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„An de Sondkull“: Naturlehrpark zieht viele Besucher an

„An de Sondkull“ : Naturlehrpark zieht viele Besucher an

Der Naturlehrpark „An de Sondkull“ in Kirchhoven hat eine neue Errungenschaft: eine Ameisendrehscheibe. Ehrenamtler ärgern sich aber auch über Vandalismus.

Stolz sind die aktiven Ehrenamtler im Naturlehrpark „An de Sondkull“ in Kirchhoven auf eine weitere Errungenschaft, die sie gerade im vorderen Bereich der Anlage aufgestellt haben. Neben dem ebenfalls noch recht neuen Memoryspiel, in dem es um die Namen für 30 verschiedene Tiere und Pflanzen geht, hat jetzt eine sogenannte Ameisendrehscheibe ihren Platz gefunden. Wer an der runden Scheibe im Ein-Meter-Durchmesser hinter der Fronttafel dreht, erfährt ganz viel über das, was im Frühling, Sommer, Herbst und Winter in einem Ameisenhaufen los ist.

Wer die Scheibe auf den Frühling dreht, der kann sich anschauen, wie sich Ei, Larve und Puppe entwickeln. Im Sommer kann dank eindrucksvoll gemalter Bilder das sogenannte Einemsen eines Stares beobachtet werden. Dabei setzt sich der Star mit ausgebreiteten Flügeln auf den Ameisenhaufen und lässt die Ameisen über seinen Körper laufen. Dabei kann das Ameisensekret zum Beispiel Parasiten wie Milben abtöten. Und im Sommer legt die Königin im Ameisenhaufen auch ihre Sommereier. Im Herbst werden die Eingänge im Nesthügel geschlossen. Im Winter kann man die Ameisen in ihren Überwinterungskammern sehen, aber auch, was mit einem Ameisenhügel passiert, wenn Wildschweine dort nach Nahrung suchen.

Am Mittwochnachmittag, wenn die Ehrenamtler sich zur Arbeit in ihrem kleinen Park treffen, freuen sie sich derzeit immer wieder über Besucher, die ihre Sommerferien in der Heimat verbringen und bei einem kleinen Ausflug auch der „Sondkull“ einen Besuch abstatten. „Sogar eine Familie aus Lindern war am Sonntag hier“, erzählt Heinz-Peter Krüsemann, der Vorsitzende des Vereins für Gartenkultur und Ortsverschönerung.

Bereits vor mehr als 20 Jahren hatte der Verein zunächst mit dem Bau eines kleinen Naturparks auf dem Gelände einer einstigen Müllkippe begonnen. Dann musste dieser jedoch einer Umgehungsstraße weichen und befindet sich jetzt dort, wo früher einmal eine Sandgrube war. Daher kommt auch der plattdeutsche Name „Sondkull“.  Inzwischen beherbergt das rund 10.000 Quadratmeter große Areal eine Vielzahl von großen und kleinen Attraktionen, die nicht nur die jungen Gäste begeistern. Gemeinsam ist allen, dass sie bei den Besuchern des Parks mehr Verständnis für die Natur wecken wollen. Erst Ende vergangenen Jahres wurde der Verein dafür mit dem Heimatpreis der Stadt Heinsberg ausgezeichnet. Heinz-Peter Krüsemann und Bernd Lentzen, die quasi zum „Inventar“ gehören, freuen sich zudem, in Frank Herbertz und Sebastian Poschen junge Mitstreiter gefunden zu haben, die dem Naturlehrpfad eine Zukunft geben wollen. „Solange wir aber noch mit der Schubkarre und mit Anhänger fahren können, lassen wir die Jungs nicht allein“, schmunzelt Krüsemann.

