Kreis Heinsberg: Medien im Unterricht: Sind die Schulen fit für die Zukunft?

Kreis Heinsberg : Medien im Unterricht: Sind die Schulen fit für die Zukunft?

Computerräume, Laptops und Beamer gehören heute zum Standard in den Klassenräumen. Der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist aber kein Selbstzweck, sondern soll möglichst strukturiert erfolgen.

Die Idee, dass Schulen deshalb ein sogenanntes schulisches Medienkonzept schreiben sollen, auf dessen Basis die Schulträger einen Medienentwicklungsplan erstellen, ist nicht neu. Seit 2001 unterstützen Guido Rütten und Stefan Huppertz Schulen und Träger im Kreis Heinsberg als Medienberater bei der Erstellung solcher Konzepte. Diese enthalten sowohl eine Bestandsaufnahme bezüglich der Ausstattung der Klassenräume und Anbindung ans Internet als auch die individuellen Bedürfnisse der Schule bezogen auf zusätzliche technische Ausstattung.

Zwischen den Schulen in Heinsberg, Hückelhoven, Erkelenz und Wassenberg gibt es bezüglich ihrer Ausstattung und Nutzung von digitalen Medien erhebliche Unterschiede. „Es waren lange keine finanziellen Mittel vorhanden, und die Träger waren bei der Ausstattung der Schulen auf sich gestellt“, erklärt Guido Rütten.

Mittel fließen wieder

Dank des Förderprogramms „Gute Schule 2020“ des Landes NRW fließen die finanziellen Mittel wieder. Für viele Schulen ist das ein Anreiz, jetzt ihr schulisches Medienkonzept zu entwickeln. Bildungsexperten gehen davon aus, dass Schulen in NRW, die zukünftig finanzielle Unterstützung für ihre technische Ausrüstung beantragen, bald per Landesbeschluss dazu verpflichtet werden, ein schulisches Mediennutzungskonzept vorzulegen.

Einige Schulen haben bereits vor Jahren ihr erstes Medienkonzept erarbeitet und laufend erneuert, so das Gymnasium Hückelhoven und die Realschule Heinsberg. „Wir sind daran interessiert, dass die Schule zukunftssicher wird“, sagt Schulleiter Albert Zaunbrecher von der Realschule Heinsberg. Andere Schulen schreiben noch an ihren Konzepten. „Bis 2020 soll unser Konzept stehen“, sagt Peter Ruske, Leiter der Gesamtschule Oberbruch.

Während viele weiterführende Schulen im Kreis überzeugt sind, medial überdurchschnittlich gut ausgestattet zu sein, scheint der digitale Wandel an anderen vorbeizuziehen. Die Befragung verschiedener Schulleiter im Kreis ergibt ein deutliches Gefälle. „Die Ausstattung der Schulen im Kreis Heinsberg ist unterschiedlich. Die Grundausstattung mit Internetanschluss und Computern ist überall vorhanden, aber darüber hinaus haben die Schulen sich sehr unterschiedlich entwickelt“, sagt Medienberater Rütten.

Die Leiterin der Hauptschule in Hückelhoven, Christiane Müller, klagt weiterhin über große Probleme mit dem Internetanschluss. „Deutschland ist ein Dritte-Welt-Land bei der Anbindung der Schulen ans Internet. Zumindest kommt es uns so vor“, sagt sie: „Das Netz In der Schlee reicht nicht mal dafür aus, dass alle Nutzer im Computerraum gleichzeitig ins Internet können. Ein Konzept zu entwickeln fällt schwer, wenn wir nicht einmal die vorhandenen Geräte richtig nutzen können.“

In der Gesamtschule Oberbruch ist in jedem Klassenraum eine Computer-Tafel angebracht. Es gibt in jedem Raum zwei Computer für die Schüler. Außerdem sollen die Kinder in Computerräumen eigenständig lernen. „Ziel ist es, dass die Kinder ihr Potenzial entfalten können und Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess übernehmen“, sagt Schulleiter Ruske.

Rita Hündgen, Schulleiterin des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz, ist ebenfalls von der digitalen Ausstattung ihrer Schule überzeugt. „Wir sind eine der am besten medial ausgestatteten Schulen in NRW“, sagt Hündgen.

Helmut Frohn, stellvertretender Schulleiter der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg, ist ebenfalls zuversichtlich. „Wir sind überproportional gut ausgestattet, aber es geht immer noch besser. Keine Schule hat die komplette Ausstattung, wie sie es sich wünscht. Wichtig ist, aus den gegebenen Ressourcen das Beste rauszuholen“, fasst er zusammen.

Aber Ziel der Digitalisierung ist nicht die Anschaffung möglichst vieler neuer Geräte. „Dass es möglichst viele Tablets an einer Schule gibt, ist kein Qualitätsmerkmal, sondern dass der Einsatz von digitalen Medien zu qualitativ besserem Unterricht führt“, sagt Annegret Krewald, Leiterin des Kreisgymnasiums Heinsberg. „Aber die Marschrichtung ist klar: Digitale Medien sollen ein Unterrichtswerkzeug sein, das jedem Schüler zur Verfügung steht.“

Insgesamt ist der digitale Wandel eine finanzielle und strukturelle Herausforderung für Schulen und Träger. Mit der Anschaffung der Geräte und der Anbindung der Schulen ans Breitband-Internet ist der digitale Wandel nicht geschafft. „Netzwerke mit Hunderten von Rechnern müssen beispielsweise virenfrei gehalten werden und Fachleute die Wartungen der Geräte übernehmen“, sagt Rütten. Zudem müssen die kostenintensiven Software-Lizenzen regelmäßig erneuert werden.

Fortbildung der Lehrer

Ein Schlüsselelement ist die Fortbildung der Lehrer, damit sie die Medien qualifiziert und sicher nutzen können. Dass Lehrer auf dem neusten Stand sind, an ihren Schulen Bedarfe entdecken und in den Medienkonzepten Ausstattung von ihren Trägern fordern, ist Grundbedingung für den Einsatz digitaler Medien. In einigen Schulen haben Lehrer aber den Einsatz digitaler Medien lange nicht für nötig gehalten. Das ist ein Grund dafür, dass einige Schulen bei der Ausstattung hinterherhinken.

Guido Rütten und sein Team von Medienberatern bieten Fortbildungen für Lehrpersonal an. Die Nachfrage steigt. „Ältere Kollegen dazu zu bringen, in den Lehrplänen Raum für digitale Medien zu schaffen, ist ein großer Aufwand“, sagt Arnold Krekelberg, Leiter des Gymnasiums Hückelhoven.„Was hilft ein Smartboard als Ferrari unter den Tafeln, wenn die Lehrer dafür keinen Führerschein haben“, stimmt ihm Helmut Frohn zu.