Erkelenz: Nähwerkstatt der Caritas: Hochwertige Reste kreativ verarbeitet

Erkelenz: Nähwerkstatt der Caritas: Hochwertige Reste kreativ verarbeitet

Wer die Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) für psychisch kranke Menschen des Caritasverbandes für die Region Heinsberg in Erkelenz dienstags betritt, der befindet sich inmitten einer Nähwerkstatt. Frauen sitzen an Nähmaschinen und nähen Wohnaccessoires wie Kissen und Sitzsäcke oder individuell designte Kleidung.

Bei der Nähwerkstatt handelt es sich um ein neues Projekt der KBS in Kooperation mit der Gemeindesozialarbeit des Caritasverbandes und dem Katholischen Forum Mönchengladbach/Heinsberg.

Talente zeigen

„Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, ein kreatives Angebot für interessierte Besucher der KBS anzubieten“, so Gemeindesozialarbeiterin Bärbel Windelen. Schnell sei die Idee aufgekommen, als Projekt eine Nähwerkstatt aufzubauen, zumal hochwertige Stoffspenden einer Stoff- und Dekorationsfirma vorlagen.

„Wir hatten ja schon Erfahrung bei der Herstellung von Designer-Unikaten als „Upcycling“ unter der Leitung von Mode-Designerin Inge Klaus-Bergmann für unsere Modenschau zum zehnjährigen Jubiläum sammeln können“, erzählt Brigitte Hoevel-Haberland von der KBS. Die Teilnehmer seien damals traurig gewesen, dass danach das Nähen vorbei war. Deshalb waren sie begeistert, als sie von dem Projekt erfuhren.

Die Produkte der Nähwerkstatt haben mittlerweile sogar ihr eigenes Label: „B.E.G.A.B.T!“. „Das Wort ist aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der Teilnehmerinnen entstanden“, erklärt Win-delen. „B.E.G.A.B.T!“ sei Programm, denn die hergestellten Produkte würden die Talente ihrer Schöpfer und Hersteller zeigen. „Hier gibt es ganz viele Talente. Diese zu entdecken und zu fördern und das Kreative herauszuholen, dafür bedarf es einer Fachkraft“, so Windelen.

Grundtechniken lernen

Diese habe man mit Susanna Jochims, Bekleidungstechnikerin und -gestalterin und Produktentwicklerin, gefunden. Sie bietet in der KBS einen Nähkurs an jedem Dienstag von 9.30 bis 12.30 Uhr für die Teilnehmer der Nähwerkstatt an. „Es handelt sich um eine Nähschule“, erläutert sie. Sie fange mit den Grundvoraussetzungen an, auch wenn jemand schon Erfahrung hat. „Ich erkläre zunächst den Aufbau einer Nähmaschine, welche Stichtypen und Reißverschlusstechniken es gibt“, so Jochims.

Die erste Aufgabe nach dem Übungsnähen sei gewesen, ein Kissen mit Hotelverschluss zu nähen. Ziel ist, dass jeder schließlich ein Kleidungsstück nähen kann. „Wichtig ist mir, dass alle Teilnehmer die Grundtechniken lernen“, betont Susanna Jochims. Deshalb verteilt sie auch Infomaterial und Arbeitsblätter und achtet darauf, dass alle Stiche perfekt sind. Die Teilnehmer sind begeistert von dieser Art der Nähschule. „Es ist ein sehr harmonischer Kurs mit einer wunderbaren Atmosphäre“, schwärmt Susanna Jochims. Beim Nähen entstünden mitunter sehr interessante interkulturelle Gespräche.

„Dass es die Nähschule gibt, verdanken wir dem Katholischen Forum, das die Nähwerkstatt unterstützt und es ermöglicht, dass die Teilnehmer kostenlos mitmachen können“, erklärt Bärbel Windelen. Als sie von der Projektidee erfahren habe, habe sie sofort die Unterstützung des Forums zugesagt, unterstreicht auch Marion Höver-Battermann vom Katholischen Forum. Sie selber habe Gelegenheit bekommen, die Nähwerkstatt und die Teilnehmer kennenzulernen. „Ich bin erstaunt, wie professionell es hier zugeht und wie schön die hergestellten Waren sind“, sagt Höver-Battermann.

Deshalb ist auch geplant, das Konzept Nähschule auszuweiten und weitere Nähkurse als offenes Angebot des Forums für alle anzubieten, um die KBS nach außen zu öffnen und bekannter zu machen. „Jeder ist eingeladen, mitzumachen. Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Menschen, die vor Ort sind, anzusprechen und ein besonderes Augenmerk auf die interkulturelle Öffnung zu legen“, betont Hoevel-Haberland. Wichtig sei zudem, dass das Projekt auch Unterstützung von außen erfährt.

Mode-Design

„Wir haben von einer Firma sehr hochwertige Gardinendekostoffe erhalten, die sonst weggeworfen worden wären“, erklärt Jochims. Somit werde der Gedanke der Nachhaltigkeit umgesetzt, indem man die gespendeten Stoffe als Kissen „upcycle“ und veredle. „Auch unsere Sitzkissen sind nachhaltig, da sie mit alten Kleidern gefüllt wurden.“ Damit aus den Stoffen auch Kleidungsstücke werden, gehört auch Mode-Designerin Inge Klaus-Bergmann zum Kreativteam. Sie stellt mit den Teilnehmerinnen individuelle hochwertige Konfektionskleidung nach eigenen Schnitten her.

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