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Musikschule: Kreisausschuss diskutiert emotional über Neubau oder Umzug

Neubau oder Umzug : Keine endgültige Entscheidung zum neuen Standort der Musikschule

Sie war bereits von der Bauausschusssitzung in die Kreisausschusssitzung vertagt worden, die Entscheidung zur Unterbringung der Musikschule des Kreises Heinsberg. Doch auch nun, in der jüngsten Sitzung am Dienstag, wurde die mit erheblichen Emotionen verbundene Standortdiskussion um die Kreismusikschule erneut eröffnet.

Einig waren sich alle Fraktionen, dass die Musikschule ein neues zu Hause bekommen soll, denn insgesamt stellt sich die Raumsituation als sehr beengt und nicht mehr zeitgemäß dar.

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung sah vor, die Kreismusikschule im Alten Amtsgericht in Erkelenz an der Aachener Straße unterzubringen oder alternativ einen Neubau auf einem noch zu findenden Grundstück in Erkelenz zu errichten. In der Sitzung des Bauausschusses einige Wochen zuvor hatte der Beschlussvorschlag kurzfristig noch eine weitere Möglichkeit vorgesehen. Denn auch die Stadt Hückelhoven hatte sich damals um den neuen Standort der Musikschule beworben, Ende Mai aber zurückgezogen.

„Auch wenn ich als Bürgermeister der Nachbarkommune sehr gerne die Kreismusikschule zukünftig in Hückelhoven sehen würde, schließen die Fachleute aus meinem Haus und ich uns aus heutiger Sicht einer möglichen und sicherlich sinnvollen Nutzung des alten Amtsgerichtsgebäudes in Erkelenz als neuen Standort für die neue Kreismusikschule an“, erklärte Bürgermeister Bernd Jansen in dem Schreiben, mit dem er die Bewerbung revidierte.

CDU-Mann Erwin Dahlmanns zeigte sich am Dienstagabend über die Rückkehr zur ursprünglichen Vorlage mit lediglich den beiden Varianten Umzug ins Alte Amtsgericht oder Neubau erfreut. Doch auch wenn es aufgrund des Bewerbungsrückzugs nun wieder eine Auswahlmöglichkeit weniger gab, bedeutete dies nicht, dass die Anwesenden im Ausschuss schneller zu einem gemeinsamen Nenner kamen.

Die CDU-Fraktion begrüßte die zentrale Lage und die Nähe zur berufsbildenden Schule und favorisierte daher die Variante, die den Umbau des denkmalgeschützten, alten Amtsgerichtes an der Aachener Straße in Erkelenz beinhaltet – allerdings ohne den zusätzlichen Neubau eines Musiksaals, denn immerhin biete das Forum an der nahegelegenen Berufsschule, das derzeit neu entsteht, die Möglichkeit, Konzerte abzuhalten.

Weiteren Beratungsbedarf sah dagegen die FDP. Sie macht sich Sorgen um gegebenenfalls steigende Kosten, fehlenden Brandschutz und fürchtet eine teure energetische Sanierung. „Da muss noch abschließend geklärt werden, ob ein Neubau da nicht die günstigere Alternative wäre“, erklärte FDP-Ausschussmitglied Stefan Lenzen. Denn Kauf, Umbau und Sanierung des historischen Gebäudes würde schätzungsweise bei rund 2, 3 Millionen Euro liegen, ein Neubau bei 2,5 Millionen Euro.

In dasselbe Horn blies Leo Schreinemacher von den Freien Wählern. „Wir würden den Neubau eines repräsentativen Neubaus für die Musikschule begrüßen“, erklärte er vor den Ausschussmitgliedern und machte deutlich: „Den Ausbau des Altbaus sehen wir dagegen kritisch.“ Ihm fehle zudem ein Brandschutz- und ein Akustikgutachten und er kündigte an, dem Umbau des Gebäudes an der Aachener Straße nicht zuzustimmen.

Auch Ralf Derichs als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion zeigte viele Bedenken in Richtung Brand-  und Schallschutz. „Unsere Sorgen gründen sich nicht nur auf höhere Investitionskosten bei dem alten Gebäude, sondern insbesondere befürchten wir auch höhere Folge- und Betriebskosten als momentan noch erwartet“, fasste er zusammen und stimmte in den Tenor ein, die Entscheidung erneut zu vertagen. Nach derzeitiger Kostenverteilung, die abhängig von den Schülerzahlen ist, sind alle Städte und Gemeinden des Kreises an der Finanzierung der Musikschule beteiligt.

„Mir kommt es vor, als ob man hier irgendwelche Gründe sucht, nicht zu entscheiden“, mischte sich Landrat Stephan Pusch in die Diskussion ein. Immerhin habe die Verwaltung mit der Stadt Erkelenz, die es aus städtebaulicher Sicht begrüßen würde, wenn das alte Amtsgerichtsgebäude künftig durch die Musikschule genutzt würde, alles Nötige besprochen.

Und auch die Zeit dränge: Der Kreis Heinsberg hatte bereits im Dezember 2018 einen Kaufvertrag für das Alte Amtsgericht unterzeichnet, allerdings mit der Klausel, dass der Vertrag nur zustande kommen soll, wenn die zuständigen politischen Gremien noch zustimmen würden. Nur noch bis Ende Juni hat der private Verkäufer dem Kreis die Immobilie reserviert. „Wenn nicht bald entschieden wird, gibt es keine zwei Alternativen mehr“, betonte Pusch. Zudem gebe es für einen Neubau kein anderes alternatives und ansprechendes innerstädtisches Grundstück. „Dann müssten wir auf der grünen Wiese bauen statt in zentraler Lage“, machte Stephan Pusch deutlich.

Auch Musikschulleiterin Gerda Mercks wünscht sich, mit ihrer Einrichtung in das denkmalgeschützte Gebäude einzuziehen. „Ich denke, das ist die beste Entscheidung. Schon allein aufgrund der zentralen Lage“, erklärte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Bei einer Vorentscheidung im Kreisausschuss sprach sich die Mehrheitsfraktion für den Umbau des alten Amtsgerichts aus, mit dem Zusatz, zumindest vorerst auf den zusätzlichen Neubau eines Musiksaals beziehungsweise Forums zu verzichten.

In der Sitzung des Kreistags am 19. Juni wird das Thema dann sicherlich noch einmal emotional diskutiert werden.