Multibus: Fahrzeiten werden bis in die Nacht ausgeweitet

Multibus im Kreis Heinsberg : Service wie ein Taxi zu ÖPNV-Preisen

Auch ohne Auto im Kreis Heinsberg mobil sein – mit dem Öffentlichen Personennahverkehr ist das möglich, doch für viele Menschen im Kreis zu unattraktiv.

Hört man sich unter potenziellen Kunden um, warum sie selten den ÖPNV nutzen, ist der Tenor ähnlich:  Die Fahrpläne sind nicht optimal an die Bedürfnisse der Kunden angepasst, nach 19 Uhr fährt vielerorts kein regulärer Linienbus mehr, dabei haben viele potenzielle Kunden zu dieser Uhrzeit noch nicht einmal Feierabend gemacht.

Gerade in den Abendstunden empfinden es viele junge Menschen als schwierig, noch geeignete Verbindungen zu finden. „Fakt ist außerdem, dass hinter Heinsberg die ÖPNV-Diaspora beginnt – da ist nicht mehr viel, egal, zu welcher Tageszeit“, sagt Anja Jansen aus Waldfeucht, die auf Bus und Bahn angewiesen ist.  Der ÖPNV hat an  Attraktivität eingebüßt – in der Konsequenz wird dann das klimaschädlichere Auto genutzt, denn es ist in den meisten Fällen direkt verfügbar und bequem.

Nicht ausschließlich, aber auch aus Gründen des Klimaschutzes soll sich der bislang stark am Schülerverkehr ausgerichtete ÖPNV im Kreis Heinsberg künftig stärker an den Bedürfnissen der Fahrgäste orientieren, um den ÖPNV im Kreis Heinsberg zukunftsfähig zu machen. Dabei wird verstärkt auf den Multibus gesetzt. Er bietet einen bedarfsorientierten, individuellen Service ähnlich eines Taxis – und das zu Preisen des ÖPNV. Allerdings holt der Mulitbus die Fahrgäste nicht an der Haustüre ab, sondern es muss eine Haltestelle aufgesucht werden. Rund 7800 Fahrgäste befördert der Multibus bisher im Jahr – wenn es nach West-Verkehr und der Kreisverwaltung geht, dürften es künftig noch einige mehr werden.

Deshalb soll der Multibus der West Verkehr GmbH ab dem 1. Januar abends und nachts länger fahren als bisher. Rund 200.000 Euro lässt sich der Kreis Heinsberg die längeren Bedienzeiten kosten. Ab kommendem Jahr werden die Multibusse am Wochenende in der Nacht bis 2 Uhr unterwegs sein, um Fahrgäste durch das Kreisgebiet zu befördern, an Wochentagen immerhin bis ein Uhr in der Nacht. Ein Segen für jungen Menschen wie Anja Jansen. „Das wird einiges vereinfachen“, hofft sie.

„Nichts geändert wird aber an der Anmeldezeit. Sie wird weiterhin eine Stunde betragen“, sagt West-Geschäftsführer Udo Winkens.

Das System Multibus ist ganz einfach:  60 Minuten vor dem gewünschten Fahrtantritt ruft der Fahrgast in der Multibus-Zentrale an und gibt Namen, Adresse, den gewünschten Abfahrtsort, die gewünschte Abfahrtszeit und das Fahrtziel sowie die Personenzahl an.  Der Fahrtwunsch wird von der Multibus-Zentrale bestätigt und dabei die Abfahrtshaltestelle, die genaue Abholzeit und notwendige Umsteigehaltestellen  und -zeiten genannt. „Auch behinderte Menschen in Rollstühlen können problemlos die Fahrt mit dem Multibus genießen. Und auch ein Kinderwagen hat Platz im modernen Fahrzeug der West“, sagt Udo Winkens.

Dass durch die längeren Fahrtzeiten künftig mehr Fahrgäste als bislang auf den Multibus setzen werden, davon ist Burkhard Heine von West-Verkehr überzeugt: „Bei den neuen Bedienzeiten haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, die letzten Züge, die in Lindern und Heinsberg ankommen, zu berücksichtigen“, sagt er und erklärt: „Das eröffnet ganz andere Möglichkeiten der Abendplanung. Da kann man auch mal lange in Aachen feiern, sich vom Multibus am Bahnhof abholen und zu seinem Zielort befördern lassen.“ Was viele ebenfalls nicht wissen: auch der Bahnhof der Rurtalbahn in Linnich wird vom Mulitbus angefahren. Das ist vor allem für junge Leute eine Bereicherung im ÖPNV.

Zur weiteren Verbesserung der Mobilität im Kreisgebiet soll auch die Errichtung von Mobilitätsstationen beitragen. Als ideale Standorte haben sich die Bahnhöfe in Heinsberg, Erkelenz, Geilenkrichen und Wegberg erwiesen und die Innenstadt von Hückelhoven. „An diesen Stationen sollen nicht nur Übergänge von Bus zu Bahn möglich sein, sondern Car-Sharing und Fahrradverleih sowie Ladestationen für E-Bikes angeboten werden“, kündigt Udo Winkens an.

Rund 400.000 Euro werden diese Stationen kosten.