Mit „Bunte Vielfalt gegen braune Einfalt“ meldet sich das Bündnis gegen Rechts zu Wort

Aktionstag : Rassismus schon im Keim ersticken

Bunte Vielfalt gegen braune Einfalt“ bot das Bündnis gegen Rechts im Kreis Heinsberg beim zweiten internationalen Aktionstag gegen Rassismus. Beim Treffen in der Stadthalle erwartete die Besucher ein Nachmittag mit Musik, Unterhaltung, Referaten und Berichten.

Aufgewiesen wurden auch Wege der Auseinandersetzung mit dem überkommenen und rassistischen Gedankengut. „ Professor Thomas Niehr von der RWTH Aachen beleuchtete in seinem Vortrag den „Alltagsrassismus in der Sprache“ und gab Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

Sein Fazit war ernüchternd, denn es lohne sich nicht, mit Rechten zu reden, da von denen nichts Neues komme. Schon auf die grundsätzliche Frage „Was nimmt uns denn der Andere weg“ komme keine Antwort, die den Hass rechtfertige. Deshalb sei das Gespräch mit diesen Menschen müßig, nicht jedoch das Gespräch über sie. Bürgermeister Peter Jansen erinnerte in seinem Grußwort an die Gefahren der Gleichschaltung von Meinung.

Die Gräuel des Dritten Reiches hätten anscheinend viele schon vergessen. Er appellierte an die Zuhörer, dass das Wissen um die Vergangenheit in „unser allgemeines Gedächtnis aufgenommen“ werden müsse. Auch an den Schulen müsse dieses Wissen weitervermittelt werden. In Zeiten, in denen sich Hass breit mache, müsse die Gesellschaft daran denken, was dieser Hass an Vernichtung, Leid und Elend hervorgebracht hat.

Im Rahmen des Landesprojektes „NRWeltoffen“ hatte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Wilfried Mercks ein lokales Handlungskonzept entwickelt. Das Handlungskonzept lag in gedruckter Form neben anderen Informationsbroschüren aus und wurde von den Teilnehmern der Veranstaltung diskutiert. Gruppen und Parteien hatten Infostände aufgebaut und suchten das Gespräch. Bücher zum Thema hatte die Geilenkirchener Buchhandlung Lyne von de Berg mitgebracht. An einem gemeinsamen Europatisch hatten die Parteien CDU, FDP, SPD, Grüne und Linke zur Europawahl ihre Positionen zu Rechtsextremismus und Rassismus dargestellt.

Professor Karim Feereidooni von der Bochumer Ruhruniversität berichtete über Alltagsrassismus und die gesellschaftliche Verantwortung. „Niemand wird als Rassist geboren“, betonte er. „Man wird dazu erzogen.“ Daher gelte es einzuschreiten, wenn man schon bei Kindern rassistische Äußerungen höre. Auch auf das an sich durchschaubare Spiel der Rechtspopulisten und Rassisten wurde aufmerksam gemacht. So forderten sie gesetzlich verbriefte Rechte ein und stellten ihre Äußerungen fälschlicherweise unter den Schirm der Meinungsfreiheit, billigten diese Meinungsfreiheit jedoch Andersdenkenden oder Kritikern nicht zu.

„Wir wollen dafür sorgen, dass wir alle im Kreis Heinsberg friedlich zusammenleben können“, fasste Bündnis-Sprecherin Anja Schultz zum Abschluss des Aktionstages dessen Ziele in der Stadthalle zusammen. Aufkeimender Rechtsextremismus und Rassismus könnten im Keim erstickt werden. „Wir wollen nicht auf irgendetwas warten“, erklärte sie. „Wir wollen handeln.“

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