Hückelhoven-Ratheim: Realschule Ratheim: Mit Sport und Sprache besser integrieren

Hückelhoven-Ratheim: Realschule Ratheim: Mit Sport und Sprache besser integrieren

Bewegung kennt keine Sprachbarrieren: Wenn es um Integration geht, kommt dem Sport die Funktion eines Turboladers zu. Daniela Günther kann in den zwei Schulstunden, in denen ihre Zöglinge unter der Anleitung von Dieter Bransch, dem Vorsitzenden von Han Kook Hückelhoven, in der Turnhalle der Realschule Ratheim Grundkenntnisse des Taekwondo kennenlernen, nur am Rand stehen und zuschauen.

Aber die 37-jährige Pädagogin, die inzwischen fest zum Kollegium der Realschule Ratheim gehört, fühlt sich dabei keineswegs an den Rand gedrängt: „Sport ist ein ganz wichtiges Element in unserem Unterricht. Neben den anderen Fächern, und da vor allem natürlich Deutsch.“

Das Erlernen der deutschen Sprache hat für die elf Jungen und drei Mädchen ihrer Klasse, die es aus Syrien, Afghanistan und dem Irak an die Rur verschlagen hat, oberste Priorität.

Erfahrene Pädagogin

Daniela Günther ist die Klassenlehrerin der seit diesem Schuljahr an der Realschule Ratheim eingerichteten internationalen Vorbereitungsklasse für Kinder aus Flüchtlingsfamilien oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in Hückelhoven zumindest vorübergehend eine neue Heimat gefunden haben.

Sie unterrichtet die Fächer Deutsch und Kunst und bringt Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingskindern aus ihrem Wohnort Köln nach Ratheim mit: „Kindern mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und verschiedenen Vorbildungen Deutsch beizubringen und sie an das Einhalten ganz bestimmter Regeln, ohne die der Unterricht in so einer heterogenen Gruppe nicht funktioniert, zu gewöhnen, das ist natürlich eine Herausforderung. Aber eine erfüllende“, sagt sie.

„Stadt hat uns unterstützt“

Fast alle Kinder ihrer Klasse sprechen arabisch, Deutsch ist für jedes von ihnen Fremdsprache. Alcin, die seit mehr als einem halben Jahr mit ihrer Familie in Millich lebt, kann sich bereits verblüffend gut auf Deutsch verständigen. „Sie nimmt oft die Stellung eines Dolmetschers ein“, sagt Daniela Günther. „Ansonsten mach‘ ich auch viel mit Pantomime. Die Verständigung klappt immer. Irgendwie.“ Zur Not, wenn gar nichts mehr geht, dürften die Kinder auch zum Handy greifen, um sich so die Bedeutung eines Wortes zu besorgen.

Das, betont sie, sei aber die Ausnahme. Ziel ihrer Arbeit ist es, die Kinder und Jugendlichen in zwei Jahren so weit zu bringen, dass sie in den normalen Regelunterricht einsteigen können. „Und manche haben sicher auch das Potenzial, an eine andere Schule, beispielsweise aufs Gymnasium zu wechseln“, sagt die Klassenlehrerin.

„Nachdem wir an unserer Schule schon Erfahrungen im Deutschunterricht für erwachsene Flüchtlinge gemacht hatten, haben wir uns ganz bewusst um die Bildung einer Klasse für Flüchtlingskinder bemüht“, sagt der stellvertretende Schulleiter Markus Mengel. Voraussetzung sei allerdings eine Aufstockung des Personals gewesen. „Die Stadt hat uns dabei sehr unterstützt, und die Bezirksregierung hat sich flexibel gezeigt und uns schließlich eine zusätzliche feste Stelle zugebilligt.“

In Daniela Günther hat die Realschule also eine junge Pädagogin gefunden, die die Stelle mit ebenso viel Engagement wie Einfühlungsvermögen ausfüllt. „Wenn man sieht, wie wissbegierig die 11- bis 17-Jährigen sind, wie motiviert sie dem Unterricht folgen und welche Lernfortschritte sie machen, dann macht es einfach Spaß, sie zu unterrichten“, sagt sie. Gibt es nicht ab und zu Konflikte, zum Beispiel wegen des großen Altersunterschiedes innerhalb der Klasse? „Nicht mehr als in anderen Klassen auch“, sagt Daniela Günther. „Aber die Kinder helfen sich auch erstaunlich oft gegenseitig.“

In der Sporthalle der Schule haben sich die Kinder inzwischen aufgewärmt, einen Kreis gebildet und warten auf neue Instruktionen. „Auch wir wollen unseren Beitrag zur Integration leisten“, sagt Dieter Bransch mit Blick auf die jungen Flüchtlinge. Der 17-Jährige Ayas aus Syrien beispielsweise bringt schon Taekwondo-Erfahrung mit, andere Jungs haben Trainingsstunden bei Fußballvereinen im Stadtgebiet mitgemacht.

Mit der Einrichtung regelmäßiger Sportstunden für die Vorbereitungsklasse an der Realschule Ratheim ist sein Verein Han Kook einem Aufruf des Landessportbundes NRW und des Kreissportbundes Heinsberg gefolgt. „Unser Verein hat etwa 130 Mitglieder, die aus zwölf verschiedenen Nationen kommen“, sagt er. „Wir legen großen Wert auf soziales Engagement und auf Integration, weil wir den Menschen als Ganzes betrachten und seine Entwicklung fördern wollen.“

Sagt‘s, zieht den Gürtel seines weißen Kampfsportanzuges etwas an und eilt zurück in den Kreis der 14 jungen Flüchtlinge, bleibt bei Alcin stehen, bückt sich und korrigiert ihre Fußstellung. Die 13 anderen beobachten das — und gucken dann auf ihre eigenen Füße. Lernen geht auch so.