Wegberg-Beeck: Publikum schnell erobert: Rolly Brings & Bänd im Beecker Pfarrheim

Wegberg-Beeck: Publikum schnell erobert: Rolly Brings & Bänd im Beecker Pfarrheim

Rolly Brings kennt sich aus. Das wussten die Frauen im nahezu vollbesetzten Pfarrheim Beeck schon nach wenigen Minuten. Denn da waren schon so Sätze gefallen wie „Fraue sin Bilder. Kääls sin Probleme“ (Frauen sind Bilder, Männer sind Probleme). Eine Weisheit, die Rolly Brings seiner Mutter verdankt.

Auch die Behauptung, dass jeder Mann eine Frau braucht, damit er jammern kann, hatte er da schon aufgestellt. Rolly Brings & Bänd waren angereist, um das Beecker Publikum mit dem Programm „Adam & Eva“ in die ewig neuen und doch uralten Geheimnisse des Zusammenlebens von Mann und Frau einzuweihen, op kölsch natürlich.

Denn in welcher Sprache ließe sich das Thema besser bearbeiten als in der Leichtfüßigkeit und der Deftigkeit des Kölner Dialekts. Für die, denen das eine oder andere kölsche Wort nicht geläufig war, gab es ein sorgsam übersetztes Liederheft, das nebenbei Gelegenheit bot, die wortwitzigen Texte „schwarz auf weiß“ nach Hause zu tragen.

Rolly Brings kennt sich aus. Betrachtet berühmte Gemälde im Museum Ludwig Köln, übersetzt den Schriftsteller Heinrich Böll ins Kölsche und ist auch musikalisch mit allen Wassern gewaschen, wie er mit seiner Band (Benjamin Brings, Wolfgang Klinger, Helmut Kraus und Klaus strenge) mühelos bewies. Reihenweise ließ er die Frauen, die Bilder sind, über die Bühne marschieren. Das neugeborene Mädchen in den Armen seines Vaters, das er mit anrührender Zärtlichkeit besang, die Mond-Marie, deren Neigung zur Travestie er belächelte, die Prostituierte Marizebill, die nicht so schlecht ist wie ihr Schicksal.

Satte Bühnenpräsenz

Ja, und manchmal musste auch das Publikum ran. Mitsingen bitte! Oder mal schnell mit Handpuppen die Geschichte des alten Weibs aus Ehrenfeld lebendig werden lassen. Denn wenn eine fremdgehende Ehefrau, die versucht hat, ihrem Mann mit Methylalkohol das Augenlicht zu rauben, plötzlich in den Fluten des Rheins ertrinkt, bedarf das durchaus der bildhaften Darstellung. Rolly Brings kennt sich aus und das Publikum quietschte vor Vergnügen. Im Sturm eroberten Rolly Brings & Bänd mit heiteren und melancholischen Texten und satter Bühnenpräsenz das Publikum.

Präsentiert wurde Rolly Brings & Bänd von Thorsten Heiss Bestattungen in Wegberg. „Das gehört zur Philosophie meines Unternehmens“ erklärte Thorsten Heiss. Eine Plattform für Begegnungen und Erinnerungen will er schaffen. Nach einer Lesung und einem Trauerkabarett war dies bereits die dritte Veranstaltung in diesem Jahr. Und ein — wenn auch noch kleines — Stammpublikum hat er auch schon. „Dazu gehören auch Menschen, die ich in letzter Zeit in einem Trauerfall begleitet habe.“ Und in guter Erinnerung dürfte das Publikum den Abend sicherlich behalten. Der begeisterte Applaus ließ jedenfalls darauf schließen.

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