Heinsberg/Waldfeucht/Geilenkirchen: Rennradler aus dem Kreis Heinsberg fahren der Tour de France entgegen

Heinsberg/Waldfeucht/Geilenkirchen : Rennradler aus dem Kreis Heinsberg fahren der Tour de France entgegen

Wenn die Tour de France nach einer kurzen Pause am Dienstag in die erste Pyrenäen-Etappe geht, können vier Rennrad-Sportler aus der Region ganz genau nachspüren, was den Profis am Abend in den Beinen stecken wird.

Sie waren hier nämlich auf ihren schlanken Zweirädern gerade erst unterwegs, haben die Pyrenäen von West nach Ost, vom Atlantik zum Mittelmeer durchquert und sind damit der Tour quasi entgegengefahren.

Für acht Tagesetappen machten sich Carl Speis (54) aus Waldfeucht-Haaren und Ulrich Teeuwen (52) aus Geilenkirchen-Bauchem, beide Mitglieder des RRC Haaren, sowie Reiner Smeetz (71) und sein Sohn Carsten Smeetz (45) aus Heinsberg-Karken, Mitglieder von Staubwolke Kempen, auf den Weg Richtung Südfrankreich.

Die Route hatte Teeuwen seit Januar zusammen mit seinen Mitfahrern selbst minuziös geplant. Und sie hatte es in sich: Nicht nur 855 Kilometer standen da auf dem Tourenplan, sondern mehr als 20.000 Höhenmeter. „Noch mehr Höhenmeter kann man bei einer solchen Tour für acht Tage kaum zusammenbringen“, sagt Carsten Smeetz.

Nach guter Vorbereitung in den Dolomiten, vor allem aber in den Ardennen und in der Eifel, zwei bis drei Mal pro Woche zwischen einer und sechs Stunden, stiegen die vier in die erste Etappe ein. Reiner Smeetz, immerhin schon 71 Jahre alt, steuerte dabei zunächst jeden Tag das Transport-Fahrzeug von Hotel zu Hotel und fuhr dem Trio dann auf seinem Rad entgegen, um mit Sohn Carsten und den beiden Freunden vom RCC Haaren wieder im Hotel anzukommen.

Die erste Etappe begann in der kleinen Hafenstadt Saint-Jean-de-Luz am Atlantik und führte über einsame spanische Straßen wieder zurück nach Frankreich bis ins Pilgerstädtchen Saint-Jean-Pied-de-Port. Beeindruckt waren die Fahrer von der Natur, die sie umfing: „Überall bahnte sich Wasser seinen Weg aus den Bergen, vom Rinnsal bis zum Wasserfall“, erinnert sich Teeuwen.

Zweite Etappe mit 4000 Höhenmetern

Schon die zweite Etappe sollte dann mit 138 Kilometern und rund 4000 Höhenmetern die härteste werden. Das Trio bezwang den Col de Burdincurucheta (1135 Meter), den Col d´Erroimendy (1362 Meter) und den Port de Larrau (1573 Meter), nach der Pause im spanischen Isaba dann den Col de Pierre Saint-Martin (1766 Meter) mit dem Ziel einer Schweinefarm im französischen Arette für die Übernachtung.

An Tag drei erwarteten die Fahrer die großen Klassiker der Tour. Der Col de Marie-Blanque (1035 Meter) und der Col d´Aubisque (1709 Meter) lagen hinter ihnen, als sie im diesjährigen Tour-Zielort Laruns erfuhren, dass die Straße zum Col du Soulor (1474 Meter) verschüttet war.

„Umkehren und improvisieren, 35 Kilometer extra von der Nordseite auf den Soulor“, beschreibt Teeuwen die Lösung dieses Problems. „Der Soulor wurde bei 37 Grad ohne Schatten spendende Bäume zur echten Herausforderung. Da hatten wir wohl eine zweite Königsetappe.“

Acht Prozent Steigung warteten schon am vierten Tag gleich nach dem Frühstück auf die „Bergsteiger“ mit dem Rennrad. Nach 1300 Höhenmetern am Stück erreichten sie den Col du Tourmalet (2115 Meter), und nach zwei weiteren Anstiegen auf den Col d´Aspin (1489 Meter) und den Col de Peyresourde (1569 Meter) ging´s weiter nach Bagnères-de-Luchon, das auch am Dienstag Zielort der „echten“ Tour-Etappe ist.

Eine „Vier-Hügel-Etappe“ hat Teeuwen für Tag fünf in sein Tagebuch notiert mit dem Col de la Core (1395 Meter) als vierter und höchster Erhebung. Im Zielort Soulan schlugen die vier Rennrad-Sportler ihr Quartier auf im „sehr speziellen Haus einer Innenarchitektin“, so Teeuwen. „Die Pyrenäenriesen hatten wir jetzt hinter uns gelassen, und die Berglandschaft ähnelte hier wieder dem Allgäu mit seinen sanften Hügeln.“

An Baustelle verfahren

Nach Etappe sechs über den Col d´Agnes (1570 Meter) und den Port de Lers (1517) in den Kurort Ax-les-Thermes sollte der vorletzte Tag eigentlich eher zum „Ausruhen“ dienen, doch es kam ganz anders: Zuerst verfuhr sich das Trio an einer Baustelle, dann setzte genau auf der Passhöhe Regen ein. „Innerhalb von fünf Minuten war die Temperatur von 32 auf 13 Grad gefallen“, erinnert sich Teeuwen. „Auf der Abfahrt wurden die Finger aufgrund von Kälte und stetigem Bremsen immer gefühlloser.“

Und dann ging‘s an Tag acht „Vollgas“ Richtung Mittelmeer. Am Strand von Argelès-sur-Mer fand das Abenteuer des Rennrad-Sportler-Quartetts ein gutes Ende ohne eine einzige Reifenpanne auf der gesamten Route.

„Überall waren die Menschen, denen wir begegnet sind, sehr freundlich und auch sehr rücksichtsvoll“, zieht auch Carsten Smeetz ein positives Fazit dieser anspruchsvollen Reise mit dem Rennrad. Bei einem guten französischen Abendessen spannen die vier jedenfalls schon Pläne für ihre nächste gemeinsame Tour.

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