Wegberg: Pier-Prozess muss eventuell neu aufgerollt werden

Wegberg: Pier-Prozess muss eventuell neu aufgerollt werden

Der Prozess gegen den ehemaligen Chefarzt der Wegberger Antonius-Klinik, Arnold Pier, droht erneut vorübergehend zu platzen. Grund ist ein Antrag der Verteidigung.

Piers Anwälte halten den aktuellen Gutachter Professor Martin Walz, Klinikdirektor und Chefarzt an den Kliniken Essen-Mitte, nach einem Interview in unserer Zeitung für befangen. Der Prozess ist am Montagvormittag nach 20 Minuten unterbrochen worden, die Richter werden am 8. Juli über den Befangenheitsantrag entscheiden.

Falls ihm stattgegeben wird, muss zum dritten Mal ein Gutachter bestellt werden. Bereits Anfang dieses Jahres musste das Verfahren wegen eines Befangenheitsantrags neu aufgerollt werden.

„In dem Interview hat sich der Gutachter in der Öffentlichkeit mit dem Verhalten des Angeklagten auseinandergesetzt und dies negativ bewertet”, trug der Frankfurter Advokat Egon Geis vor. Genau dies jedoch bestritt der prominente Mediziner. Das Interview sei zwar „aus Anlass des Prozesses” entstanden. Er habe sich jedoch „nur allgemein geäußert” und „keinen Bezug zum konkreten Fall” genommen.

Sollte Walz wie sein Vorgänger Professor Bernward Ulrich (Düsseldorf) aus dem Verfahren gedrängt werden, läuft der Prozess zeitlich vollends aus dem Ruder. Während der Suche nach einem neuen, dritten Gutachter könnte sich das Landgericht in den vorgeschriebenen Fristen eines drei-Wochen-Rhythmusses auf Nebenschauplätzen in die Sommerpause retten - und im September fortfahren. Dann wird das Verfahren ein Jahr alt.

Arnold Pier wird in der Anklageschrift die Schuld an sieben Todesfällen, mehr als 60 Körperverletzungen an Patienten, eine unterlassene Hilfeleistung und ein Verstoß gegen das Ruhen der Approbation vorgeworfen. Todesursache soll unter anderem mangelnde Hygiene - möglicherweise auch der Einsatz von Zitronensaft zur Wunddesinfektion - gewesen sein.

Abgeschlossen sind bislang nur zwei der 19 angeklagten Fälle. Im ersten fiel bereits ein Urteil, nachdem ein Schöffe erkrankt war und sich das Gericht neu zusammen setzen musste: 15 Monate Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge.

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