Kreis Heinsberg: Never Back Down macht Musik mit Leidenschaft und ohne Norm

Kreis Heinsberg : Never Back Down macht Musik mit Leidenschaft und ohne Norm

Sie betreten die Bühne, Gitarre und Schlagzeug erzeugen die ersten Klänge, es schallt aus den Lautsprecherboxen. Das einzige, was jetzt noch zählt, ist die Musik, das Hier und Jetzt. Und es wird laut, sehr laut. So laut, dass nicht jeder versteht, warum man sein Hörvermögen einem solchen Gedröhne aussetzt. Aber man kann auch Menschen mit dieser Musik berühren.

So erleben es vier junge Männer aus dem Kreis Heinsberg, die unter dem Namen Never Back Down Musik machen und sich dem „New Wave Hardcore“ verschrieben haben. Daryl Mevißen aus Ratheim, Tobias Hojka aus Hückelhoven, Caner Tatli aus Wassenberg und Philipp Kuppinger aus Kleingladbach wollen ihren Musikstil aber nicht kleinkariert kategorisieren und betiteln.

„Man kann sich sicher etwas unter unserer Musik vorstellen, wenn man an Heavy Metal denkt“, sagt Tobias Hojka. Harte Musik also, zum Teil aggressiv. Dazu kommen klarer Gesang und verzerrtes Gekrächze. „Unser Genre lässt sich schwer einordnen. Wenn wir bestimmte Stilgrenzen der Musik überschreiten, dann ist das halt so. Wir machen die Musik, die uns gefällt.“ Tobias Hojka ist der 21-jährige Drummer der Band, also der Schlagzeuger.

Schreien statt Singen

Der „Kopf der Band“ ist der 26-jährige Daryl Mevißen. Er nennt sich selbst „den Schreihals“, denn er singt nicht, er schreit. In Fachkreisen nennt man das Shouting oder Screaming. Ein Instrument spielt der 26-Jährige nicht. Und auch „normal singen“ zählt nicht zu seinen Stärken. Die spezielle Technik, die man für das „Schreien“ braucht, hat er sich selbst beigebracht. Die Frage, die ihm immer wieder gestellt wird: „Hast du nach den Auftritten keine Halsschmerzen?“ Die Frage verneint Daryl Mevißen. „Weder Halsschmerzen noch Heiserkeit plagen mich nach unseren Konzerten.“

Die Band gibt es seit 2014. Angefangen hat alles mit Daryl Mevißen, der auf einem Konzert den 23-jährigen Caner Tatli kennengelernt hat. Jetzt ist er der Gitarrist und Sänger. Im Gegensatz zu Daryl Mevißen dringen aus seiner Kehle allerdings angenehme Töne und kein raues Krächzen. Den Platz des Bassisten hat der 24-jährige Philipp Kuppinger 2016 eingenommen, nachdem die vorherige Bassistin Carolin Vetter aus beruflichen Gründen ausgestiegen war.

Gespielt haben die jungen Musiker unter anderem schon vor in dieser Szene bekannten Bands wie Lionheart und Rise of the Northstar. Ihr erstes Album, „We Are The New Age“, brachten sie im Sommer 2015 raus. Mit „Creator“ folgte 2016 eine EP, eine Art Mini-Album. Neu ist jetzt ihre Single „March“. Ein Song, der sehr emotional ist und ein bedeutendes Stück Privates ausdrückt. Denn mit dem Song „March“ hat vor allem Tobias Hojka versucht, etwas aus seinem Leben zu verarbeiten — den Tod seines besten Freundes Paul.

In diesem Moment, in dem Tobias Hojka über die Bedeutung des Liedes spricht, kippt die Stimmung. Plauderte er vorher noch gut gelaunt drauf los, wirkt er jetzt niedergeschlagen. „Aber ich merke, wie sehr mir dieses Lied dabei hilft, diesen Tod zu verarbeiten“, sagt Tobias Hojka. Und dass auch Familie und Freunde einen gewissen Halt in dem Lied finden, gibt ihm zusätzlich Kraft. „Es ist einfach irre, wenn man sieht, wie sehr Musik emotional berühren kann.“

Neues Album

„March“ soll auch ein Vorgeschmack auf das neue Album geben, das im Sommer veröffentlicht werden soll. Laut Daryl Mevißen mit den emotionalsten und ernsthaftesten Themen, mit denen sich die jungen Männer bis dahin beschäftigt haben. Das genaue Veröffentlichungsdatum bleibt noch geheim.

„Ich finde, dass man vom ersten bis zum derzeit letzten Song eine sehr große Entwicklung sehen und hören kann, sowohl qualitativ als auch musikalisch“, sagt Tobias Hojka. Sie hätten einen großen Sprung nach vorne gemacht. In den ersten drei Jahren haben sie noch sehr viel Geld aus der eigenen Tasche in ihre Musik stecken müssen. Mittlerweile kämen sie gut mit den Gagen zurecht, die es für so manche Konzerte gebe.

Eine Band nimmt allerdings auch viel Zeit in Anspruch. Die Proben, die Auftritte, das Reisen durch Deutschland. Für all das müsse man Opfer bringen. Aber es lohne sich. „Der Moment auf der Bühne macht alles wieder wett“, sagt Tobias Hojka.

Derzeit spielen die vier jungen Männer 30 bis 40 Konzerte im Jahr — hauptsächlich am Wochenende. Unter anderem standen schon Köln, Düsseldorf, Hamburg und Bremen, Belgien und die Niederlanden auf dem Programm. Geplant ist jetzt auch die erste eigene Tour. Es soll quer durch Europa gehen. „Zusätzlich dazu wären Amerika und Japan natürlich absolut traumhaft“, sagt Daryl Mevißen und lacht.

Freie Wahl

Ein noch größerer Traum ist es allerdings, irgendwann mal von der Musik leben zu können. „Aber man muss auch realistisch bleiben. Unser erstes Ziel war es, unsere Musik mit unserer Musik finanzieren zu können. Das haben wir nach drei Jahren ganz gut hinbekommen“, sagt Daryl Mevißen. Am Anfang sei es wichtig gewesen, jeden Gig mitzunehmen. Man müsse ja auch präsent sein und sich einen Namen machen.

Obwohl sie Konzerte geben, bei denen man durchaus ein dickes Trommelfell braucht oder für alle Fälle Ohrenstöpsel in der Hosentasche haben sollte, haben sie auch ein Ohr für andere Musik. Daryl Mevißen zum Beispiel hört gerne mal Schlagermusik und Musik aus den 80er- und 90er-Jahren. Bis auf Philipp Kuppinger — der sei wirklich Feuer und Flamme für die harte und aggressive Musik. Aber es sei auch wichtig, dass man sich Inspiration von anderen Musikstilen für die eigene Musik holt. „Wir kommen alle auf einen gemeinsamen Nenner“, sagt Tobias Hojka.

Dass das Geschäft hart sein und Erfolg auch kaputt machen kann, wissen die Musiker. Aber sie fühlen sich diesem Druck gewachsen. „Wir sind einfach starke Persönlichkeiten“, so Daryl Mevißen.

Nächster musikalischer Stopp ist jetzt ein Open-Air-Festival in Castrop-Rauxel. Aber auch in Köln wird Never Back Down im Juni erwartet. An diesem Tag werden die jungen Musiker dann auf der gleichen Bühne wie die Bands Emmure und Thy Art is Murder stehen. Bands, die in dieser Musik-Szene bekannt sind.