Poetry Slam: Dichterwettstreit in Höngen

Poetry-Slam : Dichterwettstreit beim Zipfelgipfel in Höngen

Schnellsprecher: Vier junge Menschen, jeder aus einem anderen Zipfel Deutschlands, liefern sich einen Wettstreit mit flotten Worten im Kulturhaus in Höngen.

„Es dreht sich alles immer nur um Ost und West. Ich möchte, dass Ost, West, Nord und Süd gemeinsam auf der Tagesordnung landen.“ Das sagte Christoph Wielepp von der „Friedrich-Ebert-Stiftung“ aus Sachsen. Er war auf seiner Zipfeltour im Kreis Heinsberg unterwegs.

Diese spezielle Art von Tour bedarf in diesem Zusammenhang wohl einer näheren Erklärung. Zipfeltour bedeutet, innerhalb von sechs Tagen besuchten Christoph Wielepp und sein Team die nördlichste, östlichste, südlichste und auch westlichste Gemeinde Deutschlands, die sogenannten „Zipfelgemeinden“. Tief im Westen ist der Selfkant Teil dieses Bundes. Dort traf man sich im Kulturhaus Höngen.

Das Tour-Team bestand neben Wielepp aus den eigentlichen vier Hauptakteuren. Das waren vier jungen Menschen, die die Kunst des „Poetry-Slams“ nahezu perfekt beherrschten. Jeder kam dabei aus einer der vier Zipfelregionen. Und natürlich Moderator Axel Krüger aus Görlitz, ebenfalls eine „Zipfelgemeinde“. In jeder der vier Gemeinden boten sie eine bunte Mischung aus verschiedenen Poetry-Slam-Vorträgen, die sich die „Zipfelbewohner“ anschauen konnten.

Poetry-Slam kann als ein moderner Dichterwettstreit beschrieben werden, bei dem verschiedene Künstler mit selbstgeschriebenen Texten gegeneinander antreten. „Dabei muss er nur durch eigene Mimik und Gestik vorgetragen werden, es darf nicht gesungen werden und der Vortrag darf maximal eine Länge von sechs Minuten haben“, erklärte Axel Krüger dem Publikum in Höngen vorab die Regeln. Das war wichtig, denn das Publikum war es, das am Ende über den Gewinner des Wettstreits entscheiden durfte. Dabei hatte es die Wahl zwischen den vier festen Tour-Mitgliedern und je drei lokalen Poetry-Slamern, die in jeder Gemeinde dazukamen.

Die Lokalmatadorin aus unserer Zipfelgemeinde hieß Luca Swieter. „Und die hat bei uns in Görlitz erstmal den ersten Platz abgeräumt“, rief sich Axel Krüger voller Entsetzen nochmals in Erinnerung. „Da erwarte ich, dass heute natürlich unser Ost-Kandidat gewinnt“, fügte er schmunzelnd hinzu.

„Aber um nochmal kurz ernsthaft zu werden, auch wenn es nicht so sein sollte, ihr seid unglaublich geil“, zollte Krüger dem Höngener Publikum allen Respekt ab. Mit welcher Herzlichkeit sie schon vor drei Jahren bei der ersten „Zipfeltour“ hier empfangen worden waren, sei nicht zu überbieten gewesen, erinnerte sich Krüger, bevor er den Wettbewerb zum Startschuss freigab.

Es folgte ein unglaubliches breites Repertoire an Poetry-Slams. Von einer schaurigen Kannibalen-Geschichte bis zu einem gestrandeten, höchst amüsanten Bahn-Passagier in Duisburg war alles dabei. Da wollte man wahrlich nicht in der Haut des Publikums stecken, das daraus einen Gewinner küren musste.

„Und warum wir das Ganze überhaupt machen?“, kam Christoph Wielepp auf sein Ausgangs-Statement zurück. „Weil wir hier nicht nur über die deutsche Einheit diskutieren, sondern sie aktiv gestalten.“ Gerade in Zeiten, in denen viele die deutsche Einheit hinterfragen und sie als gescheitert ansehen, sei das die perfekte Plattform für eine neue Verbindung der verschiedenen Regionen. Deshalb seien auch er und seine Stiftung von dieser „Tour-Idee“ sofort begeistert gewesen. An diesem Abend zeigte sich in der Tat: Wir sind ein Volk. Und sei es „nur“ in Gestalt von vier jungen Künstlern im Kulturhaus in Höngen.