Heinsberg/Wassenberg: Prozess gegen rechte Schläger: Zeugen widersprechen sich

Heinsberg/Wassenberg: Prozess gegen rechte Schläger: Zeugen widersprechen sich

Wer dachte, mittlerweile sei vor Gericht aufgearbeitet, was am 17. Dezember 2014 vor dem Nettomarkt in Wassenberg geschah, der sah sich am Freitag getäuscht. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Heinsberg sagten drei Zeugen aus, die den Vorfall beobachtet hatten. Und alle Zeugen tischten dem Gericht eine andere Version der Vorkommnisse auf.

Vor der Verhandlung war weitgehend unstrittig, dass der Angeklagte Max W. — vermummt und mit eigens verstärkten Handschuhen — einen dunkelhäutigen Asylbewerber vor dem Markt attackiert hatte. Zuvor sollen alle Beteiligten in dem Geschäft gewesen sein. Offen waren zum Beispiel die Fragen, ob W. einige Tage vorher von dem Asylbewerber provoziert worden war, wie oft und wohin W. zuschlug, ob der Asylbewerber einen Stein auf W. warf und ob der Beschuldigte Aaron C. den Asylbewerber ebenfalls attackierte.

Ein Zeuge, ein 45-jähriger Mann aus Wassenberg, sagte, er habe die Asylbewerber und die Gruppe der Jugendlichen, die ihn vor dem Geschäft attackierten, schon im Supermarkt gesehen. Die Jugendlichen, von denen er den Angeklagten Aaron C. wiedererkannte, hätten die dunkelhäutigen Männer schon drinnen provoziert und sich über sie lustig gemacht. „Sie sollten offensichtlich merken, dass sie nicht erwünscht sind“, sagte der Zeuge.

Vor dem Markt will der Zeuge, der nach eigener Aussage nur zehn Meter entfernt von den jungen Männern gestanden hat, lediglich gesehen haben, dass die Asylbewerber geschubst wurden. Von einem Tritt gegen den Körper hatte er in der polizeilichen Vernehmung gesprochen. Schläge habe er nicht gesehen.

Ein 20-jähriger Zeuge aus Wassenberg, der mit den Angeklagten befreundet ist, konnte sich in erster Linie an zwei Dinge erinnern: Dass der Asylbewerber W. einen Teil eines kaputten Dachziegels ins Gesicht geworfen hatte. Und dass Aaron C. das Opfer nicht schlug. C. habe „nichts“ gemacht. Der 20-Jährige sagte auch, dass der Asylbewerber den Stein zuerst auf W. warf — und dass W. dann erst schlug. Das widerspricht allen bisherigen Aussagen.

Die großen Erinnerungslücken des Zeugen begründete dessen Mutter mit einer Krankheit, die auch Entwicklungsverzögerungen ausgelöst hatte. Demnach könne er sich an Dinge, die lange zurückliegen, schlecht erinnern.

Ein 17-jähriger Zeuge, der ebenfalls mit den Angeklagten befreundet ist, sprach davon, dass weder die Angeklagten noch die Asylbewerber überhaupt im Nettomarkt gewesen seien. Vielmehr habe W. das Opfer zur Rede stellen wollen, weil es ihn einige Tage zuvor provoziert hatte. Seiner Aussage nach habe C. versucht, W. davon abzuhalten, den Asylbewerber zu schlagen. W. habe trotzdem mit der Faust zugeschlagen. Und erst dann habe der Asylbewerber den Stein geworfen.

Die Attacke vor dem Nettomarkt ist nur ein Angriff, der den Angeklagten vorgeworfen wird. Ihnen wird außerdem zu Last gelegt, im Januar 2015 am Busbahnhof in Wassenberg drei andere Asylbewerber angegriffen und krankenhausreif geprügelt zu haben.

Eine Randnotiz blieb am Freitag, dass Aaron C., der in diesem Prozess schon wiederholt wegen seines respektlosen Verhaltens aufgefallen war, im Gerichtsgebäude ein Tattoo auf der Wade zeigte, dass eindeutig der rechten Szene zuzuordnen ist.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Ein Urteil wird für Ende April erwartet.