Heinsberg/Hückelhoven: Mehr verkaufsoffene Sonntage nicht bei allen gewünscht

Heinsberg/Hückelhoven : Mehr verkaufsoffene Sonntage nicht bei allen gewünscht

Die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Läden in Nordrhein-Westfalens Kommunen dürfen in Zukunft an bis zu acht Sonntagen im Jahr öffnen. Der NRW-Landtag hatte diese Reform des Ladenöffnungsgesetzes in der letzten Woche beschlossen. Das entspricht einer Verdoppelung der bisherigen Zahl.

Dabei kann die Festsetzung für das gesamte Stadtgebiet oder für bestimmte Ortsteile erfolgen. Neben Märkten, Festen und Messen können nunmehr weitere Sachgründe für verkaufsoffene Sonntage angeführt werden.

Dazu zählt auch schlicht die „Belebung der Innenstädte“. Wer nun jedoch glaubt, dass die Entscheidung in der Händlerschaft ausschließlich Jubelstürme auslöst, wird überrascht sein, wie ein Vergleich zeigt zwischen Heinsberg und Hückelhoven, den Hauptkontrahenten im Wettbewerb um die Kundengunst im Kreis Heinsberg.

Peter Heinrichs, der Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins Heinsberg, der selbst mehrere Geschäfte in der Kreisstadt betreibt, begrüßt grundsätzlich jede Lockerung der starren Regelungen. „Die Ladenschlussregelung hat sich überlebt, seit es E-Commerce gibt und sonntags auch Pakete gepackt werden dürfen. Internet-Handel läuft 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Die Öffnungszeiten sollte man deshalb dem Wettbewerb überlassen.“

Dennoch rechnet Heinrichs nicht damit, „dass wir eine Mehrheit dafür finden, die volle Zahl auszuschöpfen. Das liegt unter anderem daran, dass wir viele inhabergeführte Geschäfte haben. Die Filialisten würden da bestimmt direkt mitmachen“. Gerade im Grenzgebiet zu den Niederlanden sei die Öffnung des Ladenschlusses wichtig, glaubt Heinrichs.

Hier sei die Konkurrenzsituation naturgemäß besonders intensiv. Dennoch glaubt der G&V-Vorsitzende nicht, dass es jetzt in Heinsberg zu einem „Wildwuchs“ in puncto sonntägliche Öffnungszeiten kommen werde. Der Einzelhandelsumsatz stieg allein in Heinsberg 2017 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent, von 255 Millionen Euro auf 267 Millionen Euro. Im Kreisgebiet liegt die Stadt damit erneut auf Platz 1.

Monika Schmitz-Schibbe, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Hückelhoven, hat in weiten Teilen eine völlig andere Sicht als ihr Heinsberger Pendant. „Ich finde es lächerlich“, sagt sie glasklar im Hinblick auf die Entscheidung des Landtages. „Der Bedarf ist nicht da. Da kommt doch keiner am Sonntag, der nur einen müden Euro mehr ausgibt. Woher sollen die Leute das Geld nehmen, um es auszugeben?“ Man solle zudem auch einmal an die Mitarbeiter denken, meint Schmitz-Schibbe, und diesen einen Ruhetag gönnen. „Es ist auch nicht im Sinne der Kirche,“ sagt sie.

Die Ladenöffnungszeiten seien doch in der Woche bis zum Teil nach 22 Uhr bestens ausgeschöpft, glaubt die Hückelhovenerin, die schon seit vielen Jahren ihr „Schönheitsstübchen Monika“ betreibt. Ob sie mit dieser Position in der ehemaligen Zechenstadt eher der einsame Rufer in der Wüste sei? Das glaubt Schmitz-Schibbe nicht. „Ich denke, ich bin mit meiner Meinung nicht allein in der Werbegemeinschaft.

Es ist schon schwer genug, die bereits vorhandenen verkaufsoffenen Sonntage durchzuführen, weil viele die Türe zu lassen. Es ist doch kein Aushängeschild für eine Stadt, wenn dann noch mehr Geschäfte geschlossen bleiben würden.“ Für Schmitz-Schibbe reichen die vier bisherigen Sonntag vollkommen aus.

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