Kreis Heinsberg: Radwegschilder: Boxberg fordert neues Verkehrskonzept

Kreis Heinsberg: Radwegschilder: Boxberg fordert neues Verkehrskonzept

Viele Diskussionen hat es in den vergangenen Wochen zu den wegfallenden Radwegschildern im Kreis Heinsberg gegeben. Der ADFC befürwortet dabei allerdings die neue Regel, dass Radwege an den meisten Stellen nicht mehr benutzt werden müssen.

Die Radfahrer dürfen den Radweg aber weiter benutzen, wenn er rechts der Straße liegt und als Radweg erkennbar ist. Links der Straße liegende Radwege müssen mit einem Schild „Radfahrer frei“ gekennzeichnet werden, damit sie benutzt werden dürfen.

Ideal fände es Conny Boxberg, Vorsitzende des ADFC Kreis Heinsberg, wenn Autos, Radfahrer und Fußgänger jeweils ihren eigenen Raum hätten. Solange es aber an vielen Stellen kombinierte Fuß- und Radwege gebe, die teils auch noch durch Parkstreifen von der Straße getrennt sind, sei es für die Radfahrer sicherer, auf der Straße zu fahren. Zu schnell würden Radfahrer sonst von abbiegenden Autofahrern übersehen. Zu groß sei die Gefahr, auf einem zu engen Radweg mit einem Fußgänger zusammenzustoßen.

Und noch viel gefährlicher sei es, auf einem Radweg zu fahren, der links der Fahrbahn liegt. Dann rechneten die Autofahrer gar nicht mit dem Radfahrer. „Dass die Schilder abgenommen wurden, ist gut. Im nächsten Schritt brauchen wir ein durchgängiges Konzept für die Infrastruktur“, sagt sie. Und das könne so aussehen: Neben der Straße könnte ein abgegrenzter, asphaltierter Radweg verlaufen, daneben ein gepflasterter Gehweg.

Dass die nun umgesetzte Regel viele irritiert, kann Boxberg nachvollziehen, weil jahrelang alle dazu erzogen worden seien, doch bitte den Radweg zu benutzen. „Worüber wir erstaunt sind, ist die harte Vorgehensweise der Kreisverwaltung. Nachdem jahrelang den Bürgern durch die Anordnung der Benutzungspflicht beigebracht wurde, dass diese Wege sicherer als die Fahrbahn seien, wird nun mit einem Paukenschlag eine Gehirnwäsche mit 180-Grad-Wende von der Bevölkerung erwartet“, schreibt der ADFC in einer Stellungnahme auf seiner Webseite.

Wegen der neuen Regelung kann es dazu kommen, dass Radwege, die zuvor benutzt werden mussten, nicht mehr befahren werden dürfen. Man habe sich gewünscht, dass mehr dieser Wege, mit Radfahrer-frei-Schildern gekennzeichnet worden wären, sagt Boxberg. So hätten Radfahrer die Möglichkeit, zu wählen, ob sie zum Beispiel auf einem links der Straße liegenden Radweg fahren oder nicht. Wer sich sicher fühlt, solle auf der Straße fahren, wer unsicher ist, könne auf den Radweg ausweichen.

Von der Kreisverwaltung hieß es dazu am Mittwoch, dass man nicht von einem harten Vorgehen oder dergleichen sprechen könne. Vielmehr habe man das Gesetz, „wie seit langem gefordert“, komplett umgesetzt. Und „außerorts, an Stellen, wo sich Radfahrer unsicher fühlen könnten, habe man Radfahrer-frei-Schilder aufgehängt“, sagt Jennifer Grünter vom Kreis Heinsberg.

(ger)