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Renaturierung soll für Landwirte verträglich sein

Ausgleich gefordert : Renaturierung soll für Landwirte verträglich sein

Wenn man die Fragestellung einmal vereinfacht, dann wäre es Arndt Kremers am liebsten, wenn die Rur bei Karken so bleiben würde, wie sie aktuell ist. Aber ganz so einfach sei das nun mal nicht, sagt Kremers.

Auch wegen der Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie möchte der Wasserverband Eifel-Rur den Fluss wieder naturnäher gestalten. Dagegen wolle sich Kremers, der mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb in der Ruraue bei Karken wirtschaftet, nicht verschließen. Er fordert aber, dass das im Einklang mit den Interessen der Landwirte und der Anwohner in Karken geschieht.

Beim Wasserverband, beim Kreis Heinsberg und Aktionskreis Auenherz wird an der Rur-Renaturierung gearbeitet. Der Wasserverband möchte vor allem die ersten vier Rurwehre zurückbauen, damit die Fische ungehindert im Fluss wandern können. Am Karkener Rurabschnitt ist es dem Verband jedoch noch nicht gelungen, ausreichend große zusammenhängende Flächen für eine Renaturierung zu kaufen.

Kremers wirbt jedoch um Verständnis dafür, dass dieser Prozess in Karken noch nicht so weit fortgeschritten ist wie anderswo. Denn eine Renaturierung der Rur müsse auch für die Landwirte verträglich sein. „Wir müssen mit dem Betrieb das Familieneinkommen erwirtschaften“, sagt er. Da müsse jede Veränderung auch in den Betrieb hineinpassen.

Mehr Zeit zur Umstellung

Einerseits bedeute das, dass den Landwirten, die Flächen für die Renaturierung abtreten sollen, Land zum Tausch angeboten werden müsse, das schnell zu erreichen ist. Andererseits fordert er Zeit, seinen Betrieb darauf einzustellen. „Solche Projekte bekommt man nicht in drei oder fünf Jahren geregelt“, sagt er. Als Landwirt müsse er langfristiger denken. In seinen Aussiedlerhof nahe der Rur habe er Millionen investiert. An diesem Standort halte er 200 Sauen mit Ferkeln und 210 Rinder, und er hat dort eine Biogasanlage gebaut, in der aus der anfallenden Gülle Energie gewonnen werde. Angesichts solcher Investitionen müsse man langfristig planen.

Kremers sagt auch, dass viele Karkener Angst vor Hochwasser hätten. Deshalb müsse man auch die Bevölkerung ins Boot holen, wenn man am Lauf des Flusses etwas verändern wolle. „Der Hochwasserschutz muss dadurch gewährleistet sein. Die Leute dürfen keinen Schaden nehmen“, sagt er. Kremers findet, dass die Fließgeschwindigkeit der Rur erst einmal flussaufwärts reduziert werden müsse. Das Wasser kommt seiner Einschätzung nach zu schnell in Karken an und werde dann ausgebremst, weil der Fluss sich in den Niederlanden, wo er nie begradigt wurde, noch schlängelt. Deshalb könne die Rur bei Karken auch leicht über die Ufer treten.

Kremers verweist auch darauf, dass es nicht gerecht sei, die Begradigung zu verteufeln. Denn sie habe auch „viele Vorteile gebracht“. Durch Begradigungen von Flüssen seien vor Jahrzehnten Flächen gewonnen worden, die wichtig für die Nahrungsmittelproduktion waren. „Damals gab es andere Prioritäten als heute“, sagt Kremers.

Als ungerecht empfindet er auch, dass anderswo im Kreis Landwirte gut dafür entschädigt würden, dass sie Flächen für Gewerbe, Neubaugebiete und Straßenbau bereitstellten, während den Grundbesitzern an der Rur immer neue Auflagen drohten. So könne man aktuell mit dem zuletzt eingerichteten Naturschutzgebiet gut leben. Man wisse aber nie, ob die Vorschriften nicht in Zukunft geändert werden. „Wenn Verschärfungen für Naturschutzgebiete kommen, haben wir Nachteile“, sagt Kremers.