Wassenberg: Premiere: Erstes Kaminkonzert im Bergfried

Wassenberg: Premiere: Erstes Kaminkonzert im Bergfried

Mit einer solch großen Resonanz hatte die Stadt Wassenberg als Veranstalter des ersten Kaminkonzerts im Kaminsaal des Bergfrieds nicht gerechnet: Die Bestuhlung im Saal reichte bei weitem nicht aus für all die Besucher, die zum Konzert gekommen waren.

Viele von ihnen mussten den Klängen von Cello, Harfe und Gesang auch aus dem Vorraum lauschen. „Ich kann nur sagen, das hier ist eine gute Stube geworden“, erklärte Bürgermeister Manfred Winkens in seiner Begrüßung. „Wir haben auch größere, aber keine schönere“, betonte er. Seit einem Jahr schon verlange der Stadtrat ein Nutzungskonzept. Daran werde auch gearbeitet, erklärte er.

Durch den Ausbau des Hotelbetriebs Burg Wassenberg gleich unterhalb des Bergfrieds verzögere es sich jedoch noch. Es sei sinnvoll, Burg und Bergfried in einem Konzept zu erfassen. Neben den Kaminkonzerten könne er sich auch weitere schöne Veranstaltungen in diesem Raum vorstellen, fuhr er fort, etwa Kamingespräche zu historischen Themen oder anderem mehr. „Dass hier heute eigentlich viel zu wenig Platz ist, zeigt das Interesse, und das freut mich sehr“, sagte Winkens.

Dass beim ersten Konzert eine Musikerin zu Gast sei, die seit 2016 an der Betty-Gesamtschule unterrichte, sei eher einem Zufall zu verdanken, so Winkens. Bei einer Führung hätten sich Regina Rücker und Ehrenbürger Sepp Becker kennengelernt. Regina Rücker, die aus Köln stammt, dort und am Royal College of Music in London studiert hat, begeistert nicht nur mit ihrem Spiel auf dem Violoncello, sondern auch mit ihrem Gesang. In ihrem Lehramtsstudium hat sie sich auch der Ausbildung in Gesang, Klavier, Tonsatz, Musikwissenschaften und -pädagogik gewidmet.

Ihre Partnerin beim Konzert war die Harfenistin Isabelle Marchewka, ebenfalls Musikpädagogin an der Musikschule in Hilden und Dormagen. Seit 2010 ist sie die erste Solo-Harfenistin der Kölner Symphoniker/Kammeroper Köln. „Englischer Abend“ hatten die beiden Künstlerinnen ihr Konzert überschrieben, in das sie mit Werken von Henry Purcell (1659-1695) starteten, in unterschiedlichen Besetzungen von Violoncello und Harfe, Gesang in Begleitung der Harfe oder auch der Harfe als Soloinstrument.

Weiter ging es mit der Gambensonate C-Dur von Georg Friedrich Händel (1685-1759) und der von Regina Rücker gesungenen Arie „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper Rinaldo. Für das Publikum hatten die beiden Künstlerinnen dem Programmheft nicht nur eine Auflistung ihrer Werke hinzugefügt, sondern bei der Arie zum Beispiel auch die wichtigsten Zeilen in deutscher Übersetzung.

Gleiches galt beim nächsten Komponisten, Edward Elgar (1857-1934), für das Lied „Dry Those Fair, Those Crystal Eyes“. Ganz bekannte Töne von Elgar folgten mit dem „Land of Hope and Glory“, hier in einem Arrangement von Tobias van de Locht, der auch die erläuternden Texte geschrieben hatte. Vor der Pause begeisterten die beiden Künstlerinnen noch mit Werken von Gustav Holst (1874-1934) und von Ralph Vaughan Williams (1872-1958).

Von Händel bis Britten

Allesamt erst im 20. Jahrhundert geborene Meister standen nach der Pause auf dem Programm mit Benjamin Britten (1913-1976), William Alwyn (1905-1985), Malcolm Arnold (1921-2006), William Walton (1902-1983) oder dem 1938 geborenen Howard Blake. Von Blake, dem einzigen noch lebenden Komponisten im Konzert, zu dem Isabelle Marchewka freundschaftlichen Kontakt pflegt, präsentierten die beiden zum Abschluss „Walking in the Air“ aus dem Kindermusical „The Snowman“. Begeisterter Applaus des Publikums war der Lohn für das gelungene erste Kaminkonzert im Wassenberger Bergfried.

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