Heinsberg/Wassenberg: Prozess um rechte Schläger kommt langsam voran

Heinsberg/Wassenberg: Prozess um rechte Schläger kommt langsam voran

Im Prozess gegen fünf mutmaßliche Schläger und einen Vater, der seinem Sohn geholfen haben soll, verlas die Richterin am Montag zunächst die Einträge der jungen Beschuldigten in ihren Führungszeugnissen.

Von Betrug war die Rede, aber auch von Diebstahl, Sachbeschädigung und Unterschlagung, von vorsätzlicher Körperverletzung oder der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die dokumentierten Vorfälle reichten zurück bis in das Jahr 2012. Für den Vater berichtete die Richterin von einem Urteil wegen Betruges aus dem Januar vergangenen Jahres.

Es folgte die Vernehmung von zwei Ärzten, die den bei der Attacke gegen mehrere Flüchtlinge im Januar 2015 am Wassenberger Busbahnhof verletzten Mann behandelt hatten. Der erste war ein in Heinsberg niedergelassener Chirurg, bei dem der Geschädigte erstmals Anfang März 2015 in Behandlung war wegen seiner andauernden Schmerzen am rechten Knie. Diagnostiziert habe er damals einen Riss des vorderen Kreuzbandes und einen Riss des Innenmeniskus sowie ein Knochenödem am Unterschenkel, erklärte der Arzt.

Zunächst habe das Sozialamt nur die Operation des Innenmeniskus genehmigt, die er Mitte August 2015 vorgenommen habe. Die Instabilität des Knies habe sich jedoch nicht gebessert, so dass der Geschädigte nach erneuter Genehmigung durch das Sozialamt im März dieses Jahres eine sogenannte Kreuzbandersatzplastik erhalten habe. Der Heilungsverlauf sei bisher gut.

Laut Aussage des Chirurgen kann die Verletzung des Geschädigten nicht alleine durch Tritte oder Schläge hervorgerufen worden sein. Es müsse einen Drehmechanismus im Knie gegeben haben. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus unmittelbar nach der Tat habe der Geschädigte Symptome einer Gehirnerschütterung gezeigt, darüber hinaus über Schmerzen am rechten Knie, am rechten Zeigefinger und am linken Ellenbogen geklagt, erklärte der damals in der Aufnahme Dienst tuende Assistenzarzt.

Er sei daraufhin für zwei Tage stationär aufgenommen worden. Die am Knie inzwischen operierten Schädigungen seien damals noch nicht diagnostiziert worden, räumte der Arzt ein. Bei einer derartigen Verletzung könne es jedoch immer sein, dass sich der Befund im Laufe der Zeit noch ändere.

Während der zuvor befragte Chirurg erklärt hatte, dass er mit seiner Untersuchung nicht habe feststellen können, ob es sich um eine ältere oder ein frische Verletzung gehandelt habe, betonte der aus Moers angereiste Gutachter, Orthopäde und Unfallchirurg, dass sich bei der Kernspintomographie im März 2015 ein nicht mehr frisches, verblasstes Knochenödem gezeigt habe. „Das passt von der Zeit her“, betonte er.

(anna)
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