Hückelhoven-Ratheim: Pumpen, Motoren und Mikroorganismen in der Kläranlage

Hückelhoven-Ratheim : Pumpen, Motoren und Mikroorganismen in der Kläranlage

Ein kleines Mädchen brachte sein rosarotes Kuscheltier mit zum Tag der offenen Tür der Kläranlage Hückelhoven-Ratheim. Das Mädchen meinte zur Erklärung, warum es sein Kuscheltier mitgebracht hatte, ganz lapidar zu Diplom-Ingenieur Steffen Dieckmann: „Das wollte einfach mit.“

In Ratheim behandelt der Wasserverband Eifel-Rur die Abwässer aus den Ortslagen Hückelhoven, Millich, Brachelen, Doveren, Hilfarth, Ratheim, Altmyhl, Kleingladbach, Schaufenberg, Baal, Rurich und dem Industriegebiet Doveren. Steffen Dieckmann ist der Chef auf der Kläranlage, und er freute sich an diesem sonnigen Tag nicht nur über das Interesse von kleinen Mädchen und Kuscheltieren an den Abläufen, die das Abwasser reinigen, sondern auch über eine große Anzahl Besucher, die von Dieckmanns Mitarbeitern in zahlreichen Führungen über das weitläufige Gelände geleitet wurden.

Unternehmensbereichsleiter Steffen Dieckmann (r.) und seine Mitarbeiter des Wasserverbands Eifel-Rur hatten zum Tag der offenen Tür in die Kläranlage Ratheim eingeladen. Foto: Dettmar Fischer

Neben den großen Becken, in denen das Abwasser von unzähligen „Helfern“ gereinigt wird, hatten die sieben Mitarbeiter der Kläranlage Ratheim auch Infostände aufgebaut, die die Reinigungsprozesse veranschaulichten.

Tausende kleine „Helfer“

Ein Problem stellten die Mitarbeiter des Wasserverbands auf einem Kleinlaster dar. Dort hatten sie ein Feuchttuch einspannt. Am unteren Ende zog ein schweres Metallrohr. Fast jeder Besucher hätte wohl gedacht, dass dieses Gewicht das Wegwerftuch zerreißen würde, doch es hielt mühelos stand, den ganzen Tag. Und genau dies ist eines der Probleme, mit denen Steffen Dieckmann und seine Mitarbeiter zu kämpfen haben. Dieckmann: „Feuchttücher gehören bitte nicht in die Toilette.“

Die vielen „Helfer“, die kostenlos für den Wasserverband Eifel-Rur arbeiten, heißen Bakterien. Und diese winzigen „Mitarbeiter“ lassen sich sogar schulen, wie Dieckmann erläuterte. Durch Sauerstoffzufuhr oder -entzug lassen sich die Aufgaben, die die Bakterien erledigen, sogar regeln. Im Jahr 2017 wurden in der Kläranlage mehr als drei Millionen Kubikmeter Abwasser so weit gereinigt, dass das Wasser problemlos in die Rur fließen kann. Knapp 40.000 Einwohner sind an die Kläranlage angeschlossen. Das ankommende Abwasser wird über ein kombiniertes Schnecken- beziehungsweise Tauchmotorpumpwerk in die Kläranlage gefördert. Von hier aus fließt das Abwasser durch eine zweistraßige Rechenanlage, die mit zwei parallel betriebenen Filterstufenrechen ausgestattet ist. Hieran schließt sich der belüftete Sandfang an, in dem Sand und Fett aus dem Abwasser entnommen werden.

In den zwei nachgeschalteten Vorklärbecken setzen sich organische Feststoffe ab. Bakterien und Mikroorganismen reinigen in der biologischen Reinigungsstufe das Abwasser. Hier werden dem Abwasser Nährstoffe und Kohlenstoff entzogen. Insgesamt stehen hierzu knapp 15.000 Kubikmeter Beckenvolumen zur Verfügung.

Vier Nachklärbecken sorgen danach für eine Abtrennung des sogenannten Belebtschlammes vom gereinigten Abwasser. Kleinere Feststoffe werden danach mit Hilfe einer Sandfiltration entfernt. Erst dann erfolgt die Einleitung in den Mühlenbach, der in die Rur mündet. Die anfallenden Klärschlämme werden im Faulbehälter bei 35 Grad behandelt. Bei diesem Prozess entsteht Methangas, das im Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt wird. Die Kläranlage ist somit in der Lage, 41 Prozent des Strombedarfes selbst zu erzeugen. Die Wärme wird zur Beheizung des Faulbehälters und der Gebäude genutzt. Die ausgefaulten Schlämme werden entwässert und dann der Verbrennung in Kraftwerken zugeführt.

Der Tag der offenen Tür der Kläranlage Ratheim war eine der dezentralen Festveranstaltungen zum 25-jährigen Bestehen des Wasserverbands Eifel-Rur.