Maria Carvalho und das Trio Fado in der Hückelhovener Aula

Maria Carvalho und das Trio Fado : Beim Foyerkonzert mit Fado die Zuhörer begeistert

Der Verein „con brio“, Freunde der Kammermusik, gestaltete im Rahmen des Stadtmusikfestes sein traditionelles Foyerkonzert in der Aula. Zu Gast war die Sängerin Maria Carvalho mit dem Trio Fado, ein in Deutschland gegründetes Ensemble, das sich dem portugiesischen Musikstil Fado verschrieben hat und damit auch in Hückelhoven auf ein durchaus positives Echo stieß.

Es war der Hauch Melancholie, der in den Liedern zu spüren war und der gleichzeitig der Ausdruck von einer Lebensfreude war, die den Sound dieser Formation so besonders ausmacht. Dass in Hückelhoven vier Vollblutmusiker gezeigt haben, dass sie musikalisch durch und durch für den Fado stehen, begeisterte die Zuhörer.

Auf der Bühne standen der Gitarrist und Sänger Antonio Dewrito, dann der Mann mit der Guitarra portuguesa Ivo Guedes, die Cellistin Julia Korsawa und die Sängerin Maria Carvalho. Ohne die musikalische Leistung der eingesetzten Musiker schmälern zu wollen, muss erwähnt werden, dass zur „Stammbesetzung“ der Gitarrist Daniel Pircher und der Cellist Benjamin Waldrodt gehören, die sonst üblicherweise die klassische Fado-Besetzung perfekt ergänzen, aber beim Foyerkonzert aus beruflichen Gründen verhindert waren

In der Aula jedenfalls konnte man den Zauber eines Fados erleben, der sich auf höchstem musikalischem Niveau bewegte, stilistisch sicher und kompetent. Früher wurde der ganz traditionelle Fado nur mit der portugiesischen Gitarre und einer Viola begleitet. In der Berliner Besetzung ist ein Cello dabei, das eher außergewöhnlich, aber wunderschön den Klang bereichert. Das charakteristische Instrument dabei ist die portugiesische Gitarre (Guitarra portuguesa). Sie erinnert mit ihren sechs Doppelsaiten an eine Mandoline und ist untrennbar mit dieser Musik verbunden.

Der Fado selbst ist Sehnsucht, Leidenschaft und Freude am Feiern, das Wichtigste sind seine Texte. Die ganz große Kunst des Fado-Sängers ist es, die gesungenen Gefühle auch sichtbar auszudrücken. Als Zuhörer fühlt und leidet man mit, und seit ewigen Zeiten hört man meistens einfach nur zu. Ihre Wurzeln hat die folkloristische Nationalmusik der Portugiesen in afro-brasilianischen Tänzen. Fado war zunächst Musik der Armenviertel Lissabons. In den Tavernen und Bordellen wurde von Liebe, Eifersucht, Schmerz, Leid und Sünde, aber auch von sozialen Alltagsproblemen armer Arbeiter und Flüchtlingen gesungen.

Fado hatte früher etwas Unanständiges; die untere Schicht sang ihn, ab und zu wurde dazu noch getanzt, man rauchte dabei und trank billigen Rotwein. Aus den Revuetheatern heraus entwickelte sich die Stilrichtung Anfang des 20. Jahrhundert über den Rundfunk und später über das Fernsehen bis heute zu hoher Popularität. In den 80er Jahren erlebte der Fado einen regelrechten neuen Höhenflug und wurde so zum wichtigsten kulturellen Exportprodukt Portugals.

In der Hückelhovener Aula standen neben traditionellen Titeln auch Standards auf dem Programm. Natürlich wurde auch improvisiert, aber im Grunde ging es um die Freude am Musizieren und um das Bestreben, das interessierte aufmerksame Publikum bei einem Glas Wein sowie bei einem landestypischen portugiesischen Imbiss möglichst gut zu unterhalten. Der Applaus steigerte sich permanent, zumal die Ansagen den Unterhaltungswert noch steigerten.

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