Erkelenz: Menschen jenseits der 50 das Geigenspiel beibringen

Erkelenz: Menschen jenseits der 50 das Geigenspiel beibringen

„Ein Musikinstrument zu lernen, ist nie leicht, aber das Geigenspiel zu erlernen, ist besonders schwierig“, sagte Barbara Dünnwald, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch älteren und alten Menschen in Einzelstunden das Spielen dieses anspruchsvollen Instruments näherzubringen.

„Geigenstunden ab 50 plus“ heißt ihr Motto und Kostproben ihres Orchesters „Geigenchor unperfect“ konnte man am Samstag im Hospiz in Erkelenz erleben. Eine weitere Aufführung ist für den kommenden Sonntag im Altenheim von Sankt Lambertus in Hückelhoven geplant.

„Musik soll für den älteren und alten Menschen ein in ihm ruhender Schatz sein, an dem er sich immer wieder neu erfreuen und bedienen kann“, lautet die Devise der Geigenlehrerin Barbara Dünnwald. „Oft drohen die Fähigkeiten, die man sich als Kind angeeignet hat, im Alter verloren zu gehen“, sagte Dünnwald.

Diese Aussage bestätigte auch das älteste Geigenchormitglied Willi Sulke. Er ist 78 Jahre alt, hat in jungen Jahren schon gespielt und vor vier Jahren wieder angefangen. Geige zu spielen sei schwer, gestand er, aber die ganze Sache mache ihm riesigen Spaß. Spaß hat auch das jüngste Orchestermitglied, die neunjährige Emma Wilms. Sie ist ebenfalls mit viel Begeisterung bei der Sache.

Bernd Finken aus Oerath hat sich mit dem Erlernen des Geigenspiels nach eigener Aussage sogar einen Jugendtraum erfüllt. Vor dreieinhalb Jahren hat er angefangen, Musik zu machen. In der Jugend sei er einfach nicht dazu gekommen, sagte er. Inzwischen begleitet ihn auch seine Gattin zum Geigenunterricht.

Barbara Dünnwald beantwortet die Frage, ob man mit 50, 60 oder 70 nicht zu alt sei, noch Geige zu lernen, mit einem klaren „Nein“. Es komme allein auf die Sichtweise an. Musik könne im Alter ein Stück Lebenshilfe und Sinnorientierung sein, denn sie gehöre zum Wesen des Menschen. Mit „50 plus“ könne und müsse man die Qualitäten eines Profimusikers nicht mehr erreichen. In diesem Alter sei es viel wichtiger, Spaß, Erfüllung und Genuss am eigenen Tun zu empfinden und den gesamten Körper zu trainieren.

Das Geigenspiel helfe älteren und alten Menschen, beweglich und fit zu bleiben. Musik oder Geige zu erlernen, rege an, fordere auf, ordne Abläufe, entspanne, beruhige und löse Emotionen aus, sagte Dünnwald.

Koordinationsfähigkeit, Reaktionsvermögen und Fingerfertigkeit hielten Geist und Körper fit, ist sich Barbara Dünnwald sicher. Die positiven Auswirkung der Musik auf den alternden Menschen seien inzwischen auch wissenschaftliche anerkannt.

Das Geigenorchester „unperfect“ trat bei seinem Auftritt im Erkelenzer Hospiz den Beweis dafür an, dass auch ältere Menschen bereit sind, Mut aufzubringen und die Hemmschwelle abzubauen, sich musikalisch zu orientieren und sich etwas Neues zuzutrauen. Mit bekannten Weihnachtsliedern sorgte das Geigenorchester für eine gelungene Abwechslung bei den Bewohnern und dem Personal im Hospiz von Erkelenz.