Während viele andere Freizeiteinrichtungen zwischenzeitlich geschlossen waren, hat der Naturlehrpark „An de Sondkull“ in Heinsberg-Kirchhoven gar keine abschließbaren Tore und steht so auch während der Coronavirus-Krise allen Besuchern immer offen. „Allerdings mussten wir leider wegen zahlreicher Zerstörungen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ein Zutrittsverbot aussprechen“, räumt Krüsemann ein. Traurig zeigt er auf die Infotafeln an den unterschiedlichen Bäumen entlang des Weges, von denen einige zerstört, gar sechs ganz verschwunden sind. „Eins habe ich beim Mähen der Wiese gefunden“, erzählt der Vorsitzende. Am anderen Ende, zur Umgehungsstraße hin, wird zudem gerade ein neuer, begrünter Zaun errichtet, um ungebetene Gäste fernzuhalten.

 „Ich hatte das nicht so groß erwartet“, staunt Mark Wellner aus Heinsberg, der mit Sohn Matz zum ersten Mal die „Sondkull“ besuchte. Neben der Ameisenscheibe (im Hintergrund) versuchte sich Matz auch am Memoryspiel.
„Ich hatte das nicht so groß erwartet“, staunt Mark Wellner aus Heinsberg, der mit Sohn Matz zum ersten Mal die „Sondkull“ besuchte. Neben der Ameisenscheibe (im Hintergrund) versuchte sich Matz auch am Memoryspiel. Foto: Anna Petra Thomas

Bei einer kleinen Wanderung durch den Park führt der Weg den Besucher auch an einem jungen, sehr ungewöhnlichen Baum vorbei. Vor sechs Jahren habe eine Kirchhovenerin den Samen des Mammutbaums aus Australien mitgebracht, berichtet Krüsemann von dessen Geschichte.

Einzigartig allein ob seiner Größe ist auch das Insektenhotel im Park. Dafür konnten die kreativen Naturfreunde eine alte Holztür aus der Pfarrkirche nutzen, die einer Feuerschutztür weichen musste.

Vor allem jetzt im Sommer zieht auch der Barfußweg große und kleine Füße an. An der Gestaltung haben sich die Kinder der örtlichen Grundschule beteiligt, die auch gerne in den Park kommen, um das grüne Klassenzimmer zu nutzen. Rege beteiligen sich zudem die beiden Kindergärten des Ortes an den Aktivitäten. Sogar Kindergartenkinder aus Laffeld hätten schon einen Ausflug in die „Sondkull“ unternommen, erklärt Krüsemann stolz.

Viel zu entdecken gibt es gerade jetzt aber auch in den Wiesen mit Obstbäumen und Wildblumen, an der Hecke mit Himbeeren und Brombeeren oder am geschnitzten Bienenstand. Zu den rund 90 unterschiedlichen Kräutern in den Beeten gehören auch die 14 Heilkräuter, aus denen sich der sogenannte Kruutwösch binden lässt. Er wird traditionsgemäß an Mariä Himmelfahrt in der Kirche gesegnet.

Ein überdachter Ruheplatz lädt ebenso zum Verweilen ein wie eine Pergola aus Naturhölzern oder über den Park verteilte Ruhebänke. Es gibt zudem einen Brunnen und eine „Hundetankstelle“.

Nicht zu vergessen der inzwischen weit über Kirchhoven hinaus bekannte „Schnullerbaum“. An diesen Amberbaum hängen die Kinder, die mit ihren Eltern oder Großeltern in den Naturlehrpark kommen, ihren Schnuller, „in der Hoffnung der Eltern, dass sie ihn zu Hause nicht mehr brauchen“, schmunzelt Krüsemann.

Obwohl er weder Straßennamen noch Hausnummer besitzt, ist der Naturlehrpark „An de Sondkull“ leicht zu finden. Wer von Heinsberg kommend in den Stadtteil Kirchhoven fährt, muss nur unmittelbar vor der Kirche dem Schild folgen und links abbiegen. Immer geradeaus, ein Stückchen durchs Feld, dann ist das Ziel erreicht.