Erkelenz: Regionale Größe: ProArte zeigt Retrospektive von Erkelenzer Künstler

Erkelenz: Regionale Größe: ProArte zeigt Retrospektive von Erkelenzer Künstler

Der Künstler Egidius Paul Rütten starb am 5. März dieses Jahres. Nicht nur in der Region war er für seine vielseitige Schaffensbandbreite bekannt. In der Galerie des Fördervereins ProArte am Franziskanerplatz wird seinem Werk eine umfassende Retrospektive gewidmet.

Eigentlich, so berichtete der ProArte-Vorsitzende Willi Arlt, sollte der 5. März ein schöner Tag werden. Denn der Verein öffnete zum ersten Mal die Türen seiner Galerie am Franziskanerplatz 6. Alle Ehrengäste kamen, um die neue Anlaufstelle für Kunst in Erkelenz zu feiern — bis auf Rütten, der genau an diesem Morgen in seiner Wohnung verstorben war.

„Es war eine traurige Nachricht“, erinnerte sich Marlies Giesen am Freitag bei der Vernissage zur Schau. Die in Venrath lebende Künstlerin war eine enge Freundin Rüttens. Ihr ist es unter anderem zu verdanken, dass neben seinen Arbeiten auch seine Texte noch einmal Gehör fanden. Denn zur Eröffnung hatte der Erkelenzer Journalist und Autor Helmut Wichlatz gemeinsam mit seinem Wegberger Kollegen Kai Beisswenger Texte durchgearbeitet, die Giesen und Rüttens Tochter Anka gesammelt hatten.

Gedichte, Haikus und Kurzgeschichten sowie zwei Romane gehören zum literarischen Vermächtnis Rüttens. Ausgewählt hatten die Kuratoren neben einigen Gedichten auch die Kurzgeschichte „Der Einstieg“, in der die Premiere eines Einbrechers gründlich in die Hose geht. Diese deftige Geschichte stand im krassen Gegensatz zu den Gedichten, in denen Rütten wahre Virtuosität bewies und komplexe Stimmungen und Beobachtungen in klare Worte goss. Dieter Wilms vom Förderverein sprach von einem „Eldorado für neugierige und Entdecker“, das auf den rund 200 Quadratmetern der Galerie geschaffen worden sei.

Rüttens Leben war so vielseitig wie sein Kunstverständnis. Nach einer Ausbildung zum Drucker und einer Phase, in der er als Werbegrafiker arbeitete, sattelte er um und wurde Kunsterzieher. Künstlerisch wendete er sich ab den 90er Jahren verstärkt dem Schreiben zu und schuf bis kurz vor seinem Tod einen reichen Fundus an Texten, in denen er auch sein Talent als Beobachter unter Beweis stellte. „Aus Rüttens literarischem Werk auszuwählen war nicht leicht“, bekannte Wichlatz. „Um ihm wirklich gerecht zu werden, hätte man die ganze Nacht durchlesen müssen.“

Wer jedoch selbst mehr lesen möchte, für den lohnt sich der Besuch der Retrospektive bis zum 12. November (sonntags von 11 bis 18 Uhr) in jedem Fall. Denn neben seinen gestalterischen Arbeiten sind auch Exemplare seiner beiden Romane und andere Texte käuflich zu erwerben.

(syn)