Waldfeucht-Haaren: „Ozapft is!“ erst nach neun Schlägen

Waldfeucht-Haaren: „Ozapft is!“ erst nach neun Schlägen

Ein bisschen Sorgen hatten sie sich schon gemacht, die Organisatoren des 49. Haarener Oktoberfestes, das erstmals mit Rauchverbot über die Bühne gehen musste. Große, dreieckige Deckenhänger mit den entsprechenden Schildern im Riesenfestzelt verkündeten das Unheil für viele Oktoberfest-Besucher im Großformat.

Als dann aber mit etwas Verspätung zum angekündigten Start die sieben Musiker der Kapelle „Blechblos’n“ aus dem bayrischen Günding ins Zelt einmarschierten und an der ersten Theke zu einem Prosit auf die Gemütlichkeit aufspielten, waren viele Stühle im Zelt schon besetzt.

Neun Schläge brauchte Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen in diesem Jahr, bis er den ersten Gerstensaft aus dem Fass befreit hatte. Foto: Anna Petra Thomas

Auf der Bühne angekommen, gab sich Frontmann Roland Schleifer gleich wortgewandt, als er den bayrischen „Destilliermarsch“ ankündigte. Es folgten eine Polka und die „Haarener Spezialitäten“, bevor Gotthard Kirchner für das Festkomitee Haarener Oktoberfest zum Mikrofon griff. Sein erster Dank ging an Zeltwirt Willi Schellartz. „Wir freuen uns auf drei tolle Tage“, rief ihm Kirchner zu, bevor er die Ehrengäste des Abends begrüßte, allen voran Bürgermeister Hans-Josef Schrammen. Mit dabei war aber bereits zum 49. Mal auch Altbürgermeister Hans Naber, mittlerweile 94 Jahre alt.

Mit seinen Sprüchen und Animationen sorgte „Blechblos´n“-Frontmann Roland Schleifer für viel Stimmung im Festzelt. Foto: Anna Petra Thomas

Kirchner appellierte an alle Besucher, die „rauchergesetzmäßigen“ Vorgaben einzuhalten. Das Zelt hatte dafür erstmals zwei sogenannte Raucherausgänge, die in Pavillons führten, so dass ein Rauchen auch bei Regen im Trockenen möglich war. „Es tut uns auch leid“, sagte Kirchner den Rauchern, „aber bitte halten Sie sich alle dran.“

Dann wurde es ernst für den Bürgermeister, dem der richtige Schlag auf den Zapfhahn des Bierfässchens auf der Bühne nicht gleich gelingen wollte. Neun Schläge brauchte es bis zum offiziellen Fassanstich, auf den Schrammen dann nach seiner Verkündung des „Ozapft is!“ mit Gotthard Kirchner und mit dessen Vater August ebenso anstoßen konnte wie mit dem Zeltwirt. „Ich freue mich, hier gemeinsam mit euch drei Tage lang feiern zu können“, sagte Schrammen und erklärte dann das Haarener Oktoberfest offiziell für eröffnet.

Das war das Stichwort für die „Blechblos´n“ die sich gleich von Anfang an mächtig ins Zeug legten, um die Stimmung im Zelt aufzuheizen. Schleifer verabschiedete den zum Fassanstich einmarschierten Musikverein und das „Schlagzeugcorps“, wie er das Trommler- und Pfeiferkorps liebevoll nannte. Dann kündigte er ein ganz neues Programm an: „Wir machen nicht mehr so viel Musik, wir trinken jetzt“, sprach er und verband es mit einem „Prost Freunde!“ Die Freunde in Haaren folgten seinem Aufruf und antworteten mit einem „Prost Blechblos´n!“, das im Verlaufe des Abends noch oft erklingen sollte.

Dass die gestandenen Musiker nicht nur Bayerisches drauf haben, sondern auch alle weiteren Facetten der Unterhaltungs- und Partymusik bis hin zu Rockklassikern und aktuellen Charthits, belegten sie mit dem berühmten „In the Mood“ von Glenn Miller, gleich gefolgt von einer gelungenen, komödiantischen Einlage, bei der zwei Bandmitglieder als Bobfahrer verkleidet nicht nur auf der Bühne aktiv waren, sondern sich auch stehend auf einem Materialwagen der Band kreuz und quer durchs Festzelt kutschieren ließen. Es war ein tolles Bild, wie sich Hunderte Bobfahrer in Dirndl und Lederhose alle zugleich in die Kurve legten. Und damit war die Stimmung längst nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen.

Shuttle-Busse und Taxis brachten auch zu später Stunde noch all die Oktoberfest-Fans heran, die sich zuvor das Fußball-Länderspiel vor dem Fernseher gegönnt hatten. Auch am Samstag und Sonntag bewies das Haarener Oktoberfest seine unvergleichliche Anziehungskraft in der Region.