Erkelenz-Borschemich (alt): Pfarrer hat Kirche St. Martin offiziell an RWE übergeben

Erkelenz-Borschemich (alt): Pfarrer hat Kirche St. Martin offiziell an RWE übergeben

Für die alte Pfarrkirche St. Martin gibt es kein Zurück mehr. Am 24. November vorigen Jahres wurde das denkmalgeschützte Gebäude unter großer Anteilnahme der Borschemicher und Erkelenzer Bevölkerung entwidmet. Die Turmuhr hat ein neues Zuhause in einem Uhrenmuseum gefunden. Die Glocken läuten längst an neuer Stelle.

Nun übergab Pfarrer Werner Rombach die Schlüssel der Kirche an den Tagebaubetreiber RWE Power. Wie es sich gehört, gab es einen letzten Rundgang mit den alten und neuen Eigentümern. Die Strom- und Wasserzähler wurden abgelesen. Als ob das noch eine Bedeutung hätte, denn die letzten Tage der 1907 eingeweihten Kirche haben längst begonnen.

Kirchenfenster mit Löchern, gebrochene Steine am Altar: Bald wird auch von ihnen nichts mehr da sein, denn die Schlüssel der Kirche St. Martin hat jetzt RWE und der Tagebaubetreiber kommt bald mit dem Bagger. Foto: hewi

Ein Haufen Bauschutt erinnert an die Stelle, wo einst der Altar gestanden hat. In der Ecke steht der alte Beichtstuhl wie bestellt und nicht abgeholt. Was aus ihm werden soll, wisse man noch nicht, betonte Rombach. Eine Online-Auktion habe bislang noch nicht viele Interessenten geweckt.

Löcher in den Kirchenfenstern

Die prachtvoll bemalten Kirchenfenster weisen schon die ersten Löcher auf und sind teilweise mit Holzbrettern vernagelt. Die besonders farbenfrohen Chorfenster haben einen Interessenten gefunden. Nun müsse man schnell handeln, bevor auch sie Opfer des Vandalismus werden, der in dem aufgegebenen Ort um sich greift.

„Borschemich“ hat längst aufgehört zu existieren. Wer in den Ort kommt, findet sich kaum noch zurecht. Ganze Straßenzüge sind schon niedergelegt. Gebäude, an denen man sich einst orientieren konnte, sind verschwunden. Und trotzdem leben noch Menschen in „Borschemich (alt)“.

Zurück zur Schlüsselübergabe. Pfarrer Rombach ist mit Vertretern des Vorstandes der ehemaligen Borschemicher Kapellengemeinde und Vertretern der Kirchengemeinde Christ König zu diesem Termin gekommen.

Die Schlüssel, sie füllen eine ganze Bonbondose. Es sind die Schlüssel fürs Portal, die Nebentüren, den Glockenturm, die Keller- und Nebenräume und Verteilerkästen. Als ob sie noch jemals benötigt würden. Denn die nächsten Kirchenbesucher und neuen Eigentümer werden das ehemalige Gotteshaus abreißen.

Reiner Verwaltungsakt

Gertrude Hurtz gerät über den Gedanken nicht mehr in Wallung. Die ehemalige Vorsitzende des Borschemicher Pfarrgemeinderates und Lektorin ist schon aus ihrem Heimatort weggezogen. „Vor genau fünf Jahren haben wir die Schlüssel zu unserem Haus übergeben“, sagt sie. Auch die letzte Messe im November in St. Martin sei schlimm gewesen. Dagegen ist die Schlüsselübergabe ein „reiner Verwaltungsakt“.

Rombach bedankt sich bei Thomas Kolbe, der bei RWE Power für die Umsiedlung zuständig ist, für die „kontroverse Diskussion, bei der beide Seiten stets die Form gewahrt haben“.

Schlussstrich unter das Thema

Die Messen werden in Borschemich (neu) in einer neuen Kapelle abgehalten, die vor rund zwei Monaten eingeweiht wurde. Dort konnten auch einige Gegenstände der alten Kirche untergebracht werden.

„Vielleicht ist es besser so“, sagt Gertrude Hurtz. Irgendwann müsse das Thema ja „beendet“ sein. Wann genau das letzte Stündlein für das Borschemicher Gotteshaus schlägt, steht in den Sternen. Der Termin werde der Gemeinde aber rechtzeitig bekannt gegeben. Ob man den rund tausend Jahre alten Ort dann noch wiedererkennt, ist allerdings fraglich.