Wassenberg: Neuer Name für Weg und Platz an Gedenkstätte

Wassenberg: Neuer Name für Weg und Platz an Gedenkstätte

In der Nähe der Synagogengedenkstätte werden ein Platz und ein Weg neu benannt. Es handelt sich dabei um den Parkplatz an der Synagogengasse, der nun Synagogenplatz heißen soll, und den Weg von der Synagogengasse in Richtung Burgstraße, der nun Max-Graab-Weg genannt wird.

Das beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Für diese Benennungen hatte sich der Heimatverein Wassenberg eingesetzt.

Zivilcourage bewiesen

Der Heimatverein begründet seinen Antrag in Bezug auf den Weg damit, dass Max Graab Zivilcourage bewiesen habe, als die Wassenberger Synagoge am 10. November 1938 niedergebrannt wurde. Er habe „durch Zurufe auf dieses abscheuliche Verbrechen hingewiesen“, wofür er ins Gefängnis musste, schreibt Vorsitzender Sepp Becker.

„Jetzt diesen Weg in der Nähe des Ortes des Geschehens nach ihm zu benennen, wäre angebracht, um ihm Respekt und Anerkennung zu erweisen und die Erinnerung an sein Tun wach zu halten.“ Deshalb solle an diesem Weg ein blau-weißes Hinweisschild („Max-Graab-Weg“) aufgestellt werden.

Der Rat stimmte diesem Vorhaben bei wenigen Gegenstimmen zu. Auch wenn es sich beim Max-Graab-Weg um einen Weg handelt, der nicht im Kataster erfasst ist. Darin sahen einige Stadtverordnete ein Problem: Das könne nämlich zur Folge haben, dass man im Notfall von Polizei oder Rettungsdienst nicht gefunden wird, wenn man angibt am Max-Graab-Weg zu stehen. Allerdings könne die Stadt der Polizei, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten relativ unbürokratisch mitteilen, wo sich dieser Weg befindet, sagte Frank Winkens, CDU.

Peter Weyermanns, CDU, argumentierte trotzdem gegen die Benennung des Weges: „Das ist ein Fass ohne Boden“, sagte er. Weyermanns befürchtet, dass die Forderung, ähnliche Wege nach Persönlichkeiten aus dem Ort zu benennen, nun in allen Ortsteilen Wassenbergs aufkommen könnte.

Damit müsste sich der Rat jedes Mal befassen. Und wenn man einmal zustimme, habe man beim nächsten Mal keine Möglichkeit, ein solches Ansinnen abzulehnen, argumentierte Weyermanns. Mit dieser Meinung blieb er allerdings in der Minderheit. Der Antrag wurde bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen.

Einig waren sich die Ratsvertreter dagegen in der Frage, wie viele Jahre eine Person tot sein muss, damit man eine Straße nach ihr benennen kann. Auf Vorschlag der CDU-Fraktion einigte man sich darauf, keine Frist einzusetzen. Straßen können in Wassenberg nun also direkt nach Ableben einer Person nach ihr benannt werden.

In guter Erinnerung

Auch dieser Beschluss geht auf einen Antrag des Heimatvereins zurück. Bisher galt in Wassenberg die Regelung, dass der Todestag mehr als 40 Jahre zurückliegen muss, damit eine Straße nach der Person benannt werden kann. Der Heimatverein hatte angeregt, die Frist auf drei Jahre herabzusetzen. Im Vorfeld der Ratssitzung hatten die Fraktionen nun verschiedene Fristen ins Spiel gebracht. Die CDU plädierte für eine Zehn-, die SPD für eine Fünf-Jahresfrist. Schlussendlich verzichtet man vollkommen auf eine Frist.

Sepp Becker hatte den Antrag des Heimatvereins damit begründet, dass Straßen und Plätze nach Persönlichkeiten benannt werden sollen, „die der Bevölkerung noch in guter Erinnerung sind“. Das war durch die 40-Jahresfrist in vielen Fällen ausgeschlossen.

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