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Buchvorstellung in Haus Hohenbusch mit Christa Nickels: „Ordinäres, hasserfülltes Gezischel“

Buchvorstellung in Haus Hohenbusch mit Christa Nickels : „Ordinäres, hasserfülltes Gezischel“

Christa Nickels ist die Galionsfigur der kreisheinsberger Grünen. Als Mitbegründerin des Kreisverbands startete sie 1980 eine politische Karriere, die weit über die Kreisgrenzen hinaus führte.

Sie war parlamentarische Staatssekretärin im Kabinett Schröder und organisierte aus ihrem Garten in Waurichen heraus die Ostermärsche. Als eine „authentische Anwältin des außerparlamentarischen Lebens“ würdigt der Autor und Filmemacher Torsten Körner Christa Nickels in seinem Anfang 2020 erschienenen Buch „In der Männer-Republik“. Coronabedingt fand die geplante Lesung Körners im Dialog mit Christa Nickels erst jetzt im Atelier von Haus Hohenbusch statt.

Dr. Ruth Seidel moderierte die Veranstaltung, zu der der Kreisverband Heinsberg der Grünen eingeladen hatte. „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen sollte.“ Diesen Satz der Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel, 1959 gesprochen, hat Torsten Körner seinem Buch, das die politische Geschichte der Bundesrepublik aus weiblicher Perspektive erzählt, vorangestellt. Der Satz Käte Strobels klingt ganz lustig, man mag schmunzeln, doch was auch Anfang der 1980er Jahre noch gang und gäbe im Bundestag war, wenn es darum ging, Frauen, die politische Macht Männern streitbar machen wollten, abzuqualifizieren, regt auch im Nachhinein nicht dazu ein, milde belächelt zu werden.

„Ordinäres, hasserfülltes Gezischel“ nennt Christa Nickels die Äußerungen ihrer damaligen Kollegen im Hohen Haus. „Das war übel“, sagt sie auch 40 Jahre später noch. Es sei nicht einfach gewesen, sich gegen sexistische Beschimpfungen im Rechtsausschuss zu behaupten. Nett, hübsch, aber harmlos, dieses Frauenbild wäre noch akzeptiert worden, doch wer den Mund aufgemacht habe, sei schnell zur Zimtzicke und Kampfhenne abgestempelt worden. Auch konservative Frauen hätten diese Form, Frauen mundtot zu machen, erlebt.

Christa Nickels war 1983 für die Grünen in den Bundestag eingezogen. Zu den zehn Frauen die damals mit 18 Männern die grüne Fraktion bildeten, gehörten die „charismatische Weltbürgerin“ Petra Kelly, die „hartnäckige und vitale Parlamentarierin“ Marie-Luise Beck, die „faszinierende Rednerin“ Waltraud Schoppe, die „strategische Virtuosin“ Antje Vollmer und eben jene „authentische Anwältin des außerparlamentarischen Lebens“ aus Waurichen.

Torsten Körner verweist in seinem Buch auf das Feminat, den Fraktionsvorstand der Grünen von 1984, der ausschließlich aus Frauen bestand. Bis heute sieht er den Anteil der Frauen an der Erfolgsgeschichte der Grünen in den Medien aber nicht genügend gewürdigt. Etwa wenn der Spiegel Grünen-Chef Habeck als Star etabliere, dabei aber Annalena Baerbock als gleichberechtigte Bundesvorsitzende ausblende. Elisabeth Schwarzhaupt wird erwähnt, die 1961 erst nach einem Sitzstreik von CDU-Frauen zur ersten Ministerin unter Konrad Adenauer berufen wurde. Woraufhin Adenauer weiterhin die Regierungsmitglieder mit „Guten Morgen, meine Herren…“ begrüßte. Die Grande Dame der FDP Hildegard Hamm-Brücher taucht auf. Aber auch weniger bekannte Frauen wie die Sozialdemokratin Jeanette Wolff werden gewürdigt.

Das akribisch recherchierte Thema seines Buches hat Torsten Körner auch in einem Dokumentarfilm verarbeitet, zu dem bei der Lesung in Haus Hohenbusch schon einmal der Trailer gezeigt wurde. Was die Frauenfrage angehe, stellte Torsten Körner abschließend fest, seien die Männer heute in einer Bringschuld.