Wassenberg: Quartett beschert Zuhörern Musikgenuss

Wassenberg: Quartett beschert Zuhörern Musikgenuss

Mit dem Konzert des Arcadie Quartetts, ein Flötenquartett aus Aachen, gaben der Kultur-Förderverein und die Stadt als Veranstalter dem Jahresprogramm des Kultur-Fördervereins einen begeisternden Auftakt, nicht zuletzt durch die kleine evangelische Hofkirche, die aus allen Nähten zu platzen drohte.

Herbert Zantis, der die Musiker begrüßte, kannte sie schon aus seiner Mitwirkung beim Rheinischen Musikfest 2002. „Das Gerät, was sie da haben, ist doch etwas gewöhnungsbedürftig“, schmunzelte er mit Blick auf die große Kontrabassflöte, tatsächlich das außergewöhnlichste Stück in der Gruppe der Flöten, auf denen die Mitglieder des Quartetts spielten. Mit dabei waren Alt- und Bassflöten, sogenannte große Flöten und eine kleine Piccoloflöte.

Aus dreieinhalb Jahrhunderten

Abwechslungsreich wie die Ins-trumente war auch das Programm, das die Musiker unter das Leitmotiv „Bazaar“ gestellt hatten. So standen nicht nur Stücke aus dreieinhalb Jahrhunderten auf dem Programm, sondern auch einige, die ursprünglich gar nicht für die Flötenmusik komponiert worden waren.

Den Auftakt machte ein Nachtstück von Eugène Bozza (1905-1991), das Andantino aus „Trois Pièses pour une Musique de Nuit“, bei dem in einem eigenen Arrangement des Quartetts die große Kontrabassflöte bereits zum Einsatz kam.

Zurück ging es in die Zeit des Barock mit einer Komposition des Franzosen Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755). Bei dem Concerto in H-Moll op.15/4 für Querflötenensemble wurden das exakte Spiel jedes einzelnen Musikers und deren harmonisches Zusammenspiel überaus deutlich.

Zu „Fünf Lieder ohne Worte“ hörten die Gäste des musikalischen Nachmittags Auszüge aus einem Brief Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 bis 1847) aus dem Jahr 1842, in dem er sich mit der Aussagekraft von Worten im Vergleich zur Musik auseinandersetzte.

Es folgten „Drei Miniaturen“ von Claude Debussy (1862 bis 1918), arrangiert von Gottfried Stein. Im ersten Stück wird Pan als Gott des Sommerwindes angerufen. Das Verwehende des Flötenklangs kam dann auch den folgenden, frühen Klavierstücken „Rêverie“ und „Arabeske“ in diesem Arrangement entgegen.

Auch in Flötenklängen beeindruckend, spielte das Quartett dann das berühmte „Adiós Nonino, das der mit seinem Bandoneon und seinem „Tango Nuevo“ bekannte Astor Piazzolo (1921-1992) im Jahr 1959 zum Tod seines Vaters geschrieben hat.

Wieder zurück ging es im „Bazaar“ in das 18. Jahrhundert zu Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und einem Stück, das ursprünglich für eine mechanische Spieluhr komponiert wurde, dem „Andante für eine Orgelwalze“ in F-Dur. Damit begeisterten die vier Musiker ihr Publikum ebenso wie mit zwei aus 24 „Nichtsen“, den „Quelques Riens“ genannten kleinen Klavierstücken von Gioaccino Rossini (1792-1868).

Mit der „Pavane pour un Infante défunte“ von Maurice Ravel (1875-1937) aus dem Jahr 1899, die dem Komponisten zu seiner Zeit erstmals die Gunst eines breiten Publikums einbrachte, folgten auch die Zuhörer in der Hofkirche bildlich einer kleinen Prinzessin, die in alter Zeit am spanischen Hofe gemessenen Schrittes eine Pavane tanzt.

Aus ganz neuer Zeit das abschließende Stück der Kölner Komponistin Heike Beckmann mit dem Namen „Bazaar“ aus dem Jahr 2010, das dem gesamten Konzert seinen Titel gab und dem Arcadie-Quartett quasi auf den Leib geschrieben wurde.

Geheimnisvolle Atmosphäre

„Es ist, soweit wir wissen, das einzige Stück der Flötenquartettliteratur, in dem nur Piccolo-, Alt-, Bass- und Kontrabassflöte gespielt werden, die ganz normale sogenannte große Flöte dagegen fehlt“, erklärte Flötistin Susanne Schrage dazu. Mit diesem Stück nahm das Quartett seine Zuhörer mit in die geheimnisvolle Atmosphäre eines orientalischen Marktes und überraschte mit diversen perkussiven Effekten, auch ab und an mal ganz ohne Instrumente.

Dass dies „75 wunderschöne Minuten“ waren, wie es Zantis am Ende formulierte, bestätigte das Publikum mit anhaltendem Applaus, den das Quartett wiederum mit einer kleinen Zugabe belohnte.

(anna)