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Heinsberg: Mit Schottenkaro und politischen Appellen: Brings begeistern auf dem Marktplatz

Heinsberg : Mit Schottenkaro und politischen Appellen: Brings begeistern auf dem Marktplatz

Ob für Hut, Krawatte oder Hose, das rot-schwarze Schottenkaro namens „Royal Stewart“ war am Freitagabend angesagt auf dem Heinsberger Marktplatz. Es gehört zum Outfit der Kölschrock-Formation Brings, die damit an ihre Ursprünge in der Punk- und Rockszene erinnert.

Dass sie heute immer noch viel mehr sind als eine Band für den kurzen Auftritt bei der Karnevalssitzung bewiesen die sechs Musiker bei jedem ihrer Stücke und auch zwischendrin mit Instrumentaleinlagen und nicht zuletzt mit den politischen Aussagen von Peter Brings (Gesang, Gitarre).

Eine große Show: Harry Alfter, Peter und Stephan Brings (von links, Foto links) legen gleich zu Beginn des Konzerts in Heinsberg richtig los. Das Publikum geht begeistert mit und feiert zur Musik der Kölschrock-Formation. Foto (2): Anna Petra Thomas. Foto: Anna Petra Thomas

Nach Heinsberg gekommen war er mit Bruder Stephan Brings (Bassgitarre, Gesang) und Harry Alfter (Gitarre, Gesang), der wie die Brings-Brüder zu den Band-Gründern gehört. Vervollständigt wurde das Sextett durch Kai Engel (Keyboard, Gesang), den Sohn von Bläck-Fööss-Mitgründer Tommy Engel, durch Christian Blüm (Schlagzeug, Gesang), den Sohn des ehemaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm, und durch Michael Theising-Tegeler (Posaune, Gesang).

Eingeladen hatte die Volksbank zu diesem Open-Air-Konzert anlässlich des traditionellen Tages für ihre rund 17 000 Mitglieder, der bisher eher mal nach Gangelt in den Wildpark oder zur Selfkantbahn geführt hatte. Dass das neue Konzept aufging, zeigte der schnelle Ausverkauf der 2500 Karten, die für das Konzert zur Verfügung gestanden hatten. Schon auf dem Weg zur Bühne freute sich Stephan Brings im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er viele Familien mit Kindern im Publikum sah. „Das Leben ist teuer, das wissen wir“, erklärte er. Durch ihre Unterstützung habe die Bank die Preise für die Eintrittskarten jedoch niedrig gehalten, so dass auch ganzen Familien ein solcher Konzertbesuch möglich geworden sei.

Einfach weitergesungen

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister Albert Heitzer, der diesem neuen Veranstaltungskonzept schon die Qualität eines Schlagers voraussagte, gab es kein Halten mehr, sowohl auf als auch vor der Bühne. Beim Lied „Poppe, kaate, danze“ sprang Stephan Brings in den für ihn bekannten Posen in seinem Schottenrock umher, und das Publikum feierte begeistert mit — von der ersten Sekunde an. Schnell wurden die Songs länger und länger, denn nach der offiziellen Version sangen die Menschen auf dem Marktplatz einfach a cappella weiter.

Mit einem Appell gegen den Rechtspopulismus und für Frieden in Europa hatte Peter Brings schon das „Halleluja“ eingeleitet, bevor er dann noch deutlicher wurde. Er stamme aus einer Lehrerfamilie, fuhr er fort, und habe dort gelernt, was richtig und was falsch sei. Wenn er derzeit in den Bundestag schaue, würden dort jedoch Grenzen eingerissen von einer Alternative, die keine sei. Da werde etwas gesagt, was dann hinterher nicht so gemeint gewesen sei. „Wenn wir darauf nicht achten, wird das irgendwann wieder normal“, warnte Peter Brings, war dann sogleich wieder ganz musikalisch im Element und sicher, dass nur die „Liebe gewinnt“.

Weiter bereichert wurde das Konzert durch ruhige Balladen, für die auf der Karnevalsbühne kein Platz ist, oder auch durch wunderbare Instrumentaleinlagen mit eindrucksvollen Gitarrenriffs von Harry Alfter. Nach knapp zwei Stunden ließ das Publikum die Band nicht gehen, bevor sie in der dritten Zugabe jedoch nur noch „Heimjon“ wollte, rot-weiße Konfetti-Bänder ins Publikum schoss und auf der Bühne das Licht ausmachte.