Wassenberg: Rekord gebrochen: 37 Stunden geradelt

Wassenberg : Rekord gebrochen: 37 Stunden geradelt

Der Rekord ist gebrochen! Genau 37 Stunden und 25 Minuten hat Dirk Gütte aus Erkelenz-Kückhoven benötigt, um mit seinem Fahrrad von Pontorson in der französischen Normandie Richtung Heimat bis in die Partnerstadt Wassenberg zu fahren. Unter 40 Stunden zu bleiben auf der insgesamt 768 Kilometer langen Strecke, war sein Ziel.

Diesen Rekord sollte nämlich in den 1970er Jahren bereits ein Franzose aufgestellt haben, wie man dem gebürtigen Wassenberger bei einem Besuch in Pontorson einmal erzählt hatte.

Zu den ersten Gratulanten am Wassenberger Rathaus gehörte natürlich Ehefrau Katja. Foto: anna

Von da an hatte ihn als aktives Mitglied des Erkelenzer Radsportclubs (ERC) der Wunsch nicht mehr losgelassen, diesen Rekord zu brechen. „Nein, offiziell ist der natürlich nicht“, erzählte er nach zwei Tagen und einer Nacht auf dem Fahrrad. Aber überglücklich war er doch nach seiner Ankunft am Wassenberger Rathaus, wo ihm neben Vertretern des Partnerschaftskomitees und weiteren Verwandten natürlich auch seine Frau Katja und seine gerade einmal fünf Wochen alte Tochter Lia mit Plakat und bunten Luftballons zu seinem jüngsten Erfolg gratulierten.

Insgesamt war Gütte im Ziel sogar 802 Kilometer und rund 4500 Höhenmeter gefahren, „weil in Belgien einige Strecken und sogar Brücken gesperrt waren“, sagte er. Zudem habe sein Navigationsgerät ihn auf einige Schotterpisten und Waldwege geschickt, die er mit seinem Rennrad gar nicht habe befahren können. Schließlich geriet der neue Rekord drei Stunden vor dem Ziel in Belgien noch in Gefahr, weil Dirk Gütte mit seinem Rad über eine Glasscherbe gefahren war. Doch dank guter Unterstützung seines Bruders Lars und seiner Schwägerin Ellen Ritterbex habe alles schnell repariert werden können.

„Überhaupt hätte ich es ohne die beiden nicht geschafft“, berichtete er. Sie begleiteten ihn mit dem Auto, das nicht nur ein komplettes Ersatzrad an Bord hatte, sondern auch gute Verpflegung für den Sportler. Alle drei bis vier Stunden habe er sich mit den beiden zur Pause getroffen, und sie hätten auf einem Campingkocher für ihn auch warmes Essen zubereitet, erzählte er. Dazu hätten sie für ihn auf dem Autodach sogar ein kleines Buffet angerichtet.

Vor fünf Jahren schon hatte der 40-jährige Polizeibeamte versucht, den Rekord des Franzosen mit einer Tour in Gegenrichtung von Wassenberg aus zu brechen. Ohne Begleiter stand er bei zwei schweren Radpannen jedoch auf verlorenem Posten. An starken Wind und strömenden Regen erinnerte sich Dirk Gütte ebenfalls noch gut.

Dieses Mal wollte er es in umgekehrter Richtung versuchen, wie der Franzose von Pontorson nach Wassenberg. „So hat man die bergige Normandie am Anfang“, erklärte er. „Und da der Wind meist vom Meer kommt, bedeutet dies eher Rücken- statt Gegenwind.“ Zudem würden so die beiden Rekordfahrten vergleichbarer.

Nach der Entscheidung, einen zweiten Versuch zu wagen, wurden monatelang Strecken und Zeitplan für ihn und das Begleitfahrzeug ausgearbeitet. Wegen eines Bänderrisses am Knöchel musste der Start jedoch von Mai auf Anfang Juli verlegt werden. Dann fielen seine Begleiter erkrankt aus. Der Termin wurde auf Anfang September verlegt. Aber dann ging‘s los, früh morgens um sechs Uhr am Rathaus in Pontorson. Dort verabschiedeten ihn neben Bürgermeister André Denot auch Mitglieder des Partnerschaftskomitees. Sie kennen Dirk Gütte seit langem, nahm er doch als Jugendlicher bereits am Schüleraustausch teil, und nicht zuletzt ist sein Vater Ulli Geschäftsführer im Wassenberger Komitee.

Vier Stunden durch Nebel machten das erste Stück nicht einfach. Durch die bergige Normandie ging‘s vorbei an Rouen bis nach Amiens, wo die Hälfte der Strecke erreicht war. Quer durch die Picardie führte der Weg weiter Richtung Lille. Um das schwierige Ardennen-Gebirge zu meiden, wählte Dirk Gütte mehr als 20 Kilometer Umweg und umfuhr Brüssel. An Mechelen vorbei radelte er dann immer südlich entlang der belgisch-niederländischen Grenze bis nach Roermond. Von hier aus war es nur noch ein kurzer Endspurt bis nach Wassenberg.

Das Wetter hielt bis in die Nacht um ein Uhr. Dann ereilte ihn strömender Regen. Am Morgen wurde es besser, „doch mittags goss es wieder wie aus Kübeln. Aber da waren es nur noch 200 Kilometer. Da gibt man doch nicht auf!“, beschloss er. Und er schaffte es.

Eigentlich wollte er mit seiner Tour gleich zwei Städtepartnerschaften miteinander verbinden, die von Wassenberg mit Pontorson und die von Erkelenz mit St. James in der Nähe von Pontorson. So fuhr er am Anfang seiner Tour durch St. James. Am Ende ging‘s dann jedoch von Wassenberg aus nicht mehr weiter bis nach Erkelenz. „Ich hatte einfach kein Licht mehr“, erzählt Gütte von dem Vorrat diverser Lampen, der bei der Tour zur Neige ging, „und da es inzwischen dunkel geworden war, wäre das zu gefährlich geworden.“

Und wie war‘s mit der Müdigkeit zwischendurch? Nein, die habe er nicht gespürt. „Die merkt man erst, wenn man am Ende stehenbleibt“, weiß er heute. Auch das Gehen und das Sitzen sind noch nicht wieder so leicht nach einer solchen Mammuttour. Ein neues Ziel hat Dirk Gütte noch nicht. „Erst mal Familie“, sagt er und wiegt dabei seine kleine Tochter Lia im Arm.

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