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Benefizkonzert für die Ukraine: Mit der Kraft der Kultur gegen den Krieg

Benefizkonzert für die Ukraine : Mit der Kraft der Kultur gegen den Krieg

Ein Benefizkonzert in der Erkelenzer Stadthalle für die Opfer des Ukraine-Krieges demonstriert eine starke Solidarität von Künstlern und Publikum. In Windeseile war es auf die Beine gestellt worden.

Alles begann vor rund zwei Wochen mit dem Gedanken „Da muss man was tun“. Dass dieser Gedanke im Kopf von Fred Feiter aufblitzte, war er mehr als nur ein emotionales Empfinden angesichts der erschreckenden Bilder aus der Ukraine. Denn Feiter setzte den Gedanken innerhalb kurzer Zeit und mit Hilfe seines Netzwerkes aus Künstlern und Kulturschaffenden in die Tat um. Das Ergebnis war das Benefizkonzert, zu dem Feiter und seine Mitstreiter am Samstag in die Erkelenzer Stadthalle eingeladen hatten. Der Eintritt war kostenlos, jedoch stand es jedem Besucher frei zu spenden.

„Jeder kann auch mit einer kleinen Spende einen Beitrag leisten“, sagte der Erkelenzer Kulturmanager Sascha Dücker, der sofort von der Idee begeistert war und neben Logistik und Know-how auch sein eigenes Talent einbrachte. Der ausgebildete Operntenor überraschte bei seinem zweiten Auftritt des Abends mit Stücken der Band Supertramp am E-Piano. Das abwechslungsreiche Programm, das in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt worden war, war voller emotionaler Momente. Still wurde es in der Stadthalle, als Klara Braun aus Schwanenberg auf die Bühne kam und begleitet von den Beets`n´Berries das Stück „Wozu sind Kriege da“ von Altrocker Udo Lindenberg vortrug.

 Klara Braun sang berührend den Lindenberg-Song „Wozu sind Kriege da“.
Klara Braun sang berührend den Lindenberg-Song „Wozu sind Kriege da“. Foto: Helmut Wichlatz

Der Gitarrist Damian Przewozniak versetzte das Publikum mit seinen Interpretationen bekannter Rock- und Popklassiker in einen nahezu meditativen Zustand, während Tobi Janssen und Timo Tiggeler von den Kölschen Adlern auf Mitsingen und gute Stimmung setzten. Natürlich durften regionale Größen wie 3 Männ Sing, Quod Libet, Miss She and the Coconut und Heinz Gerichhausen nicht fehlen. Patrizia Portz schlug auf ihrer E-Geige und unterstützt von Christoph Jentgens den Bogen von klassischer zu moderner Musik. Auch der Gitarrist Rob Sure hatte es sich nicht nehmen lassen, mit seiner Band Vivvid und natürlich auch ohne Gage an dem Konzert teilzunehmen. Mitorganisator Raphael Meyersieck vom Kultur-Garten betonte, dass bis kurz vor dem Konzert noch Künstler ihre Teilnahme zugesagt hätten.

Bürgermeister Stephan Muckel zeigte sich begeistert über das Konzert. „Wir schaffen es in kurzer Zeit, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen und ein starkes Zeichen der Solidarität zu setzen“, erklärte er. Wichtig war ihm, dass sich die Aktion und Kritik an dem Angriffskrieg nicht gegen die Menschen in Russland oder russisch-stämmige Bürger in Erkelenz richte: „Es geht nicht gegen Russland, sondern gegen den Despoten Putin und seinen Krieg.“

Im Foyer der Stadthalle verkaufte der Verein „Ankommen“ ukrainischen Borschtsch aus großen dampfenden Töpfen. Der Eintopf mit Roter Beete und wahlweise mit oder ohne Sauerkraut ist sowohl in der Ukraine als auch in Russland eine Art Nationalgericht. Gespendet worden war der Borschtsch von den Betreibern des Immerather Restaurants Troyka, die es mit ihrer modernen russischen Küche schon zu einem Michelin-Stern gebracht haben. „Obwohl sie sich klar von Putin und seinem Krieg distanzieren, werden sie in letzter Zeit zunehmend angefeindet“, sagte die Vereinsvorsitzende Andrea Ludwigs-Spalink. „Das dürfen wir als Gesellschaft nicht zulassen.“ Das findet auch Joanna Schmitz. Gemeinsam mit ihrer Tochter Ruth hatte sie ihre Hilfe angeboten. „Man muss etwas tun“, sagte sie. „Ich stamme aus Polen, die Ukraine ist unser Nachbarland.“ Sorgen bereiten ihr auch die jungen Leute: „Erst kam Corona und jetzt mit dem Krieg der zweite Schock. Viele junge Menschen sind verunsichert.“

Der Erlös des Benefizkonzertes wird Professor Andrij Pich von der RWTH zur Verfügung gestellt, dessen Hilfsinitiative mit Medikamenten, Verbandsmaterial und anderen medizinischen Produkten gezielt das medizinische Personal in den umkämpften Gebieten unterstützt.