Oellers und Schnelle besuchen Keyenberg

Besuch in Keyenberg : Für die Bürger in Randlage das Beste herausholen

Durch die Berichterstattung über den Kampf um den Hambacher Forst ist die Zukunft des Braunkohletagebaus bundesweit im Gespräch.

Wie sich dies auf die Lage in den Dörfern der Region auswirkt, die derzeit schon mitten im Umsiedlungsprozess sind, darüber informierten sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers und der CDU-Landtagsabgeordnete für den Nordkreis, Thomas Schnelle, bei einem Rundgang durch Erkelenz-Keyenberg. Eingeladen dazu hatte sie Franz Maibaum, der für die CDU Mitglied im Kreistag ist und hier lebt.

Rund 50 Prozent der Bewohner hätten Keyenberg schon verlassen, erklärte Maibaum anschließend bei einer Gesprächsrunde im Pfarrheim, an der auch Peter London, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Erkelenz, teilnahm. Und dennoch sehe es in Keyenberg nicht so aus, als sei der Ort schon halb verlassen. Bewusst werde anders als bei vorangegangenen Umsiedlungen nichts verbrettert, sondern alles so belassen, als sei es bewohnt. Nicht alle Keyenberger seien an den neuen Ort umgesiedelt. „Viele sind auch zu ihren Kindern gezogen oder sonst wohin, einige sogar nach Österreich“, wusste Maibaum zu berichten. Sorge bereitet ihm, dass sich nach den neuen Nachrichten rund um die Hambach-Thematik derzeit zwei Lager bilden würden. Neben den Umsiedlern seien dies die „ewig Gestrigen“, die weiterhin für den Erhalt ihrer Heimat kämpfen würden, sagte er. Dazu zählte er sich auf Nachfrage ob der auffälligen Formulierung dann jedoch auch selbst.

Er könne verstehen, dass es in dieser „politischen Gesamtgemengelage“ die Hoffnung gebe, dass Ortschaften weiter bestehen bleiben könnten, erklärte Oellers. Dennoch gelte es jetzt unbedingt, die beiden Lager wieder zusammenzubringen. Grundsätzlich würden jetzt alle Beteiligten, die Umsiedler, die Anwohner des Tagebaurands, das Unternehmen und dessen Mitarbeiter Planungssicherheit brauchen. Wenn nun lange getroffene Entscheidungen in Frage gestellt würden, sei dies eine „ungesunde Entwicklung“. Für die Politiker vor Ort gelte es, den betroffenen Bürgern zur Seite zu stehen und den Prozess zu begleiten. Und da sei es auch wichtig, für die Bürger in Randlage das Beste herauszuholen, sprach Oellers die unterschiedlichen Abstandsregelungen an. So müsse der Tagebau zum Ort Holzweiler 400 Meter Abstand halten, zu Kaulhausen nur 100 Meter. „Hier ist Gleichbehandlung mehr als geboten“, betonte er, auch mit Blick darauf, dass zu Windkraftanlagen weitaus größere Abstände von der Wohnbebauung vorgegeben sein.

Die Frage der Abstandsflächen werde noch einmal diskutiert werden müssen, pflichtete ihm Schnelle bei, riet allerdings dazu, die Entscheidung der Kohlekommission zum Kohleausstieg zunächst abzuwarten. Zudem sei die 100-Meter-Regelung für Kaulhausen noch nicht in die Betriebspläne „gegossen“.

Im benachbarten Kaulhausen protestieren die Menschen gegen die für sie derzeit nur auf 100 Meter festgelegten Abstand des Tagebaus. Foto: Anna-Petra Thomas

Was die Umsiedlung der Orte betreffe, befinde man sich dagegen in einem Prozess, der nicht mehr zu stoppen sei, so Schnelle. Unterstützung von der Politik könne es da „in den kleinen Dingen“ geben, sodass die Umsiedler zum Beispiel ein passables Grundstück und ausreichend Fläche an ihrem neuen Wohnsitz bekämen. Wie die übrigen Gesprächspartner appellierte auch er an alle Aktivisten, aus den aktuellen Umsiedlungsorten unbedingt fernzubleiben. „Das wollen die Leute hier nicht“, erklärte auch Maibaum.

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