NRW fördert mit einem Heimatzeugnis digitales Museumsdepot-Projekt

Heimatzeugnis : Altes kommt in digitaler Form zurück

Fast Vergessenes wieder sichtbar machen – das ist das erklärte Ziel vom Heimatverein der Heinsberger Lande und dem Begas Haus mit ihrem neuen, gemeinsamen Projekt: dem digitalen Museumsdepot des ehemaligen Kreis-Heimatmuseums.

Gefördert wird das Projekt, dessen Gesamtkosten sich auf rund 108.000 Euro belaufen, durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen mit einem Heimatzeugnis.

97.820.10 Euro werden vom Land übernommen. „Eine bedeutende Summe, die die Initiatoren damit in den Kreis Heinsberg und ins Begas-Haus holen“, würdigte Landrat Stephan Pusch am Rande der Pressekonferenz, bei der Anna Petra Thomas, Vorsitzende des Heimatvereins, und Dr. Rita Müllejans-Dickmann, Leiterin des Museums Begas-Haus, vorstellten, wie man sich ein künftiges digitales Museumsdepot vorstellen dürfe.

„Wir haben schon oft festgestellt, dass die alten Bestände des Kreis-Heimatmuseums von vielen  Bürgern vermisst werden“, erklärte Anna Petra Thomas. Immerhin 5000 Objekte des damaligen Bestandes mussten mit der Umgestaltung des Heimatmuseums zum Begas-Haus weichen und an einen anderen Ort umziehen, um Platz für die Werke der berühmten Künstlerdynastie Begas zu schaffen. „5000 Objekte, die nun nach mehreren Umzügen verpackt in Kisten  zwar sicher, aber ohne System bei der Firma Prospex lagern“, wie Müllejans-Dickmann erläuterte.

Der Bestand des ursprünglichen Kreis-Heimatmuseums umfasst regionalgeschichtliche Objekte von der Steinzeit bis zur Neuzeit. Foto: Nicola Gottfroh

Neue technische Möglichkeiten erlaubten es inzwischen aber, sie allesamt digital der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Hinter der Konzeption steht die Idee, alle eingelagerten Objekte zu fotografieren, zu dokumentieren, zu katalogisieren und systematisch zu lagern, sie dann aber vor allem in digitaler Form allen Interessenten wieder zugänglich zu machen – zum einen auf der Internetseite des Begas-Hauses, zum anderen in Form einer Medienstation im Museum“, erklärte Müllejans-Dickmann und die Heimatvereinsvorsitzende fügte hinzu: „Das würde sogar noch über die früheren Ausstellungen im Heimatmuseum hinausgehen, denn es war ja nicht immer alles ausgestellt.“

Immerhin umfasst der sehr heterogene Bestand Heimatkundliches vom jungsteinzeitlichen Prunkbeil, über Bodenfliesen der gotischen Kirche St. Gangolf, feine Biedermeierväschen oder eben Omas altes Senftöpfchen und andere Altertümchen, die die Bürger aus dem Heinsberger Land dem Museum einst übergeben haben. „Alle Objekte anzuschauen wird nun in digitaler Form möglich“, freut sich die Heimatvereinsvorsitzende. Und parallel lösen die Initiatoren damit ein zweites Problem. Denn da der Depotbestand in den vergangenen zehn Jahren dreimal umgelagert wurde, schaffe man sich auf diesem Wege auch gleich ein bereinigtes Depot mit System und Ordnung, an dem man die Objekte schnell wiederfinden könne.

Realisiert werden soll das Projekt mit Unterstützung von Mitarbeitern der Firma Prospex, auf deren Gelände die Objekte untergebracht sind. Die Mitarbeiter werden zunächst für die nun anzuschaffende Museumssoftware geschult und sollen in den kommenden drei Jahren jedes einzelne Objekt auspacken und fotografieren und in den Depotkatalog  einpflegen. Versierte Museumsexperten werden detaillierte Beschreibungen der Stücke hinzufügen.

„Damit ist das alte Museum dann wieder zurück bei den Bürgern mit allen seinen Objekten – zwar nicht haptisch, aber optisch“, sagt Museumsleiterin Müllejans-Dickmann. Vor allem Schulklassen hätten so die Möglichkeit, wie Anna Petra Thomas betonte, ohne das Klassenzimmer zu verlassen, ganz einfach übers Whiteboard einen Abstecher ins Heimatmuseum zu machen. Und so hat auch jeder Bürger die Möglichkeit, spätestens in drei Jahren zu sehen, dass es Omas altes Senftöpfchen oder ein anderes gestiftetes Altertümchen sicher verwahrt bis ins Jahr 2022 geschafft hat.

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