Erkelenz: Nun doch: Kohlegegner schlagen Zelte in Lützerath auf

Erkelenz : Nun doch: Kohlegegner schlagen Zelte in Lützerath auf

Das Klimacamp findet nun doch nicht im Erkelenzer Lahey-Park statt. Klimacamp-Sprecher Milan Schwarze bestätigte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Braunkohlegegner ihre Zelte nun doch wieder auf einigen großen Wiesen im Ortsteil Lützerath aufschlagen.

Ein Landwirt hatte diese Flächen bereits im vergangenen Jahr an die Veranstalter vermietet. Das Klimacamp findet von Freitag, 19., bis Montag, 29. August, statt.

Die Wiesen in Lützerath seien aus zwei Gründen besser für das Camp geeignet als der Sportplatz am Lahey-Park, sagte Schwarze. Einerseits seien sie größer. Was wichtig sei, da die Organisatoren mit rund 1000 Teilnehmern rechnen. Andererseits liege Lützerath näher am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler II. „Das ist uns wichtig. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Dörfer abgebaggert und Menschen umgesiedelt werden. Uns ist wichtig, dass Leute dahin kommen und die Grube sehen“, sagte Schwarze.

Ob es erneut zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Klimaaktivisten kommt, ist bislang nicht absehbar. Ein Protest vergleichbar der Größenordnung der Aktion „Ende Gelände“, bei der im vergangenen Jahr mehr als 800 Aktivisten in den Tagebau gelangten, ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht geplant.

Dabei war es zu so massiven Auseinandersetzungen gekommen, dass sich der Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages mit dem Polizeieinsatz beschäftigte. Viele Aktivisten und einige Journalisten hatten der Polizei nach dem Einsatz am 15. August 2015 unter anderem vorgeworfen, mit übermäßiger Härte gegen Aktivisten vorgegangen zu sein und mit dem RWE-Werkschutz kooperiert zu haben.

Es könnte aber trotzdem zu Auseinandersetzungen kommen. Im Rahmen des Klimacamps soll vom 24. bis 29. August ein „Aktionslabor“ stattfinden, bei dem „neue Aktionsformen ausprobiert“ werden sollen. Es gehe dabei zum Beispiel um Samba-Auftritte, Straßentheater, aber auch um zivilen Ungehorsam, sagte Schwarze.

Für den 25. und den 27. August seien „Aktionstage“ geplant, bei denen die Protestformen umgesetzt werden sollen. Was geschehen wird, könne Schwarze noch nicht sagen, das hänge von den Teilnehmern ab. Er rechnet aber unter anderem mit Schienenblockaden und Baggerbesetzungen.

Die Aachener Polizei kündigte an, konsequent gegen Straftaten vorzugehen und appelliert an die Camp-Besucher, ein Zeichen des friedlichen Protests zu setzen. Nach einer Verschärfung des Konflikts mit Umweltaktivisten am Tagebau Hambach hatte das NRW-Innenministerium der Aachener Polizei die Federführung für Hambach und das Klimacamp 2016 übertragen.

Die Polizei warnte davor, den Tagebau zu betreten. Besonders an den Tagebaukanten bestehe eine erhebliche, nicht kalkulierbare Gefahr. Jeder, der das Tagebaugelände betrete, begehe eine Straftat, hieß es.