Hückelhoven: Neues Programm: Mit „Biss“ soll die Bildung intensiv gefördert werden

Hückelhoven: Neues Programm: Mit „Biss“ soll die Bildung intensiv gefördert werden

Seit vielen Jahren schon arbeitet das Kollegium an der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) An der Burg in Hückelhoven mit dem Konzept Koordinierte Alphabetisierung im Anfangsunterricht, das mit dem schönen Namen Koala abgekürzt wird.

In diesem Schuljahr wird dieses bewährte Konzept des Lebens und Lernens mit der Mehrsprachigkeit in der Muttersprache und in Deutsch durch das neue Konzept Bildung durch Sprache und Schrift, kurz Biss genannt, sogar noch erweitert.

Konrektorin Stefanie Buchkremer und Gülten Corlu, Lehrerin für den herkunftssprachlichen Unterricht an der Schule, werden künftig 85 Schüler vom zweiten Schuljahr an nach diesem neu entwickelten Sprachförderungsprogramm unterrichten. Die Grundschule An der Burg ist neben zwei weiteren Schulen in Köln die einzige in Nordrhein-Westfalen, die an dem Biss-Projekt, einer Initiative der Stadt Köln, teilnimmt. Beteiligt an dem Projekt sind zudem das Mercator-Institut für Sprachförderung sowie die Universität Köln.

„Das Prinzip ist, dass die Schüler bestimmte Texte in ihrer Muttersprache, also meist türkisch, bearbeiten und anschließend die in der Klasse dazu gestellten Fragen auf türkisch beantworten — die deutschen Schüler auf deutsch“, erläutert Rektor Dirk Gröbert das Grundwesen des Konzeptes. Was dahinter steckt und was dadurch gefördert werden soll: Die Kinder erfahren so etwas wie Sprachgefühl, das man nicht erlernen kann in ihrer Muttersprache, in der sie sich auch Zuhause unterhalten, wie auch im Deutschen — sie lernen bewusst, mit beiden Sprachen umzugehen.

„Das“, sagt Gülten Corlu, „stärkt ihr Selbstvertrauen ganz enorm. Mit der Folge, dass auch die Identität der Kinder gefördert wird“. Gröbert nennt das ,gelebte Mehrsprachigkeit‘: „Wir arrangieren den Unterricht so, dass die verschiedenen Kulturen in reelle Räume eingebunden werden. Wir leben die kulturelle Vielfalt an unserer Schule.“ 229 Kinder aus 14 Sprachräumen werden derzeit unterrichtet. Und Stefanie Buchkremer ergänzt: „Für die Kinder wird es zur Selbstverständlichkeit, dass in verschiedenen Sprachen gesprochen wird.“ Im Schonraum Grundschule werde damit, so der Rektor, dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach Toleranz entsprochen.

Rektor Gröbert betont, dass „alle Kinder davon Nutzen haben“, denn die deutsche Sprache bleibe nach wie vor „das Eingangsportal“ im Unterricht. Was außer Frage steht ist, dass die Zweitsprache erst entwickelt werden kann, wenn auch die Muttersprache entwickelt ist. „Nur wer seine Herkunftssprache beherrscht und deren Strukturen versteht, ist in der Lage eine Fremdsprache zu lernen“, sagt Gülten Corlu.

„Wir sind sehr gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird“, sagt Gröbert. Da der zweisprachige Unterricht auch von zwei Lehrkräften betreut wird, sieht er eine Entlastung des Personals an seiner Schule.

(kalauz)
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