Mit Ritter Gerhard zurück ins Jahr 1420

Spezial-App vorgestellt : Mit Ritter Gerhard zurück ins Jahr 1420

Ein paar mal muss man mit dem Finger auf das Display des Smartphones tippen, dann erscheint er: Der stattliche Ritter mit dem blauen Gewand stellt sich vor der Burg Wassenberg in Position, zieht seinen Helm ab und beginnt, über die Burg zu reden.

Es ist ein Besuch im Jahr 1420, und Ritter Gerhard erzählt dort, im „Zentrum der Macht in der Region Meinweg“ etwas über das Gebäude und über Kaiser, die dort zu Besuch waren. Der Ritter ist Protagonist der neuen App „Wassenberg Anno 1420“.

An aktuell vier Stationen, neben der Burg sind das der Bergfried, das Roßtor und der Verlorenenturm, spricht Ritter Gerhard über sein mittelalterliches Wassenberg. Diese Form der digitalen Wissensvermittlung nennt man Augumented Reality, also die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. „Das ist ein tolles Format, ein Publikum zu informieren, das dafür nicht unbedingt Bücher nutzt“, sagt Annika Schmitz von der Stadt Wassenberg. Wassenberg ist damit einer von wenigen Vorreitern, in Deutschland gebe es nur wenige Kommunen, die solche Instrumente einsetzen, sagt Ben Koch von der Firma „Excit3d“, die die App entwickelt hat.

Pappkamerad nach digitalem Vorbild: Die Figur des Ritters Gerhard ist Hauptakteur in der App „Wassenberg Anno 1420“. Hier wird der Ritter eingerahmt von Walter Bienen, Annika Schmitz, Walter Brehl und Ben Koch (v.l.). Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Wenn es in Wassenberg um Geschichte geht, dann geht der Weg auch immer über den Heimatverein. Dort ist das Wissen über die Stadt gebündelt. Der Verein lieferte also die Informationen, die Ritter Gerhard seinen Besuchern weitergeben soll. Diese Informationen bereitzustellen, war für den Heimatverein ein Kinderspiel. Der Verein biete zehn Themenführungen an, so dass man bloß die spannendsten Informationen auswählen musste, sagt Vorsitzender Walter Bienen. Für den Verein sei die App ein guter Weg, ein jüngeres Publikum zu erreichen, sagt er. Deshalb hat sich der Heimatverein auch finanziell an dem 7000-Euro-Projekt beteiligt.

Die vielen Führungen des Heimatvereins soll und kann die App nicht ersetzen. Sie diene vielmehr als Ergänzung zu den Führungen, sagt Annika Schmitz.

Nur der Auftakt

Wer sich die App herunterlädt, braucht an jeder Station einen Code, um sich den informativen Ritter aufs Display zu holen. Aktuell kann man diese Passwörter auf der Internetseite der Stadt oder auf Flyern, die bald verteilt werden sollen, bekommen. Demnächst sollen an den Orten, die Thema in der App sind, auch Schilder mit dem jeweiligen Code angebracht werden.

Historisch hat Wassenberg natürlich viel mehr zu bieten als vier interessante Bauwerke. Annika Schmitz betrachtet die App in ihrem aktuellen Zustand deshalb auch nur als Start. Weitere Stationen sollen folgen. Schmitz nennt als Beispiel den Wehrturm. Und auch Walter Bienen hat noch jede Menge Ideen, wie die App mit noch mehr digitalem Leben gefüllt werden könnte. Zum Beispiel zur Schlacht von Wassenberg, in der 1216 die Staufer gegen die Welfen gewannen. Der Welfe zieht sich am Ende auf die Burg zurück. Da könne der geschlagene Welfenherrscher doch als animierte Figur hinauf zur Burg kommen und über die Schlacht berichten, sagt Bienen.

Noch weiter geht der „Traum“ von Annika Schmitz. Sie würde gerne Elemente aus dem Genre der Virtual Reality einsetzen. „Damit könnte man Besucher komplett in ein mittelalterliches Wassenberg entführen“, sagt sie. Beispielsweise auf einen virtuellen mittelalterlichen Markt auf dem Roßtorplatz.

Zum Start der Wassenberger Geschichts-App gibt es am ersten Novemberwochenende zwei Stadtführungen mit Walter Bienen. Dabei sind die Stationen der App integriert.