sich rein rechnerisch sogar alle zwei Minuten ein Wildunfall. Jedes Jahr würden dabei mehr als eine Million Wildtiere ums Leben kommen. Die meisten Kollisionen gibt es mit Rehen. Unfälle mit Wildschweinen nehmen laut dem Verband aber ebenfalls stark zu.

„Statistisch ereignen sich die meisten Wildunfälle in den Monaten Mai bis Juli sowie zwischen November und Januar in der Zeit von 5 bis 8 Uhr sowie zwischen 21 Uhr und Mitternacht“, führt Linkens aus. Durch eine vorausschauende und angepasste Fahrweise, gerade zwischen Wäldern und Feldern, könne die Gefahr stark reduziert werden. Schilder mit Warnungen vor Wildwechsel seien ernst zu nehmen, die Fahrweise müsse angepasst werden. „Insbesondere morgens und abends in der Dämmerung sollte man mit Wildwechsel rechnen“, betont Linkens nochmals.

Doch wie reagiert man nun richtig, sollte doch einmal ein Reh am Straßenrand oder mitten auf der Fahrbahn auftauchen? „Eine generelle Verhaltensregel kann ich nicht geben“, so Linkens. Es komme immer auf den Einzelfall und die Umstände an: Wie groß ist das Tier? Wie hoch ist das Verkehrsaufkommen? „Was man aber sagen kann: Das Ausweichen in den Gegenverkehr sollte immer vermieden werden“, stellt Linkens klar. „Tritt ein Tier unvermittelt auf die Fahrbahn, sollte eine Gefahrenbremsung durchgeführt werden.“

Um die Scheu vor einer solchen starken Bremsung abzulegen und im Notfall richtig zu reagieren, gebe es spezielle Sicherheitstrainings. Wenn der Bremsweg trotzdem nicht mehr ausreicht, sollten laut Polizei keine unkontrollierten Ausweichmanöver gestartet werden. Voll gebremst auf der Fahrbahn den Aufprall in Kauf zu nehmen sei sicherer, als bei einem Ausweichmanöver die Fahrbahn zu verlassen.

Nach einer Kollision heißt es: Ruhe bewahren, Warnblinker an, Warnweste überstreifen und die Unfallstelle absichern. „Die Polizei wird den Verkehrsunfall aufnehmen und sich unter anderem auch um den Abtransport des verendeten Tieres kümmern“, erklärt Linkens. Sollte sich das Tier nicht mehr auf der Fahrbahn befinden und somit keine Gefahr mehr für andere Verkehrsteilnehmer bestehen und das Auto noch fahrbereit sein, könne auch die nächste Polizeidienststelle aufgesucht werden, um den Wildunfall zu melden und polizeilich aufnehmen zu lassen.

„Man sollte sich dann die genaue Unfallstelle merken und benennen können, damit das verletzte oder verendete Tier später auch gefunden werden kann“, sagt Linkens.