Renaturierungsmaßnahme am Myhler Bach

Renaturierung : Der Myhler Bach wird der Natur zurückgegeben

Eine schöne Überraschung präsentierte die Kreisverwaltung den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Verkehr. Unter dem unscheinbaren Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ stellten zwei Mitarbeiter des Amtes für Umwelt und Verkehrsplanung dem Ausschuss das Projekt „Renaturierung Myhler Bach“ vor.

Eine schöne Überraschung präsentierte die Kreisverwaltung den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Verkehr.

Unter dem unscheinbaren Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ stellten zwei Mitarbeiter des Amtes für Umwelt und Verkehrsplanung dem Ausschuss das Projekt „Renaturierung Myhler Bach“ vor. Claudia Staiger von der Unteren Wasserbehörde und Norbert Dismon von der Unteren Naturschutzbehörde hatten die Renaturierungsmaßnahme mit viel Eigeninitiative auf die Beine gestellt.

Der Myhler Bach fließt zwischen Myhl und Orsbeck durch die schöne, demnächst, wenn der Verkehr über die B 221 rollt, vielleicht nicht mehr ganz so idyllische Myhler Schweiz. Bundesstraße und Bach liegen nicht weit voneinander entfernt. Während die Bundesstraße einen Eingriff in die Natur darstellt, wurde der Bach der Natur zurückgeben und das, obwohl das Projekt eigentlich gar nicht zu finanzieren gewesen wäre. So hatte es zumindest ausgesehen, als vor ein paar Jahren ein Ingenieurbüro die Kosten für die Renaturierungsmaßnahme errechnet hatte.

Alle Beteiligten inklusive des für Bäche und Flüsse zuständigen Wasserverbands Eifel Rur waren sich einig gewesen, dass die kalkulierte Summe nicht zu stemmen sei. Doch wer heute den Bachlauf aufsucht, kann sich davon überzeugen, dass auch aussichtlose Projekte durchaus realisiert werden können. Der Myhler Bach schlängelt sich nun langsam durch die Landschaft, anstatt in einem tiefen Graben geradlinig dahinzufließen.

Claudia Staiger erläuterte im Ausschuss, wie das Projekt umgesetzt werden konnte. Staiger und Dismon hatten einen GPS-Track angelegt. Sie waren den Bachlauf, so wie sie ihn sich wünschten und er sich heute darstellt, mit einem GPS-Sender abgegangen, also in Schlangenlinien durchs Tal gewandert. In der Eifel hatten sie ein Bauunternehmen gefunden, das diesen GPS-Track direkt auf einen 3D-Bagger übertragen konnte, wodurch erhebliche Kosten gespart werden konnten.

Steinwalzen regulieren die Fließgeschwindigkeit und schützen vor Erosion. Foto: Dettmar Fischer

Man habe am Ende des Projektes, so Claudia Staiger, voll in der Kalkulation gelegen. 90.000 Euro hatte die Renaturierungsmaßnahme gekostet. 80 Prozent hatte das Land gefördert. Der Eigenanteil des Kreises in Höhe von 18000 Euro konnte aus zweckgebundenen Ersatzgeldern, die bei Eingriffen in die Natur angefallen waren, bestritten werden, so dass der Kreishaushalt nicht belastet wurde.

Die „kleine“ anstelle der um ein Vielfaches teureren „großen“ Lösung kann sich sehen lassen, und zwar nicht nur in natura, sondern auch dank des privaten Einsatzes von Norbert Dismon in einem Videofilm, der die Ausschussmitglieder ebenso begeisterte wie das Projekt selbst.

Lauflänge verdoppelt

Die Lauflänge des Myhler Baches konnte durch die Maßnahme auf 1200 Meter verdoppelt werden. Starkregen ist nun kein Problem mehr. Röhrichtmatten und Steinwalzen schützen vor Erosion. Der tief ausgeschnittene, alte Bachlauf konnte mit dem Aushub des neuen verfüllt werden, so dass das angrenzende Bruch nicht mehr entwässert wird. „Der Wasserhaushalt ist auf Dauer gesichert“, stellte Claudia Staiger fest.

Im Zuge der Maßnahme wurden zudem Tümpel als Lebensraum für Amphibien angelegt. Norbert Dismon: „Im Ergebnis wurde Strukturarmut durch Vielfalt ersetzt. Nun muss sich die Natur das Gebiet nur noch zurückholen.“

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